EML und TEMPUS: Metalle in Schwerelosigkeit schmelzen
Im Herz dieser Anlagen erzeugt eine stromdurchflossene Spule ein elektromagnetisches Feld, mit dem elektrisch leitende Proben berührungslos zum Schweben gebracht werden (s. Abbildung 1). Im Gegensatz zu herkömmlichen Schmelzöfen werden also keine Behälter benötigt, so werden die Materialien, die geschmolzen werden, nicht verunreinigt. Auf diese Weise gelingt es sogar, die Metalle bis zu mehrere hundert Grad Celsius unterhalb der Temperatur flüssig zu halten, bei der sie normalerweise erstarren (sogenannte Unterkühlung). Mit diesem Verfahren, der elektromagnetischen Levitation, können in „Schwebeschmelz-Apparaturen“ wie EML und TEMPUS präzise Messungen von Material- und thermophysikalischen Eigenschaften der flüssigen Metallschmelzen über einen Temperaturbereich bis zu 2100°C vorgenommen werden. Bei vergleichbaren Experimenten auf der Erde bringt man die Proben durch ein starkes elektromagnetisches Feld zum Schweben – und erwärmt damit die Proben, wodurch diese nicht bei niedrigen Temperaturen untersucht werden können.
Sowohl ISS-EML als auch die EML-TEMPUS-Anlage werden von vielen Forschungsteams genutzt, da sie für unterschiedlichste Materialien und wissenschaftliche Fragestellungen verwendet werden können. Neben einer Hochgeschwindigkeitskamera, die Aufnahmen der fortschreitenden Erstarrung aus der unterkühlten Schmelze ermöglicht, besteht die Möglichkeit, die elektrische Leitfähigkeit und Dichte der festen und flüssigen Proben zu messen. Durch Veränderungen des Heizfeldes können die flüssigen Proben zum Schwingen angeregt werden. Dadurch können thermophysikalische Eigenschaften wie Viskosität und Oberflächenspannung ermittelt werden. Zusätzlich können Proben auch mit einer Infrarotkamera beobachtet werden.
Die Ergebnisse der Forschung im Weltraum werden auf der Erde genutzt, um beispielsweise Prozesse in Gießereien zu optimieren, oder die Qualität von Gussteilen zu erhöhen und Kosten zu reduzieren.
Die EML-ISS Anlage wurde als Gemeinschaftsprojekt im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation ESA und dem DLR von Airbus Defence & Space entwickelt und 2014 von ESA-Astronaut Alexander Gerst auf der ISS installiert. Sie befindet sich im europäischen Columbus-Modul. Die Anlage wurde seitdem stets auf dem neuesten Stand der Wissenschaft gehalten und mit anderen Funktionen erweitert. Die EML-Probenkammer enthält 18 Proben (eine sogenannte Probencharge).


Die TEMPUS-EML-Parabelfluganlage wurde im Auftrag der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR gebaut und wird durch das DLR-Institut für Frontier Materials auf der Erde und im Weltraum kontinuierlich weiterentwickelt. Sie fliegt regelmäßig während der DLR-Parabelflugkampagnen mit, für die sich Forschende mit Experimentvorschlägen bewerben können. Die Experimente an TEMPUS während der Parabelflugkampagnen dienen zum einen der Vorbereitung zukünftiger Experimente auf der ISS. Zum anderen sollen mit ihnen grundlegende wissenschaftliche Fragestellungen aus dem Bereich der thermodynamischen Eigenschaften metallischer und halbleitender Schmelzen sowie des Erstarrungsverhaltens geklärt werden.
