Eu:CROPIS

Mit dem Start des DLR-Satelliten Eu:CROPIS am 3. Dezember 2018 hat auch die gleichnamige Mission des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) begonnen, bei der ein Satellit zwei Gewächshäuser mit einer Lebensgemeinschaft aus Bakterien in einem Biofilter, Tomatensamen, einzelligen Algen und synthetischem Urin in die Erdumlaufbahn bringt. Ziel der Mission ist es, herauszufinden, ob biologische Abfallstoffe im All recycelt und zum Anbau frischer Lebensmittel genutzt werden können. Von frischem Gemüse würden Astronauten bei Langzeitmissionen profitieren, aber auch Menschen in extremen terrestrischen Lebensräumen. Die beiden Gewächshäuser werden insgesamt für 62 Wochen betrieben, eines unter Mars- und das andere unter Mondgravitationsbedingungen, die der Satellit durch entsprechende Rotation simuliert.

Astronauten müssen im All mit Atemluft, Wasser und Nahrung versorgt werden. Um diese lebensnotwendigen Ressourcen zu „recyclen“ und damit auch für einen Langzeiteinsatz über mehrere Jahre verfügbar zu machen, werden geschlossene Lebenserhaltungssysteme gebraucht. Im Fokus  der DLR-Mission Eu:CROPIS (Euglena Combined Regenerative Organic Food Production in Space) stehen Tests der Langzeitstabilität eines biologischen Lebenserhaltungssystems für Missionen zum Mond oder Mars. Mithilfe des vom DLR entwickelten Filtersystem C.R.O.P. wird künstlicher Urin zu einer Nitratlösung umgesetzt, mit der z.B. Tomatenpflanzen gedüngt werden können. Ein zweites, auf Algen basiertes System wird genutzt, um das Gesamtsystem mit Sauerstoff zu versorgen und bei Bedarf zu entgiften.

Mit Eu:CROPIS soll gezeigt werden, dass ein solches geschlossenes Lebenserhaltungssystem (Closed Life Support System – CLSS) unter verschiedenen Gravitationsbedingungen (Mond und Mars) betrieben und wiedergestartet werden kann. Anwendungen auf der Erde zielen in Richtung

  • Null-Emission-Habitate in empfindlichen Regionen
  • Geschlossene Lebensräume in lebensfeindlicher Umgebung, in Katastrophengebieten, in Bergwerken oder unter Wasser
  • Neue Methoden zur Düngung oder Frischwasseraufbereitung

Eu:CROPIS beschäftigt sich somit in zweifacher Hinsicht mit unserer Herkunft und unserer Zukunft: zum einen über die Wegbereitung zukünftigter Explorationsmissionen und zum anderen direkt über die an Bord durchgeführten Experimente.

Die Eu:CROPIS Mission endete offiziell am 31.12.2019. Drei der vier an Bord befindlichen Experimente konnten erfolgreich durchgeführt werden. Der Satellit selbst ist bis heute voll funktionsfähig und steht für Entwicklungs-, Demonstrations- und Ausbildungszwecke (Software, Bodenstation, Mission) zur Verfügung.

Der DLR-Kompaktsatellit

Mit dem Kompaktsatelliten verfügt das DLR über eine unabhängige Plattform zur Durchführung eigener Experimente unter Weltraumbedigungen. Er kann durch seine flexible Konfiguration an die verschiedensten Nutzeranforderungen angepasst werden. Im vorliegenden Fall wird aufgrund der Notwendigkeit der Simulation unterschiedlicher Gravitationslevel eine rotierende Konfiguration gewählt.

Kontakt

Dr. Tra-Mi Ho

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Institut für Raumfahrtsysteme
Systementwicklung und Projektbüro
Bremen