Forschungsprojekt WindRamp
Beobachtergestützte Vorhersage von Netzengpässen und möglicher Einspeisung von Offshore-Windenergie für die operative Netzbetriebsführung und Handelsprozesse
Beobachtergestützte Kürzestfrist-Leistungsprognose großer Offshore Windpark-Cluster für die Systemintegration und Netzstabilisierung
Der steigende Anteil an fluktuierender Wind- und Solar-Einspeisung ist eine der zentralen Herausforderungen bei der Transformation unserer Energiesysteme. Um die Netzstabilität zu gewährleisten, müssen Einspeisung und Verbrauch zu jeder Zeit ausgeglichen sein. Unterstützt wird dies unter anderem mittels Leistungsprognosen, die bereits seit mehreren Jahren erfolgreich operationell eingesetzt werden. Insbesondere der Offshore-Bereich mit seiner hohen räumlichen Konzentration an installierter Windenergieleistung erfordert eine präzise Einschätzung von zukünftigen Rampenereignissen, also starken Änderungen der Einspeisung innerhalb kurzer Zeit. Vor diesem Hintergrund zielt das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Forschungsprojekt WindRamp II auf die wissenschaftliche Erweiterung der beobachtergestützten Kürzestfristprognose für Windpark-Cluster und deren Integration in das Energiesystem ab.
Forschungsprojekt WindRamp II | |
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Laufzeit | Mai 2024 bis April 2027 |
Förderung durch | Bundesministerium für Wirtschaft und Energie |
Projektbeteiligte |
assoziiert:
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Insbesondere Netzbetreiber und Stromhändler benötigen bei Rampenereignissen eine wahrscheinlichkeitsbasierte (probabilistische) Prognose dessen, was wann auf sie zukommt – also ein hohes Maß an „Situational Awareness“. Gleichzeitig wird ausreichend viel Vorlaufzeit benötigt, um zum Beispiel mittels Handelsgeschäften am Intraday-Markt oder Redispatch-Maßnahmen reagieren zu können. Vor diesem Hintergrund bietet die im Vorgängerprojekt WindRamp I erforschte XXL-Lidartechnologie, die mit rund 25 Kilometern über eine besonders lange Reichweite verfügt, vielversprechende Perspektiven, so dass in WindRamp II ein Prototyp des XXL-Lidars Im Offshore-Windpark „Amrumbank West“ (ca. 35 Kilometer nordwestlich von Helgoland) installiert werden soll. Hinsichtlich des erforderlichen weiteren Offshore-Ausbaus und der immer größeren Windenergie-Anlagen drängt die methodische Erweiterung der Kürzestfrist-Prognose auf zukünftige Windparks mit sehr großen Rotoren und heterogenen Windpark-Clustern (zum Beispiel mit Anlagen unterschiedlicher Nabenhöhe und Rotordurchmesser sowie komplexen Nachlaufsituationen).
Das Institut für Vernetzte Energiesysteme untersucht im Projekt WindRamp II, wie mittels stochastischer Dispatch-Optimierung die Systemintegration von Offshore-Windenergie verbessert werden kann. Bei der stochastischen Dispatch-Optimierung, die auf numerischen Wetterprognosen für den Folgetag sowie auf Lidar-Kürzestfrist-Prognosen für den Intraday basiert, wird die Unsicherheit der Wetterprognose explizit bei der Netzbetriebsführung berücksichtigt. Auf diese Art können netzkritische Zustände wie die Abregelung von Windenergie und der Einsatz teurer Regelenergie verringert werden. Das Stromsystem wird für Deutschland mit etwa 30 Knotenpunkten simuliert. Neben Windenergie wird auch Photovoltaik und Leistung aus konventionellen Kraftwerken simuliert. Die Möglichkeit, gespeicherten erneuerbaren Strom zu Zeiten von hoher Vorhersageunsicherheit in das Netz zu speisen, wird im Rahmer der Flexibilisierung des Stromnetzes untersucht.