Von der ‚Generation Rücksitz‘ zu den Vorreitern der Mobilitätswende? Mobilitätspraktiken, Raumgestaltung und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen als Co-Forscher:innen für eine sozial-ökologische Transformation der Region

CoFoKids

Kinder & Jugendliche in der Mobilitätsplanung

  • Untersuchung des Einflusses und Potenzials von verkehrlichen Transformationsprozessen auf junge Menschen in Frankfurt a. M. im Rahmen eines transdisziplinären Reallabors.
  • Co-Forschen mit Kindern und Jugendlichen und empirische Datenerhebungen zu drei Schwerpunktthemen:
    • Mobilitätspraktiken von Kindern und Jugendlichen auf dem Schulweg und in der Freizeit sowie Veränderungen im Lebensverlauf.
    • Planungspraktiken im Bereich Kinder- und Jugendmobilität analysieren sowie verkehrliche Interventionen vor Ort und in Virtual Reality entwickeln und umsetzen, mit Ziel eines Perspektivwechsels in der Planungspraxis.
    • Partizipationspraktiken sowie analoge und digitale Beteiligungsformate zur Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der Mobilitätsplanung und -forschung sowie in Transformationsprozessen evaluieren und weiterentwickeln.
  • Transfer der gewonnenen Erkenntnisse in die Region Rhein-Main und nach Berlin.

Vom Schulweg zur Stadtentwicklung: Warum Kinder und Jugendliche selbst über ihre Fortbewegung entscheiden sollten

Die aktive, selbständige Mobilität von Kindern und Jugendlichen hat in den letzten Jahrzehnten immer mehr abgenommen. Wege, die früher noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt wurden, werden aufgrund spezialisierter Schulwahl, komplexen Alltagsroutinen und elterlicher Sorgen um Sicherheit immer mehr als Mitfahrende mit dem Auto zurück gelegt. Dies hat negative Auswirkungen auf die körperliche Gesundheit und Fitness der Kinder, schränkt ihre kognitiven, sensorische Entwicklung, Nutzung des öffentlichen Raumes sowie Orientierungssinn ein und führt zu zunehmenden Problemen der Verkehrssicherheit im Schulumfeld sowie mangelnder Verkehrsbildung. Gleichzeitig werden junge Menschen selbst bislang zu wenig systematisch in der Mobilitätsplanung mit einbezogen, oft werden ihre Eltern stellvertretend für sie befragt und ihre eigenen Wünsche und Anforderungen an das Mobilitätssystem werden unzureichend berücksichtigt.

‚CoFoKids‘ hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, Kinder und Jugendliche selbst als aktive Co-Forschende in die Mobilitätsforschung einzubinden und ihre Perspektiven bei der Gestaltung nachhaltiger, sicherer und inklusiver Mobilitätsräume frühzeitig zu berücksichtigen und damit ihre Stimmen bei Prozessen der Mobilitätswende zu stärken. Dafür untersucht das Verbundprojekt der Goethe-Universität und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) die Mobilität von Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis fünfzehn Jahren. Im Kontext familiärer Alltagsroutinen und räumlicher Umgestaltungsprozesse zur Förderung aktiver, gesunder Mobilität auf dem Schulweg sowie in der Freizeit in Stadt- und Stadtrandgebieten.

Das übergeordnete Ziel ist es zu erforschen, inwiefern eine auf Kinder und Jugendliche ausgerichtete Mobilitätsforschung und -planung sowie Beteiligung an Transformationsprozessen die Mobilitätswende voranbringen und zu nachhaltigen und resilienten Stadt-Umland-Regionen für alle Bewohnenden beitragen kann.

Von ‚Generation Rücksitz‘ zu aktiven Forschenden der Mobilität

Am Beispiel der Stadt Frankfurt a. M. werden in einem Reallabor der Einfluss und das Potenzial von auf junge Menschen ausgerichtete verkehrliche Transformationsprozesse transdisziplinär untersucht und die darin gewonnenen Erkenntnisse in die Region Rhein-Main sowie nach Berlin transferiert.

Im Rahmen des Reallabors finden empirische Datenerhebungen zu drei Schwerpunktthemen statt:

  • Als erstes werden die Mobilitätspraktiken auf dem Schulweg und in der Freizeit von Kindern und Jugendlichen erforscht. Untersucht wird, wie sich diese Praktiken im Lebensverlauf sowie unter Einfluss persönlich-zeitlicher und sozialer Kontexte als auch verkehrlicher Umgestaltungsmaßnahmen verändern. Zudem wird die Perspektive der jungen Menschen denen ihrer Eltern gegenübergestellt, die Familienmobilität in den Blick genommen und die Rolle von Lehrkräften und ihr Einfluss auf Mobilitätspraktiken jungen Menschen untersucht.
  • Zweitens werden aktuelle Planungspraktiken im Bereich Kinder- und Jugendmobilität untersucht und Faktoren der gebauten Umwelt, die Kinder- und Jugendmobilität beeinflussen, exploriert. Im Co-Forschen mit Kindern und Jugendlichen werden verkehrliche Interventionen entwickelt und baulich vor Ort sowie digital in einer Virtual Reality umgesetzt, um einen Perspektivwechsel in der Planungspraxis zu befördern und den Einfluss auf die Raumaneignung und Gesundheit der jungen Menschen zu untersuchen.
  • Drittens werden Partizipationspraktiken exploriert, um Kinder und Jugendliche in die Mobilitätsplanung und -forschung sowie an Transformationsprozessen zu beteiligen. Dabei werden aktuelle Partizipationsprozesse überprüft und analoge sowie digitale Beteiligungsformate weiterentwickelt. Die an die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen angepassten Formate sollen in einem Reallabor erprobt und wissenschaftlich evaluiert werden.

Die Arbeiten zu allen drei Schwerpunkten stehen in einem engen Austausch miteinander mit dem Ziel, die Themen Mobilitäts-, Planungs- und Partizipationspraktiken eng verzahnt zu behandeln und im Kontext verkehrlicher Transformationsprozesse zu untersuchen. Die Teilprojektgruppe des DLRs bearbeitet federführend das Schwerpunkthema Planungspraktiken sowie gemeinsam mit der Goethe Universität das Schwerpunktthema Partizipationspraktiken.

Das Projekt als Nachwuchsgruppe

‚CoFoKids' ist eine sozial-ökologische Nachwuchsgruppe. Die Nachwuchsgruppe besteht aus drei Doktoranden und Doktorandinnen, sowie zwei Post-Doktoranden und -Doktorandinnen in Kooperation mit dem Frankfurt Lab for Social-Ecological Transformation of Urban Mobility (SET-Mobility) der Goethe Universität Frankfurt am Main.

Förderung

Kontakt

Dr. Uwe Drewitz

Abteilungsleiter
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Institut für Verkehrsforschung
Räume in Mobilitäts- und Transportsystemen
Rudower Chaussee 7, 12489 Berlin