2. Juni 2026

DLR_Summer_School Vulcano 2026: Forschung auf dem Vulkan

Gruppenbild am Kraterrand
Die Teilnehmenden der DLR_Summer_School Vulcano 2026, ihre Lehrkräfte sowie das Team des DLR_School_Lab Berlin vor der Kulisse des Vulkankraters „La Fossa“.

Vulkanische Gase, heiße Böden, steile Kraterhänge und jede Menge Forschung: Bei der dritten DLR_Summer_School Vulcano reisten elf Schülerinnen und Schüler sowie vier Lehrkräfte auf die italienische Vulkaninsel Vulcano. Dort präsentierten sie nicht nur ihre selbst entwickelten Forschungs- und Messsysteme, sondern wurden für eine Woche Teil einer internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft. Zusammen mit Forschenden aus verschiedenen Disziplinen sammelten sie Daten, diskutierten Ergebnisse und testeten ihre Systeme unter realen Bedingungen – mitten in einer der faszinierendsten Naturlandschaften Europas.

Forschung dort, wo andere Urlaub machen

Am 26. Mai 2026 begann für die vier ausgewählten Schulteams die Reise nach Süditalien. Aus verschiedenen Regionen Deutschlands ging es zunächst nach Sizilien und anschließend über Milazzo mit der Fähre auf die Vulkaninsel Vulcano. Dort erwartete die Teilnehmenden eine Woche voller Wissenschaft, Technik und Abenteuer.

Die DLR_Summer_School Vulcano ist weit mehr als ein klassischer Wettbewerb für Schülerinnen und Schüler. Die Jugendlichen entwickeln eigene Forschungsprojekte und erhalten die Möglichkeit, ihre Ideen in einer echten wissenschaftlichen Umgebung zu erproben. Dabei arbeiten sie Seite an Seite mit Studierenden, Promovierenden und anderen Forschenden aus ganz Europa.

Schon zu Beginn der Woche wurde deutlich, wie professionell sich die Teams vorbereitet hatten. Während einer gemeinsamen Poster-Session präsentierten sie ihre Projekte den internationalen Forschungsteams und kamen schnell mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ins Gespräch. Viele der Forschenden zeigten großes Interesse an den entwickelten Systemen und der Herangehensweise der Teams an die wissenschaftlichen Aufgabenstellungen.

Von autonomen Drohnen bis zur Suche nach Biosignaturen

Für die diesjährige DLR_Summer_School Vulcano standen verschiedene wissenschaftliche Fragestellungen zur Auswahl. Die Teams konnten sich mit Geländekartierung, Biosignaturen oder vulkanischen Hotspots beschäftigen und dafür eigene Messsysteme entwickeln.

Das Team des Fontane-Gymnasiums Rangsdorf mit Mia, Marwan und Lev sowie ihrem Lehrer Kay Neynaber entwickelte ein besonders beeindruckendes System zur Erstellung digitaler Geländemodelle. Mithilfe einer selbstgebauten Drohne und einer photogrammetrischen Auswertung entstand ein detailliertes 3D-Modell der Umgebung. Besonders bemerkenswert: Die Drohne navigierte vollständig ohne Satellitensignale. Stattdessen nutzte das Team ein selbst entwickeltes Positionierungssystem mit sogenannten Beacons.

Das Team des Karl-Maybach-Gymnasiums Friedrichshafen mit Jakob, Benaja, Felix und Samuel sowie ihrem Lehrer Marco Kümmel verfolgte einen anderen Ansatz. Ihre leistungsstarke Drohne war in der Lage, große Nutzlasten zu transportieren und autonom zu fliegen. Für die Vermessung der Landschaft setzte das Team auf moderne LiDAR-Technologie, mit der Entfernungen per Laserstrahl erfasst werden.

Drohnenflug über vulkanischem Gelände
Die selbst entwickelten Systeme der Schulteams wurden direkt unter realen Bedingungen auf Vulcano getestet. Hier der Start einer Drohne am Kraterrand mit aktiven Fumarolen im Hintergrund.

Mit der Suche nach möglichen Biosignaturen beschäftigten sich Zoe und Imke von der Ziehenschule Frankfurt und der Tilemannschule Limburg, begleitet von ihrer Lehrerin Ines Höhler. Ihr mobiles Messsystem untersuchte potenzielle Lebensräume für Mikroorganismen unter extremen Bedingungen. Dazu wurden Temperatur, pH-Wert und weitere Umweltparameter erfasst. Ergänzende Messverfahren ermöglichten Rückschlüsse darauf, ob bestimmte Mikroorganismen in den untersuchten Bereichen vorkommen könnten.

Die Aufgabe „Findet Hotspots“ bearbeiteten Lisa und Selma vom DPFA-Regenbogengymnasium Zwenkau gemeinsam mit ihrem Lehrer Tony Zielke. Ihr Rover war mit verschiedenen Sensoren ausgestattet, um Temperaturen sowie Konzentrationen vulkanischer Gase zu messen. Die Daten wurden in Echtzeit übertragen und mit Positionsinformationen verknüpft, sodass potenzielle Gefahrenbereiche kartiert werden konnten.

Rover eines Schulteams im Einsatz am Kraterrand
Ein Schulteam testet seinen Rover an einer kleinen Fumarole auf Vulcano. Das System misst Temperaturen, analysiert vulkanische Gase und hilft dabei, mögliche Hotspots im Gelände zu erkennen.

