Medizin-Check im All: Prof. Bimba Hoyer betreut Astronautin Sophie Adenot beim EVA

NASA/ESA
Die ESA-Astronautin Sophie Adenot hat am Dienstag, dem 25. August 2026 ihren zweiten EVA (Extravehicular Activity) auf der Internationalen Raumstation ISS erfolgreich durchgeführt. Während des rund 6,5 Stunden dauernden Außenbordeinsatzes schlossen Sophie und ihr NASA-Kollege Anil Menon die Installation und Inbetriebnahme einer Ersatz-Space-to-Ground-Antenne ab. Medizinisch betreut wurde Sophie während des gesamten Einsatzes und bei der Vorbereitung an Bord durch Prof. Bimba Hoyer, Fliegerärztin des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA). Hier berichtet sie über den spannenden Einsatz im Rahmen der εpsilon-Mission.

Die erste Schicht fing um Mitternacht Ortszeit an – also um 7 Uhr morgens mitteleuropäischer Sommerzeit (MESZ). Es liefen bereits Vorbereitungen, und ich konnte mich noch ein bisschen zusammen mit einer NASA-Kollegin einarbeiten, bevor der eigentliche Ausstieg gegen 7:30 Uhr Ortszeit begann.

DLR/ESA
Taucherkrankheit kann auch im Weltraum auftreten
Die medizinische EVA-Betreuung von Sophie und Anil begann wie bei jedem Außenbordeinsatz schon lange vor dem eigentlichen Ausstieg. Grund dafür sind die Druckverhältnisse in den Raumanzügen, die im Weltall getragen werden müssen. Dieser Druck beträgt nur ein Drittel des normalen Luftdrucks – das entspricht etwa dem Druck, der in Höhe des Mount Everest herrscht. Durch den Wechsel zwischen den höheren Druckverhältnissen an Bord der ISS zum niedrigeren Druck im Anzug, aber vor allem auch beim Wechsel zum höheren Druck beim Zurückkommen, besteht das Risiko für eine Dekompressionskrankheit ...also im Prinzip wie beim Tauchen. Dabei können Stickstoffbläschen im Blut entstehen und zu gesundheitlichen Problemen führen.

ESA
Um dieses Risiko deutlich zu reduzieren, durchliefen Sophie und Anil so wie alle Crews ein Prebreath-Protokoll. Dabei atmeten sie vor dem EVA über mehrere Stunden reinen Sauerstoff und bewegten dabei alle Körperteile, um möglichst viel Stickstoff aus dem Gewebe zu entfernen. Diese Prozedur muss medizinisch überwacht werden. Erst wurde Sauerstoff bei normalem Umgebungsdruck geatmet, dann wurde der Druck etwas abgesenkt – aber nur so weit, dass die Support-Crew, die die beiden vor dem Ausstieg unterstützt, noch in dem Bereich bleiben konnte. Anschließend zogen Sophie und Anil die Anzüge an und atmeten weiter reinen Sauerstoff, während sie sich bewegten.
In vorgegebenen Zyklen wurde „Start Exercise“ und „Stop Exercise“ angesagt. Bei diesen Übungen werden Arme und Beine leicht im Anzug bewegt. Mehrfach wurden Leak Checks gemacht, um zu schauen, ob die Anzüge richtig und dicht sitzen. Nachdem die Support-Crew den Bereich verlassen hatte, wurde der Druck in der Luftschleuse langsam auf Vakuum gesenkt. So vergingen insgesamt einige Stunden mit Vorbereitungen, bis sich die Klappe nach Außen öffnete und die harte und anstrengende körperliche Arbeit begann.
Mit der Zahnbürste gegen widerspenstige Raumfahrttechnik

NASA/ESA
Während der Arbeit musste sich Sophie mehrfach außen an der ISS entlang bewegen. Festsitzende Schrauben und Steckverbinder an der defekten alten Antenne verzögerten die Arbeiten, sodass sie unter anderem mit einer „Zahnbürste“ die Bolzen fetten musste – so wie man eben auf der ISS Probleme und festsitzende Bolzen löst.

DLR/ESA
Währenddessen haben wir permanent die Herzfrequenz von Sophie und Anil, den Energie- und Sauerstoff-Verbrauch sowie den Kohlendioxid-Ausstoß beobachtet. Dabei hätten wir jederzeit eingreifen können, wenn irgendwas nicht gestimmt hätte. Und es gibt teilweise auch klare medizinische Abbruchkriterien, etwa bestimmte Herzrhythmusstörungen oder hohe CO₂-Werte. Zum Glück mussten wir keinen Gebrauch davon machen, sondern konnten fasziniert die Arbeit der beiden beobachten.
Für uns von der medizinischen Crew begann dann nochmal eine wichtige Phase, als Sophie und Anil wieder in der Luftschleuse waren. Dann wurde der Druck langsam wieder angehoben. Der Druckausgleich funktionierte problemlos. Nach sechseinhalb Stunden Einsatz im Weltall, einer guten halben Stunde Druckhochfahren und nachdem sich Sophie und Anil aus den Anzügen „befreit“ hatten, hieß es für uns: „Wir haben fertig.“ Oder zumindest fast.
Denn nun galt es noch, die Suit Conference mit den beiden zu absolvieren, wo mit den Suit Technicians besprochen wird, ob am Anzug etwas fürs nächste Mal angepasst werden muss, Danach folgte noch eine Private Medical Conference. Also begann noch ein Call nur von meinem medizinischen Kollegen David und mir mit Sophie, um zu klären, ob es sonst irgendwelche Probleme gab. Und dann durfte die müde und erschöpfte Sophie zum Abendessen und ins Bett. Für uns ging es dann zurück ins Hotel. Auch wir haben nur noch zu Abend gegessen, und ich bin nach einem 22-Stunden-Tag mehr als ausgepowert ins Bett gefallen.

ESA
Weiterführende Links:
Tags: