CTran
CTran untersucht mithilfe von nutzergenerierten Routingangaben in einer App das Potenzial neuer Angebote für den Öffentlichen Personennahverkehr im überwiegend ländlichen geprägten Raum Lausitz.

Rund 36% der Bevölkerung in Deutschland lebt auf dem Land, wobei etwa 90% unter ihnen mindestens ein Auto pro Haushalt besitzen, deutlich mehr als der bundesweite Durchschnitt von 80 % (infas et al. 2025). Für den ländlichen Raum fehlen weiterhin innovative Mobilitätslösungen, welche die Verkehrswende voranbringen, von der Bevölkerung angenommen werden und dabei nicht die soziale Teilhabe einschränken. Mit dem Forschungsprojekt CTran hat das DLR-Institut für Verkehrsforschung mit Unterstützung des Bundesförderprogramms mFund und Projektbeteiligten nun untersucht, welche konkreten alternativen klima- und sozialfreundlichen Mobilitätslösungen im ehemaligen Braunkohlerevier der Lausitz etabliert werden können und hat hierbei wichtige Erkenntnisse zutage gebracht.
Mit CTran wollte man ursprünglich anhand einer innovativen App-basierten Befragung neue alternative Mobilitätsangebote wie Rufbusse, Car-Pooling, Lasten- oder E-Bike-Sharingdienste gemeinsam mit Nutzenden des ehemaligen Lausitzer Braunkohlereviers entwickeln. Als nicht genug Teilnehmende für die App-basierte Erhebung gewonnen werden konnten, organisierten die Verkehrsforschenden stattdessen digitale Fokusgruppen und einen lokalen Akteursworkshop vor Ort in Cottbus.
Durch diese direktere Befragungsmethode konnten tiefergehende Erkenntnisse über die Besonderheiten der Gegend und ihrer Verwaltung sowie die Menschen vor Ort und ihre Mobilitätsbedürfnisse gewonnen werden. In den Fokusgruppen und im Workshop zeigte sich zum einen, dass es in der Lausitz mitunter bereits innovative Lösungen für die Mobilität der Menschen gibt. So berichteten Teilnehmende von selbstorganisierten Fahrgemeinschaften, die sie anhand von Messenger-Diensten ins Leben riefen.
Diese Art der Selbsthilfe entstünde jedoch nur vor dem Hintergrund eines als groß empfundenen Mangels an bestehenden alternativen Mobilitätsangeboten, welcher insbesondere im Vergleich zu Städten als eklatant beschrieben wurde. Lange Wartezeiten und schlecht ausgebaute Anschlüsse seien die Haupthindernisse für eine häufigere Nutzung alternativer Mobilität wie dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auf dem Land. Der klassische ÖPNV wird von den Teilnehmenden zum anderen eindeutig gegenüber dezentralen Mobilitätslösungen favorisiert, letztere werden von ihnen eher als ‚Notlösungen‘ wahrgenommen. Es besteht also vor allem der Wunsch nach einer besseren und verlässlicheren Angliederung des ÖPNV an ländliche Gegenden.
Themen wie Sicherheit und Risikobereitschaft werden von den Menschen in ländlichen Gegenden darüber hinaus als besonders relevant wahrgenommen. Aktuell sind Menschen in Städten mit innovativen und geteilten Mobilitätsangeboten, wie Lastenrad-Sharing oder CarPooling bereits vertrauter. Menschen auf dem Land verbinden hier zum Teil noch größere Berührungsängste und Sicherheitsbedenken mit neuen Angeboten, wie sich im Verlauf der Fokusgruppen zeigte. Eine verbesserte Integrierung der Perspektive und Alltagspraktiken von Menschen aus der Lausitz und eine flächendeckendere Erprobung könnten hier helfen, so die DLR-Verkehrsforschenden. Auch eine konsequentere Marketingstrategie für alternative Mobilitätsangebote auf dem Land könnte unterstützend wirken, so einige der Verwaltungsakteure.
Es kommt also letztlich nicht nur auf technologische Lösungen an, sondern darauf, die Akzeptanz und das Vertrauen bezüglich neuer Mobilitätsangebote auf dem Land zu fördern und hierbei genau auf soziokulturelle Faktoren und die Lebensrealitäten der Menschen zu achten.
Unter den Teilnehmenden der Fokusgruppen und Workshops gab es zudem wenig Wissen zu bestehenden Fördermaßnahmen und Unterstützungsangeboten für alternative Mobilitätsangebote auf dem Land. Gerade mit solchen Fördermaßnahmen könnten aber beispielsweise Initiativen, die aus der Zivilbevölkerung hervorgehen und den direkten Mobilitätsbedürfnissen der Menschen vor Ort entsprechen, nachhaltig gestützt werden. Verwaltungsakteure, die mit bestehenden Fördermöglichkeiten vertraut sind, bemrkten wiederum, dass sie häufig nicht über ausreichend personelle und finanzielle Ressourcen verfügten, um Angebote überhaupt wahrzunehmen, geschweige denn umzusetzen.
CTran verdeutlicht also zunächst, dass die wissenschaftliche Methoden-Toolbox mitunter selbst während Projektlaufzeiten an spezifische Begebenheiten angepasst werden muss. Gleichzeitig wurde durch das Projekt noch einmal deutlich, wie groß die bestehende Kluft zwischen Mobilitätsangeboten auf dem Land und denen in der Stadt empfunden wird und dass sich Menschen hier eine bessere Anbindung an den ÖPNV wünschen. Zuletzt stellten die Verkehrsforschenden mit dem Projekt auch eine Diskrepanz zwischen der Fördermaßnahmenlandschaft für alternative Mobilität auf dem Land und dem Wissen und den Möglichkeiten vor Ort, diese dann auch einzusetzen, heraus.
„Vielleicht liegt ein Teil des Schlüssels bei der Etablierung alternativer Mobilitätslösungen auf dem Land also vor allem darin, einen Perspektivwechsel vorzunehmen, der die Menschen selbst und ihre besonderen Begebenheiten und Bedürfnisse in den Fokus rückt,“ so Projektleiterin Julia Jarass.
Weitere Informationen finden Sie im Foschungsbericht
CTran Crowdsourcing-Daten für einen attraktiven und bedarfsgerechten ÖPNV in Braunkohlerevieren.