EGNOS
Im Bodensegment empfangen hochgenau positionierte Empfangsstationen (RIMS = Ranging and Integrity Monitoring Station) die GPS- Daten und senden sie über ein weit verzweigtes Kommunikationsnetzwerk an die vier Kontrollzentren (Master Control Centren, MCC). Diese errechnen durch Vergleich der bekannten Bodenstandorte der Empfangsstationen mit den GPS-Signalen Korrekturdaten für die präzisere Positionsbestimmung. Diese Korrekturdaten berücksichtigen auch Fehler in der Positionsbestimmung, die durch die Ionosphäre hervorgerufen werden.
Korrektur von GPS -Daten
Positionskorrekturdaten und Zeitinformationen werden dann über die Bodenstationen (Navigation Land Earth Stations, NLES) und über drei geostationäre Satelliten, die sich in einer Höhe von 36.000 Kilometern befinden, an die Nutzer auf der Erde gesendet. Diese Satelliten erzeugen also nicht eigenständig GPS-Signale, wie das amerikanische System, sondern geben nur mittels Navigationstranspondern die am Boden ermittelten Korrektur-Daten an die Nutzer weiter. Die EGNOS-Signale sind nicht nur in Europa, sondern auch teilweise im Mittleren Osten, Asien sowie Afrika zu empfangen. Dabei sind zwei der Satelliten über dem östlichen Teil des Atlantiks und über dem Indischen Ozean positioniert. Ein Dritter ist auf Afrika und Europa ausgerichtet.
Erweiterung auf die Korrektur von Galileo -Daten
EGNOS ist bereits seit 2011 in Betrieb und für den Gebrauch in der zivilen Luftfahrt zertifiziert. Damit diente EGNOS Europa als erster wichtiger Schritt auf dem Weg zum eigenständigen unabhängigen Satellitennavigationssystem Galileo. Die Galileo-Satelliten senden seit 2016 Signale, welche von den Empfängern auf der Erde, in der Luft oder auf dem Wasser zur Positionsbestimmung, Navigation und Zeitgebung benutzt werden. Der offene Dienst von Galileo erreicht bei der horizontalen Positionierung bereits eine Genauigkeit von 2 Metern. Durch die Korrekturparameter von EGNOS kann diese Genauigkeit jedoch weiter verbessert werden. Daher wird EGNOS für die Korrektur von Galileo-Signale erweitert.
Finanzierung aus dem EU-Haushalt
Die Europäische Kommission (KOM) besitzt die Eigentumsrechte für GALILEO und EGNOS und finanziert die Systeme über den EU-Haushalt. Die Nutzung von EGNOS wird seit 2014 von der EUSPA (European Union Agency for Space Program) geregelt. Die operative Betreuung und Wartung von EGNOS wird durch die von den europäischen Flugsicherungen gegründete European Satellite Service Provider (ESSP) durchgeführt.
Globale Nutzungsmöglichkeiten für EGNOS
EGNOS kann sich mit ähnlichen regionalen Erweiterungssystemen ergänzen. Die USA schaffen das Wide Area Augmentation System (WASS), Japan den Michibiki Satellite based Augmentation Service (MSAS) und Indien das GPS Aided GEO-Augmented Navigation System (GAGAN). Weitere regionale Erweiterungssystemen für China, Russland, Südkorea, Afrika, Australien und Neuseeland werden derzeitig entwickelt, Das gemeinsame Ziel aller Programme ist eine globale Abdeckung und ein gemeinsamer Standard, so dass Anwender, vor allem in der Luftfahrt, aber auch in der Schifffahrt und im Straßenverkehr, alle Systeme mit einheitlichen Empfängern nutzen können.

