Analyse zur Erfassung des Fußverkehrs in Erhebungen

DLR (CC BY 3.0)
Alltagsmobilität zu Fuß und ihre Erfassung in Mobilitätserhebungen
Das Zufußgehen ist wichtiger Bestandteil unserer alltäglichen Mobilität, allerdings wird diese Fortbewegungsart häufig nur teilweise erfasst. Diese Untererfassung geschieht besonders bei Wegen, auf denen mehrere Verkehrsmittel genutzt werden (intermodale Wege). Beispielsweise können Teilnehmende die Erfassung des Fußwegs zu ihrem Hauptverkehrsmittel vergessen, oder in der Studie wird nur das Verkehrsmittel erfasst, mit dem der längste Teil eines Weges zurückgelegt wurde.
Im Projekt Weiterentwicklung von Nachhaltigkeitsindikatoren im Personenverkehr: Fußverkehr, Erreichbarkeit und Suffizienz wurde das DLR MovingLab dafür genutzt, um in einem Vergleich mit klassischen Erhebungsmethoden sowie bereits erhobenen Daten Antworten auf folgende Fragestellungen zu finden:
- Wie häufig wird bei Erhebungen auf Basis von Wegen die Angabe zu Fuß vergessen?
- Wie stark erhöht sich der Anteil intermodaler Wege mit Fußetappe und die dabei zurückgelegten Entfernungen, wenn diese berücksichtigt werden?
Umsetzung
Im Projekt trackten 475 Personen aus dem MovingLab-Probandenpool ihre Alltagsmobilität für die Dauer von mindestens drei Tagen. Die erfassten Wege waren zu prüfen und etwaige Ungenauigkeiten in der Wege- und Modusermittlung zu korrigieren. Dabei beantworteten die Teilnehmenden zusätzlich Fragen zur Qualität der aufgezeichneten Wege (Erkennung von Start und Ziel, Routendarstellung, Erkennung der genutzten Verkehrsmittel), wobei der Fokus auf dem Fußverkehr lag. Im Rahmen der Analyse der aufgezeichneten Wege wurden insbesondere intermodale Wege, also Wege bei denen mehrere Verkehrsmittel auf einem Weg genutzt wurden, untersucht.
Ergebnisse
Durch die vergleichende Analyse von zwei wegebasierten, zwei etappenbasierten und zwei trackingbasierten Datensätze konnte gezeigt werden, dass die Erhebungsmethodik einen entscheidenden Einfluss auf die Erfassung des Fußverkehrs hat. Der Anteil des Fußverkehrs (reine Fußwege und intermodale Wege mit Fußetappe) nimmt in den analysierten Datensätzen von den wegebasierten über die etappenbasierten bis zu den trackingbasierten Erhebungen kontinuierlich zu: Der Anteil der Wege mit mindestens einer Fußetappe umfasst bei Erhebungen nach dem Wegekonzept ein Drittel aller Wege, beim Erfassen von Etappen knapp die Hälfte und bei Trackingkampagnen rund zwei Drittel. Für eine detaillierte Untersuchung des Fußverkehrs erscheint eine Erhebung unter Einsatz einer Trackingapp demnach gut geeignet. Dennoch bildet auch das Tracking Fußetappen vor und nach der ÖV-Nutzung nicht so zuverlässig ab, wie eingangs erwartet. Als Gründe hierfür konnten softwarebedingte Ursachen sowie der Umgang mit der App (Ein- und Ausschalten der App während der Wege) identifiziert werden. Die Studie lieferte damit auch wichtige Erkenntnisse für künftige Tracking-Erhebungen: Eine stärkere Sensibilisierung der Teilnehmenden für die Notwendigkeit, die App auch bei Nichtnutzung eingeschaltet zu lassen oder eine Anpassung der App-Funktionalität zur automatischen Aktivierung der App bei Einschaltung des Smartphones ist für die Qualität der getrackten Wege von Vorteil.
Kampagnendetails
Zeitraum:
1 Monat
Methoden:
Eingangsbefragung, Tracking durch MovingLab App, In-App-Befragungen während und nach der Kampagne
Projekt:
Weiterentwicklung von Nachhaltigkeitsindikatoren im Personenverkehr: Fußverkehr, Erreichbarkeit und Suffizienz