5. Juni 2024

Studie zeigt: Alkohol auf Langstreckenflügen kann Gesundheit schlafender Passagiere beinträchtigen

  • Studie zu Auswirkungen von mäßigem Alkoholkonsum auf Langstreckenflügen
  • Auswirkungen auf Schlaf, Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz von Probanden wurde untersucht

Eine nun in der Zeitschrift „Thorax“ veröffentlichte Studie des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin zeigt, dass das Trinken von Alkohol in Kombination mit dem an Bord herrschenden, erniedrigten Kabinendruck die Gesundheit von schlafenden Passagieren gefährden kann. Die Studie des Teams um PD Dr. med. Eva-Maria Elmenhorst von der Abteilung Schlaf und Humanfaktoren des DLR-Instituts für Luft und Raumfahrtmedizin ist die erste Studie, die diese Zusammenhänge untersucht hat. Der Kabinendruck in Reiseflughöhe entspricht etwa dem Luftdruck auf einem Berg in 2438 Meter Höhe über dem Meeresspiegel.

„Die Kombination aus Alkohol, Schlaf und den erniedrigten Druckbedingungen in einer Flugzeugkabine während eines Langstreckenflugs senkt die Sauerstoffmenge im Blut und erhöht die Herzfrequenz über einen längeren Zeitraum, selbst bei jungen und gesunden Menschen“, so Eva Elmenhorst. „Größere Alkoholmengen als die, die in der Studie verwendet wurden, könnten diese Effekte noch verstärken, insbesondere bei älteren Passagieren und solchen mit Vorerkrankungen.“

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass eine Beschränkung des Zugangs zu Alkohol an Bord von Langstreckenflügen diskutiert werden sollte. Der atmosphärische Druck nimmt mit der Höhe exponentiell ab und verursacht einen Abfall der Sauerstoffsättigung, erklären die Forschenden. Alkohol entspannt die Wände der Blutgefäße und erhöht die Herzfrequenz während des Schlafs, ähnlich wie bei einem reduzierten atmosphärischen Druck. Daher wollten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler herausfinden, ob sich die Wirkungen von Alkohol und dem erniedrigten Kabinendruck in Reiseflughöhe bei schlafenden Passagieren in Kombination verstärken.

An der Studie nahmen 48 Personen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren teil; sie wurden nach Zufall in zwei Gruppen eingeteilt, die nach Alter, Geschlecht und Gewicht (BMI) stratifiziert waren. Die eine Hälfte hielt sich in einem Schlaflabor mit normalem Umgebungsdruck (Meereshöhe), die andere Hälfte in einer Höhenkammer auf. In der Höhenkammer wurde der Kabinendruck in Reiseflughöhe (2438 m über dem Meeresspiegel) simuliert.

Die Hälfte jeder Gruppe schlief vier Stunden, ohne Alkohol getrunken zu haben, während die andere Hälfte vier Stunden schlief, nachdem sie Alkohol getrunken hatten. Die Alkoholmenge war vergleichbar mit zwei Dosen Bier (5 % Alkoholgehalt) oder zwei Gläsern Wein (175 ml, 12 % Alkoholgehalt). Der Schlaf, der Sauerstoffgehalt im Blut und die Herzfrequenz der Probandinnen und Probanden wurde kontinuierlich überwacht. Dieser Nacht folgten mindestens zwei Erholungsnächte und eine weitere Nacht, in der die Versuchsbedingungen umgekehrt wurde.

Bei der Analyse der Ergebnisse zeigte sich, dass die Kombination aus Alkohol und simuliertem Kabinendruck in Reiseflughöhe zu einem Absinken des Sauerstoffgehalts im Blut auf knapp über 85% und zu einem kompensatorischen Anstieg der Herzfrequenz auf etwa 88 Schläge/Minute während des Schlafs führte. Der Tiefschlaf und der REM-Schlaf, die beide für die Erholung im Schlaf wichtig sind, waren reduziert.

Die Autorinnen und Autoren der Studie stellen fest: „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Kombination von Alkoholkonsum und Schlafen unter hypobaren Bedingungen selbst bei jungen und gesunden Personen eine erhebliche Belastung für das Herz darstellt und bei Patientinnen und Patienten mit Herz- oder Lungenerkrankungen zu einer Verschlimmerung der Symptome führen könnte.“ Die Forschenden plädieren dafür, dass Ärztinnen und Ärzte, Passagiere und die Besatzung über die möglichen Risiken informiert werden sollten. Außerdem könnte es sinnvoll sein, eine Änderung der Vorschriften zu erwägen, um den Zugang zu alkoholischen Getränken an Bord von Flugzeugen zu beschränken.

Veröffentlichung:
Research: Effects of moderate alcohol consumption and hypobaric hypoxia: implications for passengers’ sleep, oxygen saturation and heart rate on long-haul flights. Doi: 10.1136/thorax-2023-220998 

Kontakt

PD Dr. med. Eva-Maria Elmenhorst

Stellvertretende Leitung Schlaf und Humanfaktoren
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin
Schlaf und Humanfaktoren
Linder Höhe, 51147 Köln

Friederike Wütscher

Institutsbeauftragte für Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin
Linder Höhe, 51147 Köln
Tel: +49 2203 601 3328