Hawkeye
In der Praxis greifen Crews aus Zeitmangel oder aufgrund unzureichender Informationen oft zu naheliegenden oder bekannten Flughäfen, obwohl es bessere Alternativen gäbe. Ein umfassender Vergleich mehrerer Ausweichflughäfen (Alternate Airports) unter Berücksichtigung vielfältiger Parameter ist für den Menschen in Echtzeit nicht durchführbar.
Genau hier setzt das Projekt Hawkeye an. In Hawkeye wurde ein System entwickelt, das sich in das Electronic Flight Bag (EFB) im Airliner-Cockpit integrieren lässt und Pilotinnen und Piloten proaktiv bei der Auswahl von Ausweichflughäfen unterstützt.
Schnellere, sicherere Entscheidungen im Cockpit ermöglichen
Hawkeye zielt darauf ab, die Entscheidungsfindung von Pilotinnen und Piloten im Falle einer notwendigen Flugumleitung zu verbessern und zu beschleunigen. Dazu wird ein intelligentes System entwickelt, das fortlaufend potenzielle Ausweichflughäfen bewertet und unter Berücksichtigung sicherheitsrelevanter, technischer, logistischer und politischer Aspekte in Echtzeit priorisiert.
Während eines Fluges ändert sich kontinuierlich, welche Flughäfen in der Nähe im Notfall am besten als Ausweichflughafen geeignet wären. Hawkeye analysiert und vergleicht fortlaufend relevante Parameter, um stets die drei optimalen Flughäfen anzuzeigen. Pro Flughafen werden dabei bis zu 15 Faktoren analysiert. Die Ergebnisse bereitet die App klar auf. Pilotinnen und Piloten können so die möglichen Alternate Airports miteinander vergleichen. Hawkeye bündelt Informationen aus mehreren, ständig aktualisierten Luftfahrt-Datenbanken. Pilotinnen und Piloten haben zusätzlich die Möglichkeit, selbst gewählte Flughäfen vom System prüfen zu lassen. Die Bewertung der Flughäfen kann an die aktuelle Flugsituation angepasst werden. Je nachdem, ob es sich um einen medizinischen Notfall, einen technischen Defekt am Flugzeug oder die Notwendigkeit zur sofortigen Landung handelt, gewichtet Hawkeye die Parameter unterschiedlich stark. So empfiehlt die App jederzeit die optimalen Alternate Airports.
Technologischer Ansatz
Die Entwicklung von Hawkeye basiert auf einem modularen System, das sich nahtlos in bestehende EFB-Systeme integrieren lässt. Hawkeye greift auf zahlreiche aktuelle Datenquellen zu. Dazu zählen Wetterdaten, aktuelle Meldungen wie NOTAMs, geopolitische Informationen, technische Flughafeninfrastruktur, medizinische Versorgungsmöglichkeiten sowie Daten zum technischen Zustand des Flugzeugs. Durch die Integration von luftfahrtzugelassenen Datenprovidern greift Hawkeye auf eine große Menge an Livedaten und Datenbanken zu.
Die zugrunde liegende Bewertungslogik gewichtet die Faktoren, je nach Flugsituation dynamisch um ein Gesamtranking der für eine Landung geeigneten Flughäfen zu generieren. Die Bewertung wird dabei kontinuierlich entlang der Flugroute aktualisiert und visuell schnell verständlich aufbereitet, sodass Pilotinnen und Piloten zu jedem Zeitpunkt einen verlässlichen Überblick behalten.
Validierung und Technologietransfer
Im Rahmen des Projekts wird das neue Hawkeye-System in ein EFB-System integriert, um es dann in verschiedenen Validierungsphasen unter realitätsnahen Bedingungen zu testen. Am Institut für Flugführung werden dazu gemeinsam mit Pilotinnen und Piloten mehrere Flugszenarien simuliert. Zur Validierung der Unterstützungswirkung des Systems werden die verschiedenen Szenarien im Flugsimulator des Instituts mit und ohne Hawkeye-Unterstützung geflogen. Das Expertenfeedback der Pilotinnen und Piloten wird strukturiert erfasst und ausgewertet. Die Ergebnisse dieser Studie fließen in die nächsten Iterationen ein. Durch diesen nutzerzentrierten, iterativen Entwicklungsansatz stehen die Bedürfnisse späterer Pilotinnen und Piloten im Mittelpunkt. Vorrangig soll durch ein durchdachtes User Interface ein angemessenes und begründetes Vertrauen in die Anwendung erreicht werden. In späteren Flügen mit europäischen Airlines wird Hawkeye auch unter Realbedingungen getestet. Während verschiedener Langstreckenflüge validieren Pilotinnen und Piloten im Cockpit das System. Diese Studien dienen zusätzlich der Optimierung des Gesamtsystems und der App. Ebenso geben sie wichtige Einblicke in den tatsächlichen Mehrwert im Cockpit.
Nutzen und Perspektiven
Mit Hawkeye entsteht ein System, das die Sicherheit und Effizienz im Flugverkehr nachhaltig verbessern kann. In kritischen Situationen erhalten Pilotinnen und Piloten eine datenbasierte, intelligente Entscheidungshilfe für den bestmöglichen Alternate Airport.
Langfristig lässt sich die Technologie auch auf weitere Einsatzfelder übertragen, etwa für Flüge mit speziellen Missionen, medizinische Lufttransporte oder im Einsatz von Planungstools am Boden. Auch die Integration von zukünftiger, KI-gestützter Assistenzsysteme ist denkbar.
Das Projekt treibt die digitale Transformation der Luftfahrt voran und zeigt beispielhaft, wie intelligente Assistenzsysteme menschliche Entscheidungen gezielt unterstützen.
Bei Fragen zum Projekt und Interesse an einer Demonstration der App wenden Sie sich an uns!

Publikationen
C. A. Niermann et al., Development of the Explainable Intelligent Alternate Airport Assistant (EIAAA), AIAA Forum 2025 https://elib.dlr.de/215666/
Eckdaten
Projekt | Hawkeye |
Mitwirkende | DLR-Institut für Flugführung |
Laufzeit | 2025 – 2027 |
Finanzierung | Institutionelle Förderung |
Website |
