27. Juli 2026 | DLR organisiert Fachbesichtigung einer Parabolrinnenanlage in Belgien

Solarprozesswärme in der Praxis

  • Sonnenenergie für industrielle Prozesse: Eine Parabolrinnenanlage am Produktionsstandort von Avery Dennison im belgischen Turnhout zeigt, welches Potenzial konzentrierende Solarthermie für die klimafreundliche Bereitstellung von Prozesswärme bietet.

  • Forschung im Realbetrieb: Das DLR untersucht im Projekt ProSolNetz unter anderem Anlagenbetrieb, Optimierung und den Einfluss der Spiegelreinigung auf den Energieertrag.
  • Solarprozesswärme bis fast 300 Grad Celsius: Die Parabolrinnenanlage bei Avery Dennison im belgischen Turnhout zeigt, wie konzentrierende Solarthermie industrielle Wärme klimafreundlich bereitstellen kann.

    Das Demonstrationsprojekt zählt zu den innovativsten Projekten für Solarprozesswärme in Mitteleuropa und war Ziel einer Fachbesichtigung, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Rahmen des Forschungsprojekts ProSolNetz im Juli 2026 organisierte. Da in Deutschland bislang keine vergleichbare Anlage in Betrieb ist, stieß die Exkursion auf großes Interesse. Wegen der hohen Nachfrage findet am 11. August 2026 ein weiterer Besichtigungstermin statt, der auch schon ausgebucht ist.

    An sonnigen Tagen liefert die Anlage Prozesswärme mit Temperaturen von bis zu 295 Grad Celsius und deckt damit den gesamten Wärmebedarf des Produktionsprozesses von Avery Dennison. In dieser Zeit können die gasbefeuerten Kessel des Werks abgeschaltet werden. Avery Dennison ist ein weltweit tätiger Hersteller von Klebstoffen und Etikettierlösungen, der rund 180 Produktionsstätten weltweit betreibt und seinen Hauptsitz in den USA hat. Das Werk in Turnhout produziert rund um die Uhr Klebstoffe.

    Das Projekt verdeutlicht das Potenzial konzentrierender Solarthermie für die Dekarbonisierung industrieller Prozesse, bei denen hohe Temperaturen kontinuierlich benötigt werden.

    Forschung unter realen Betriebsbedingungen

    Gastgeber der Fachbesichtigung vor Ort war Campina Energie, welche die konzentrierende Solarthermieanlage besitzt und betreibt. Die Anlage steht auch den Forschenden des DLR für wissenschaftliche Untersuchungen zur Verfügung.

    „Wir sind sehr zufrieden mit unserer Zusammenarbeit mit Campina Energie, da sie uns uneingeschränkten Zugang zur Anlage für Forschungszwecke ermöglicht“, sagt Dirk Krüger, Projektleiter bei ProSolNetz und Wissenschaftler beim DLR. „Dadurch können wir Themen wie die Auswirkungen der Spiegelreinigung auf die Anlagenleistung und Möglichkeiten zur Betriebsoptimierung untersuchen.“

    Seit März 2026 befindet sich die Anlage im regulären Betrieb. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen dazu beitragen, konzentrierende Solarthermie künftig noch effizienter und wirtschaftlicher für industrielle Anwendungen nutzbar zu machen.

    Bewährte Technologie für die Industrie

    Während der Besichtigung erhielten Fachleute aus Industrie, Ingenieurbüros und Forschungseinrichtungen Einblicke in den Betrieb der Anlage. Das Solarfeld besteht aus 80 EuroTrough-Parabolrinnenkollektoren. Sie bündeln die direkte Sonneneinstrahlung auf ein Absorberrohr, in dem ein Wärmeträgerfluid erhitzt wird. Über einen Wärmetauscher wird die Energie anschließend an den Prozesswärmekreislauf der Produktion übertragen und dort mit Temperaturen von bis zu 295 Grad Celsius genutzt.

    Für die Forschung ist neben der Technik auch der wirtschaftliche Betrieb von Interesse. Erste Erfahrungen zeigen beispielsweise, dass eine jährliche Reinigung der Spiegel ein gutes Verhältnis zwischen Energieertrag und Betriebskosten ermöglicht.

    Erkenntnisse für die Wärmewende

    Campina Energie stellt dem ProSolNetz-Konsortium umfangreiche Betriebsdaten zur Verfügung, die eine detaillierte Analyse des Anlagenverhaltens ermöglichen. Die Messungen zeigen, dass die Anlage inzwischen zuverlässig und weitgehend automatisiert arbeitet. An sonnigen Tagen bleibt die Prozesstemperatur konstant bei 295 Grad Celsius, während die Solarenergie den gesamten Wärmebedarf der Produktion deckt und die gasbefeuerten Kessel außer Betrieb bleiben können.

    Da der Wärmebedarf der Produktion im Tagesverlauf schwankt, passt die Anlage ihre Leistung automatisch an. Diese dynamische Betriebsweise liefert wertvolle Erkenntnisse für die Auslegung und Regelung zukünftiger solarer Prozesswärmeanlagen.

    Das Demonstrationsprojekt in Turnhout zeigt damit, dass konzentrierende Solarthermie bereits heute einen wichtigen Beitrag zur klimafreundlichen Wärmeversorgung der Industrie leisten kann.

    Kontakt

    Dr.-Ing. Eckhard Lüpfert

    Abteilungsleiter Konzentrierende Solartechnologien
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
    Institut für Solarforschung
    Linder Höhe, 51147 Köln-Porz