Autonome Fahrzeuge könnten zukünftig im Nah- und Fernverkehr eingesetzt werden. Akzeptanz GoA3+ untersucht die Einstellungen von Fahrgästen und Personal dazu.
Fahrgäste befürworten den Einsatz autonomer Fahrzeuge im städtischen Nahverkehr eher, als auf langen Strecken.
Zugpersonal befürchtet, dass ihr Arbeitsplatz an Handlungsfreiraum und Vielfalt verlieren könnte.
Ein runder Tisch, an dem sich die Interessengruppen austauschen und Handlungsempfehlungen entwickeln können, wird empfohlen.
Anwendungsbereiche autonomer Fahrzeuge
Automatisierte Züge könnten künftig sowohl im Nah- als auch im Fernverkehr sowie im Personen- und Güterverkehr zum Einsatz kommen. Eine zukunftsweisende Ausprägung stellt dabei die sogenannte GoA3+-Automatisierung dar. Der Begriff beschreibt Schienenfahrzeuge, die ohne Triebfahrzeugführende verkehren (Grade of Automation 3, GoA3). In der höchsten Ausbaustufe, GoA4, entfällt zusätzlich das zugbegleitende Personal. In der zweiten Ausbaustufe, GoA2 verbleibt der Triebfahrzeugführer in hauptsächlich überwachender Rolle an Bord, würde allerdings im Fahrvorgang durch Automatisierung unterstützt werden. Diese Automatisierungsstufe ist mit Skepsis zu betrachten, negative Monotonieeffekte auf Seiten der Triebfahrzeugführenden könnten nachteilige Auswirkungen haben.
Die Einführung autonomer Schienenfahrzeuge betrifft zahlreiche Interessengruppen. Politik, Verkehrsunternehmen, Verbände, Lobbyverbände und Einsatzkräfte beschäftigen sich ebenso mit den Chancen und Herausforderungen der Technologie wie Beschäftigte der Bahn und die Fahrgäste selbst, die davon direkt betroffen sind. Für eine erfolgreiche Einführung kommt es daher nicht nur auf die technische Machbarkeit an, sondern auch auf die gesellschaftliche Akzeptanz.
Akzeptanz unter Fahrgästen
Wie stehen Reisende zu autonom fahrenden Zügen? Dieser Frage ging eine Akzeptanzstudie mit mehr als 1.500 Teilnehmenden nach.
Die Ergebnisse zeigen ein grundsätzlich positives Bild: Mehr als die Hälfte der Befragten hätte kein Problem damit, wenn in ihrem Wohnort selbstfahrende S-Bahnen eingesetzt würden. Mehr als jede fünfte Person würde einen solchen Betrieb sogar ausdrücklich bevorzugen. Bei Regionalbahnen sowie bei IC- und ICE-Verbindungen fällt die Zustimmung allerdings etwas geringer im Vergleich zur S-Bahn aus.
Diagramm: Zustimmung und Duldung GoA3+ im Schienenpersonenverkehr
Akzeptanzforschung Fahrgäste: Auf Kurzstrecken bekommen autonome Fahrzeuge beim Personenverkehr mehr Zustimmung als auf Langstrecken. Duldung: z.B. „Es würde mir nichts ausmachen, wenn durch meinen Wohnort anstatt einer konventionellen Bahn eine autonome Bahn fährt“. Aktive Zustimmung: z.B. „Ich würde eine autonome Bahn vor einer konventionellen (nicht automatisierten) Bahn bevorzugen“
Die Erwartungen an die Automatisierung sind hoch. Viele Befragte verbinden damit die Hoffnung auf ein besseres und zuverlässigeres Verkehrsangebot. Gleichzeitig bestehen Vorbehalte: Insbesondere die Frage, wer bei technischen Störungen oder außergewöhnlichen Situationen vor Ort unterstützt, beschäftigt viele Fahrgäste.
Arbeitsplatz autonomes Fahrzeug
Auch die Perspektive der Beschäftigten spielt für die Einführung automatisierter Züge eine zentrale Rolle. Im Rahmen der Untersuchungen wurden mehr als 100 explizite und implizite Aufgaben identifiziert, die heute von Triebfahrzeugführenden und Zugbegleitpersonalen. Die expliziten Aufgaben entstammen offiziellen Regelwerken, die impliziten Aufgaben wurden anhand von Erfahrungsberichten recherchiert.
Ergebnisse aus Interviews, Workshops und einer Online-Studie zeigen, dass die Einführung von GoA3+ bei vielen Beschäftigten mit Unsicherheit verbunden ist. Neben den Veränderungen der Arbeitstätigkeiten wurden deshalb auch Aspekte wie die Zufriedenheit am Arbeitsplatz unter GoA3+ betrachtet. Beschäftigte befürchten, dass ihr Arbeitsplatz an Autonomie und Vielfalt verlieren könnte. Die Akzeptanz von GoA3+ beim direkt betroffenen Personal hängt daher maßgeblich von Sicherheit, Zuverlässigkeit sowie der menschengerechten Gestaltung neuer Arbeitsrollen und Prozesse ab.
Empfehlungen aus der Studie GoA3+
Als mögliche Maßnahme empfehlen die Forschenden unter anderem die Einrichtung eines nationalen Runden Tisches. Dort könnten Bahnbetreiber (EVU & EIU) und Gewerkschaften, Hersteller, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam an Lösungen arbeiten, Zielkonflikte frühzeitig erkennen und konsensorientierte Handlungsempfehlungen für die Einführung automatisierter Schienenverkehre entwickeln. Erfahrungswerte zeigen auch, dass Pilotprojekte, wie die autonom fahrende S-Bahn in Nürnberg die Akzeptanz steigert.
Das Projekt Akzeptanz GoA3+ hat weitere Interessensgruppen betrachtet und plant weitere Erkenntnisse veröffentlichen. Forschende an der TU Braunschweig haben zusätzlich spannende Analysen dazu durchgeführt, in welchen Bereichen Automatisierung künftig als Nächstes zu erwarten ist.