Potenzial und Markt der solaren Prozesswärme
Der weltweite Bedarf Prozesswärme ist mit 112 Exajoule enorm und machte im Jahr 2023 ein Viertel des Endenergiebedarfs aus. Dennoch wird der Dekarbonisierung des Strommarktes deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt als der CO₂-Vermeidung im Bereich der Prozesswärme.
Globale Prozesswärme überwiegend fossil gedeckt
Der Anteil der regenerativen Energien am globalen Prozesswärmebedarf ist mit lediglich 11 Prozent nach wie vor sehr gering. In den vergangenen zehn Jahren ist dieser Anteil lediglich um zwei Prozentpunkte gestiegen. Hauptursache hierfür ist der kontinuierlich wachsende Wärmebedarf der Industrie: Während im Jahr 2014 weltweit 85 Exajoule Prozesswärme verbraucht wurden, waren es 2023 bereits 112 Exajoule – ein Anstieg um 32 Prozent.
Regenerative Prozesswärme wird derzeit fast ausschließlich aus Biomasse erzeugt, die einen Anteil von 10,6 Prozent ausmacht. Regenerative Wärmenetze trugen 2023 nur 0,2 Prozent zum weltweiten Prozesswärmebedarfs bei. Der Beitrag der Solarenergie am industriellen Wärmebedarf ist bislang verschwindend gering und liegt bei nur 0,002 Prozent.
Dieser Wert ergibt sich aus der weltweit installierten Kollektorfläche für solare Prozesswärme von 1,359 Millionen Quadratmetern Ende 2023. Bei einem durchschnittlichen jährlichen Ertrag von 450 Kilowattstunden pro Quadratmeter entspricht dies einer solaren Wärmeerzeugung von rund 612 Gigawattstunden beziehungsweise 0,002 Exajoule.
Rund die Hälfte des globalen Industriewärmebedarfs entfällt auf Prozesse mit Temperaturen bis zu 400 Grad Celsius. Diese lassen sich gut mit erprobten und marktfähigen solarthermischen Kollektortechnologien versorgen. Dazu zählen unter anderem Prozesse wie Kochen, Pasteurisieren, Sterilisieren, Färben, Trocknen, Reinigen oder Destillieren.
SHIP-Markt hat sich in wenigen Jahren verdreifacht
Der globale Markt für solare Prozesswärme (SHIP) wächst dynamisch. Ende 2024 waren weltweit Anlagen mit einer Leistung von 1,1 Gigawatt in Betrieb. Dies entspricht einer Verdreifachung der Leistung gegenüber dem Jahr 2016, dem Beginn der regelmäßigen Industriebefragungen. Seit 2017 werden die auf der SHIP-Projektentwickler-Weltkarte (https://www.solar-payback.com/suppliers/) gelisteten Unternehmen jährlich mittels Fragebogen zu neu installierten Anlagen befragt, um das jeweilige Marktvolumen des Vorjahres zu ermitteln.
Bisher dominieren in Deutschland wie auch global Anlagen, die Prozesswärme bis 100 Grad Celsius liefern. Erste Systeme mit konzentrierenden Kollektoren in Belgien und Dänemark zeigen, dass diese Technologie auch in deutschen Breiten technisch und wirtschaftlich eingesetzt werden kann.
Weitere intressante Informationen finden Sie unter IEA SHC || Solarwärme weltweit
