FAQ - Interview mit Dr. Gesa Ziemer
Die Modularis ist im Oktober 2026 von Flensburg nach Bremerhaven transportiert worden, warum?
Gesa Ziemer: Unsere Technologieplattform wird an zwei Orten gebaut. Der Rohbau ist in der FSG Shipyard in Flensburg entstanden. Er enthält bereits Motoren, alle Räume, die Brücke und die optimale Rumpfform. Die technische Ausrüstung und finale Fertigstellung samt Energiesystemen, Inneneinrichtung und Farbanstrich findet in der Lloyd Werft Bremerhaven statt. Dafür wurde die MODULARIS mit Schleppern durch den Nord-Ostsee-Kanal verholt.
Wie sieht das "Geschäftsmodell" des Schiffes aus: Kommen Reeder und andere Kunden und fragen an, ob sie einen bestimmten Antrieb testen können?
Gesa Ziemer: Genau. Häufig sind es Komponentenhersteller bzw. Konsortien von unterschiedlichen Partnern, die eine Technologie weiterentwickeln und testen bzw. demonstrieren wollen. Dabei wird dann nicht nur eine einzelne Technologie, sondern ihre komplette Einbindung in das Schiff untersucht. Dazu gehören zum Teil auch Hilfs- und Überwachungssysteme, Konvertertechnologien sowie das Power Management System.
Was könnte mit Blick auf Verteidigung erforscht werden?
Dr. Gesa Ziemer: In der Sicherheits- und Verteidigungsforschung sind Einsatzszenarien zur Erprobung von unbemannten Systemen sowie Langzeittests mit neuartigen Navigationsmitteln, bspw. auf Basis von Quantentechnologien, denkbar. Darüber hinaus ist die MODULARIS mit ihren Kapazitäten zur unkomplizierten Einrüstung verschiedener Antennen und Einrichtung zusätzlicher Arbeitsplätze prädestiniert für die Erprobung von Technologien im Bereich Kommunikation, Lagebild und elektronische Kampfführung. Neben der Integration von Systemen in die Bordsysteme kann die MODULARIS auch beliebige weitere Systeme mitführen, wie Über- und Unterwasserdrohnen und Systeme in Containern, für die wir eine Versorgung bereitstellen. Darüber hinaus kann die MODULARIS als zentrales Steuerelement oder als Teil von komplexeren Szenarien verwendet werden.
Wer stellt die Crew des Schiffes?

Die Crew des Schiffes besteht aus Forscherinnen und Forschern sowie technischen Mitarbeitenden des DLR. Kapitäne und Schiffsbetriebsingenieurinnen sind bereits beim DLR angestellt und begleiten den Neubau der Plattform seit dem Konzeptdesign. So können sie schon im Bau ihre Bedarfe einbringen und einen zuverlässigen Forschungsbetrieb der Plattform sicherstellen. Für die Decksleute ist zudem geplant, wissenschaftliche Mitarbeitende des DLR zu schulen und speziell für den Deckseinsatz auf der MODULARIS auszubilden. So stellen wir einen nahtlosen Übergang zwischen Schiffsbetrieb und Wissenschaft her.
Dr. Gesa Ziemer: Die Crew des Schiffes besteht aus Forscherinnen und Forschern sowie technischen Mitarbeitern des DLR. Kapitäne und Schiffsbetriebsingenieure sind bereits beim DLR angestellt und begleiten den Neubau der Plattform seit dem Konzeptdesign. So können sie schon im Bau ihre Bedarfe einbringen und einen zuverlässigen Forschungsbetrieb der Plattform sicherstellen. Für die Decksleute ist zudem geplant, wissenschaftliche Mitarbeiter des DLR zu schulen und speziell für den Deckseinsatz auf der MODULARIS auszubilden. So stellen wir einen nahtlosen Übergang zwischen Schiffsbetrieb und Wissenschaft her.
Was ist das Einsatzgebiet der MODULARIS?