Wissenschaft zum Mitmachen

Neben den eigenen Projekten nahmen die Schülerinnen und Schüler am umfangreichen Programm der internationalen PETRAS Summer School teil. Wissenschaftliche Vorträge zu Planetologie, Astrobiologie, Robotik, Spektroskopie und Explorationsforschung boten spannende Einblicke in aktuelle Forschungsthemen. Ergänzt wurde das Programm durch Exkursionen, Workshops und Technologie-Demonstrationen direkt im Gelände.

Besonders erfreulich war die enge Zusammenarbeit zwischen den Schulteams und den wissenschaftlichen Gruppen. Mehrfach wurden Daten gemeinsam ausgewertet oder Methoden ausgetauscht. Die von den Jugendlichen entwickelten Systeme lieferten Informationen, die auch für einige Forschungsgruppen von Interesse waren. Gleichzeitig profitierten die Schülerinnen und Schüler von den Erfahrungen und Analyseverfahren der Forschenden.

So entstand ein Austausch auf Augenhöhe, der weit über einen klassischen Schulwettbewerb hinausging.

Wissenschaftlicher Austausch bei der Poster-Session
Zu Beginn der Wochen nahmen die Schulteams an der offiziellen Poster-Session teil und präsentierten ihre Projekte gemeinsam mit den wissenschaftlichen Gruppen. So boten sich zahlreiche Gelegenheiten für Diskussionen und den Austausch von Ideen.

Auch die Jugendlichen selbst waren von den Begegnungen mit den internationalen Forschungsteams begeistert. Ein Schüler fasste seine Eindrücke so zusammen:

Durch die DLR_Summer_School Vulcano bekommt man Einblicke, die man sonst kaum bis gar nicht in dieser Form erhält. Besonders wertvoll war für mich der Austausch mit den anderen Teams und den Forschenden vor Ort.

Sonne am Tag, Sterne in der Nacht

Sonnenbeobachtung mit dem DLR_School_Lab Berlin
Beim Sonnenbeobachtungs-Workshop arbeiteten die Teilnehmenden inklusive einiger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowohl mit einem Teleskop auf Vulcano als auch mit der fernsteuerbaren Sternwarte des DLR_School_Lab Berlin, dem DLR_School_Lab Online Observatory.

Als besonderes Angebot organisierte das DLR_School_Lab Berlin zwei Workshops für alle Teilnehmenden.

Beim Sonnenbeobachtungs-Workshop wurden nicht nur Aufnahmen der Sonne mit einem Teleskop vor Ort erstellt. Zusätzlich steuerten die Teilnehmenden von Italien aus das DLR_School_Lab Online Observatory in Berlin fern. Die aufgenommenen Bilder wurden anschließend ausgewertet, beispielsweise zur Vermessung von Sonnenflecken.

Nach Sonnenuntergang stand der Nachthimmel im Mittelpunkt. Bei der Sternenbeobachtung und Astrofotografie lernten die Teilnehmenden, wie astronomische Aufnahmen entstehen und welche Technik dafür benötigt wird. Der Blick auf die Milchstraße über dem Vulkan sorgte dabei für einige unvergessliche Momente.

Milchstraße über Vulcano
Neben der Forschung auf dem Vulkan bot das DLR_School_Lab auch einen Workshop zur Sternenbeobachtung und Astrofotografie an. So entstand u. a. diese Aufnahme des beeindruckenden Nachthimmels über Vulcano.

Begeisterung, die bleibt

Zum Abschluss der Woche präsentierten die Teams ihre ersten Ergebnisse und wichtigsten Erkenntnisse in kurzen Vorträgen. Eigentlich waren diese Pitches vor allem für die anderen Schulteams gedacht. Das Interesse war jedoch so groß, dass zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ebenfalls teilnahmen.

Die Resonanz fiel entsprechend positiv aus. Ein italienischer Kollege brachte es auf den Punkt: „Pitches by students were really inspiring.

Auch die Rückmeldungen der Jugendlichen zeigten, welchen Eindruck die Woche hinterlassen hatte. Besonders hervorgehoben wurden die wissenschaftlichen Einblicke, die Zusammenarbeit mit internationalen Forschenden und die außergewöhnliche Atmosphäre der DLR_Summer_School Vulcano.

Als am 2. Juni die Rückreise nach Deutschland anstand, nahmen die Teilnehmenden nicht nur neue Erfahrungen und Daten mit nach Hause, sondern auch zahlreiche Kontakte, Ideen und Inspirationen für zukünftige Projekte.

Präsentation der Schülerinnen und Schüler vor internationalem Publikum
Zum Abschluss der Woche stellten die Schulteams ihre ersten Ergebnisse und Erfahrungen vor. Die Präsentationen stießen auch bei den internationalen Forschungsteams auf großes Interesse.

Die DLR_Summer_School Vulcano

Die DLR_Summer_School Vulcano wird vom DLR_School_Lab Berlin organisiert und findet im Rahmen der internationalen PETRAS Summer School auf der italienischen Insel Vulcano statt. Partner der Veranstaltung sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), die University of Perugia (UniPG), das Italian Institute for Astrophysics (INAF), die Constructor University Bremen, die Universität Köln sowie die Italian Space Agency (ASI). Gemeinsam schaffen sie eine einzigartige Plattform, auf der Nachwuchstalente und Forschende verschiedener Disziplinen voneinander lernen und gemeinsam an wissenschaftlichen Fragestellungen arbeiten können.