16. Dezember 2010

„Schnappschuss“ der Extraklasse

ISS vor der Sonne
Natürlich haben sich die Astronauten auf ihrer Bahn um die Erde nicht in Richtung Sonne verflogen. Aber unser DLR-Kollege Rolf Hempel hat es geschafft, die Station genau in dem Moment fotografisch einzufangen, als sie – vom Boden aus gesehen – vor der Sonne vorbeigerast ist!
Credit:

Rolf Hempel

Mehrere Meter ist die Lücke groß, die in der Außenwand des Jumbo-Jets klafft. Kein technischer Defekt, sondern ganz im Gegenteil: eine High-Tech-Meisterleistung! Aus der Öffnung späht bei der „fliegenden Sternwarte“ SOFIA ein Teleskop in den Himmel. Eine „fliegende Sternwarte“? Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr hier …

Richtig sehen und in Ruhe beobachten kann man die ISS natürlich nicht, wenn sie auf ihrer knapp 400 Kilometer hohen Bahn um die Erde vor der Sonne vorbeirast – immerhin 28.000 Stundenkilometer schnell. Aber fotografieren! Allerdings nur mit einer ganz speziellen Ausrüstung. Um die Raumstation bei einem Durchgang vor der Sonne im Bild festzuhalten, braucht man zu allererst ein Teleskop mit einem ganz speziellen Sonnenfilter, der die Helligkeit um das Hunderttausendfache verringert. Nur so kann man die gleißend helle Sonnenscheibe anschauen, ohne sofort zu erblinden. Richte daher nie ein normales Fernrohr, ein Fernglas oder eine Kamera direkt auf die Sonne!

Aber woher weiß man, wann die Raumstation vor der Sonne vorbeizieht? Auf dieser Webseite gibt man seinen Beobachtungsort ein und lässt sich dann für die nächsten Wochen anzeigen, wann die Raumstation der Sonne optisch nahe kommt oder sogar direkt vor ihr durchläuft. Für Fotoaufnahmen ist es am besten, wenn die Sonne dabei hoch am Himmel steht. Dann ist uns die Raumstation am nächsten und erscheint vor der Sonnenscheibe am größten.

Soweit zum einfachen Teil der Vorbereitung. Die Schwierigkeit besteht nun darin, dass die Raumstation kaum eine Sekunde für den kompletten Durchgang vor der Sonne braucht. Bei großer Sonnenhöhe – und damit geringer Entfernung der Raumstation – benötigt sie dafür sogar nur eine halbe Sekunde! Mit dem Finger am Kameraauslöser muss man also sehr schnell reagieren. Besser ist es, wenn man um den vorausberechneten Zeitpunkt herum mit der Serienbildschaltung der Kamera so viele Bilder wie möglich aufnimmt. Mit etwas Glück ist die Raumstation dann auf einem der Fotos getroffen.

Ein weiteres Problem ergibt sich aus der schnellen Bahnbewegung der Raumstation: In einer Sekunde bewegt sie sich um das 70-fache ihrer eigenen Länge weiter. Nur bei einer sehr kurzen Belichtung wird das Bild nicht durch die Bewegung verschmiert. Für das hier gezeigte Foto wurde die Belichtungszeit daher auf 1/4.000 Sekunde eingestellt. Auf dem Bild siehst du übrigens nur einen ganz kleinen Ausschnitt der Sonnenscheibe, wie du an der Krümmung des Sonnenrandes rechts im Bild erahnen kannst.