Dr. Gesa Ziemer: Haupteinsatzgebiet werden Nord- und Ostsee sein. Mit ihrem Heimathafen in Kiel wird die MODULARIS auf Tagesfahrten in der Ostsee unterwegs sein. Sie wurde für küstennahe Fahrt von bis zu 7 Tagen ohne Hafenaufenthalt im A1 Seegebiet konzipiert, so dass auch Fahrten bis ins Mittelmeer möglich sind. Mit ihrer Struktur der Eisklasse 1A sind auch Fahrten in die nördliche Ostsee möglich, so dass viele klimatische Bedingungen abgedeckt werden können.
Was ist das Budget für den Bau?
Dr. Gesa Ziemer: Der Bund fördert das Projekt und damit das komplette Basis-Schiff mit 36 Mio Euro.
Welche Maße hat die Technologieplattform?
Dr. Gesa Ziemer: MODULARIS ist 48 m lang und 11.5 m breit. Der Tiefgang beträgt 3.20 m, die Bruttoraumzahl (BRZ) ist 1052. Die Größe von Schiffen, die länger als 24 Meter betragen, wird in BRZ angegeben. Nach ihr werden zum Beispiel Gebühren für Schleusen, Lotsen und Durchfahrten oder die Höhe der Steuer berechnet.
Die Motoren sind Dieselmotoren aber auch mit nicht-fossilem Biodiesel betreibbar. Außerdem handelt es sich um ein Hybrid-Sysem, das auch über Batterien rein elektrisch betrieben werden kann. Ist der Antrieb dann schon Forschungsgegenstand oder ist damit der normale Antrieb gemeint, der für die sichere Heimfahrt sorgen soll?
Dr. Gesa Ziemer: Sowohl als auch – In erster Linie sind sowohl die Dieselmotoren als auch die festinstallierten Batterien Teil unseres zertifizierten Rückfallsystems: Im Testbetrieb wird die MODULARIS komplett von den Testkomponenten betrieben, sofern diese ausreichend Leistung bereitstellen können. Kommt es zu einem Problem mit der Testkomponente, kann der Antrieb innerhalb kürzester Zeit auf die Batterien umgestellt werden. Sollte der Ausfall länger bestehen bleiben, bleibt so genug Zeit, die Dieselgeneratoren wieder zu starten. Die MODULARIS bleibt so jederzeit manövrierfähig.
Gleichzeitig bietet das hybride Basissystem aber auch ohne weiteren Testantrieb die Möglichkeit, an vielen relevanten Themen zu forschen, beispielsweise an optimierten Power Management Strategien, den realen Emissionen unterschiedlicher, auch nicht-fossiler, Dieselkraftstoffe und der Zustandsüberwachung des Systems. Zudem liefert uns das Basis-Schiff mit seinem hybriden Antrieb wertvolle Betriebsdaten, die wir für die Systemidentifikation und Validierung unserer Co-Simulationsplattform nutzen können.
Welche Antriebe und Treibstoffe können beispielsweise erprobt werden?
Dr. Gesa Ziemer: Neben Batteriesystemen und bio- sowie synthetischem Diesel ist die Plattform für die Verwendung von Wasserstoff, Ammoniak, LNG und Methanol ausgelegt. Auch eine Erweiterung um kleinere Segelsysteme ist denkbar.
Gibt es ein derartiges Schiff schon, in Deutschland oder irgendwo sonst auf der Welt?
Dr. Gesa Ziemer: Unser Konzept, ein sicheres Basisschiff modular mit dem Testbetrieb von neuen Technologien zu kombinieren, ist mit diesem Funktionsumfang weltweit einmalig.
Werden auch andere DLR-Institute MODULARIS nutzen?
Dr. Gesa Ziemer: Ja. Das DLR-Institut für den Schutz maritimer Infrastrukturen in Bremerhaven wird das Schiff nutzen und ist seit der frühen Konzeptphase an der Anforderungserstellung beteiligt gewesen. Die MODULARIS deckt auch die Bedarfe weiterer DLR Institute für maritime Anwendungen ab, beispielsweise durch die Möglichkeit der Installation einer zweiten, digitalen Brücke durch das Institut für Systems Engineering für zukünftige Mobilität aus Oldenburg, mit der beispielsweise autonomes Fahren erprobt werden kann. Das Bremerhavener Institut wird die MODULARIS in erster Linie als Plattform für ferngesteuerte bis autonome Unterwasser- sowie Wasseroberflächenfahrzeuge und für Sensorik und Überwachungssysteme nutzen.