Der nächste Schritt zur sicheren Integration der Raumfahrt in den europäischen Luftraum

- Das ESA-initiierte Projekt ISTAT entwickelt eine Schnittstelle für den schnellen und sicheren Informationsaustausch zwischen Raumfahrt und Luftfahrt.
- Zunehmende Weltraumaktivitäten erfordern eine gemeinsame Betrachtung von Luft- und Weltraum als ein Sicherheitsraum.
- Das Vorhaben unterstützt europäische und internationale Regelungen für mehr Sicherheit und Nachhaltigkeit im All.
Die zunehmende Anzahl von weltweiten Raketenstarts und auch von Wiedereintritten stellt hohe Ansprüche an die sichere und effiziente Integration in den europäischen und internationalen Luftraum. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA, European Space Agency) hat diesen Bedarf erkannt und das neue Projekt „Interface between Space Traffic and Air Traffic Management“ (ISTAT) ins Leben gerufen. Ein Braunschweiger Konsortium, bestehend aus der Firma OKAPI:Orbits, der Technischen Universität Braunschweig und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), entwickelt im Auftrag der ESA eine Schnittstelle, die ähnlich einem Messenger einen direkten, schnellen und sicheren Informationsaustausch zwischen den Beteiligten ermöglichen soll.
Zuverlässiger Austausch von Informationen zwischen Raumfahrt und Luftfahrt
Die neue Schnittstelle wird das gesamte Spektrum von Raumfahrtaktivitäten abdecken, die einen Einfluss auf den Luftverkehr haben. Dies beinhaltet Raketenstarts, kontrollierte und unkontrollierte Wiedereintritte sowie den Betrieb von Raketenflugzeugen oder Raumgleitern. Planungsdaten sowie Echtzeitinformationen werden in einem harmonisierten Format, einer „Message“, verpackt und der Luftfahrtseite zur Verfügung gestellt. Ein wesentlicher Bestandteil der Message sind die durch die Raumfahrtaktivität beeinträchtigten Gebiete, um die der Luftverkehr herumgeleitet werden muss. Diese können oft nur kurzfristig bestimmt werden und erfordern somit eine dynamische Reaktion auf Seiten der Luftfahrt. Das wiederum ist nur möglich, wenn diese die notwendigen Informationen in Echtzeit erhält. Eine solche Echtzeitreaktionsfähigkeit soll durch die versendeten Messages ermöglicht werden. Für Anwendungstests wird die Schnittstelle in das vorhandene Launch-Coordination Center des DLR-Instituts für Flugführung integriert.

SpaceX-Imagery, Pixabay
Luftraum und den Weltraum als zusammenhängender Sicherheitsbereich
Deutschland und Europa setzen aktuell auf einen unabhängigen und souveränen Zugang zum Weltraum. In diesem Zusammenhang wird es zu vermehrten Weltraumstarts von Europa aus kommen, auch besonders von Raketen oder Raketenflugzeugen deutscher Raumfahrtfirmen. Die Notwendigkeit einer engeren Integration zwischen Weltraum- und Luftverkehrssystemen wird immer deutlicher. Schätzungsweise 130 Millionen Weltraummüllteile umkreisen derzeit die Erde, während nur etwa 40.000 Objekte aktiv katalogisiert und verfolgt werden.
Mit der Ausweitung der Satellitenkonstellationen und dem vermehrten Wiedereintritt von Raumfahrzeugen in die Atmosphäre steigt das potentielle Risiko für die Flugsicherheit. Jüngste Vorfälle, bei denen Verkehrsflugzeuge Trümmerteilen von startenden Raketen über der Karibik ausweichen mussten, haben deutlich gemacht, dass Weltraumaktivitäten den Flugverkehr direkt beeinträchtigen können. Diese Ereignisse unterstreichen, wie wichtig es ist, den Luftraum und den Weltraum als einen zusammenhängenden Sicherheitsbereich und nicht als getrennte Umgebungen zu betrachten um den hohen Sicherheitsstandard in der Luftfahrt aufrechtzuerhalten.
Anpassung an die europäische und globale Gesetzgebung
Das Projekt unterstützt den sich weiterentwickelnden Rechtsrahmen Europas. Der Vorschlag für ein EU-Weltraumrecht legt den Schwerpunkt auf Weltraumsicherheit, Nachhaltigkeit und sektorübergreifende Koordinierung und berücksichtigt dabei ausdrücklich die Auswirkungen von Weltraumaktivitäten auf die Sicherheit in der Luftfahrt und am Boden. Auf internationaler Ebene steht die Arbeit im Einklang mit den Leitlinien für langfristige Nachhaltigkeit des Ausschusses der Vereinten Nationen für die friedliche Nutzung des Weltraums und mit der Zusammenarbeit zwischen dem Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen und der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation. Diese Initiativen zielen darauf ab, Weltraummüll zu reduzieren, den Informationsaustausch zu verbessern und Weltraumoperationen in die Rahmenwerke für die Flugsicherheit zu integrieren.