16. Juni 2026

Der Gründungsvater des Instituts für Antriebstechnik: 120 Jahre Prof. Heinrich Kühl

Von links nach rechts: Prof. Hanns-Jürgen Lichtfuss, Gerd Wich-Heiter, Prof. Florian Herbst, Prof. Dietrich Eckardt, Bürgermeister Thomas Hümmrich, Dr. Andreas Döpelheuer, Rolf Müller
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Prof. Hanss-Juergen Lichtfuss

In Gedenken an den 120. Geburtstag des Institutsgründers Prof. Dr.-Ing. Heinrich Kühl haben Institutsdirektor Prof. Florian Herbst und Abteilungsleiter Dr. Andreas Döpelheuer die Grabstätte des ehemaligen Institutsdirektors in Unterrodach in Franken besucht und einen Kranz niedergelegt.

Die Gedenkveranstaltung zu Ehren des 120. Geburtstages von Prof. Dr.-Ing. Heinrich Kühl wurde maßgeblich von seinen ehemaligen Schülern Prof. Dr.-Ing. Dietrich Eckardt und Prof. Dr.-Ing. Hanns-Jürgen Lichtfuss organsiert. Gemeinsam mit dem Bürgermeister Thomas Hümmrich besichtigten die Anwesenden bei ihrem Besuch neben der Grabstätte auch das Flößermuseum sowie die ehemaligen Floßherrenhäuser der Familie Eber-Erhardtssohn, in deren Familiengruft Heinrich Kühl beigesetzt ist. Gerd Wich-Heiter und Rolf Müller ergänzten die historischen Einblicke in die Familie Kühls mütterlicherseits. Dieser Einblick in die Geschichte verdeutlichte die Bedeutung der Flößerei sowie der Floßherrenfamilie für den Ort Unterrodach.

Forschung zu Fluggasturbinen

Doch die Verbindung zur Flößerei ist nur ein Teil von Prof. Kühls Vergangenheit. Als Institutsgründer des Instituts für Antriebstechnik und langjähriger Mitarbeiter beim DLR, trug er erheblich zur Geschichte sowie dem Erfolg des Instituts bei. Dabei hat er wichtige Beiträge für die Entwicklung von Flugzeugtriebwerken und Gasturbinen erbracht. Eine an der Grabstätte angebrachte Gedenktafel beschreibt Prof. Kühl auch als „Pionier der Fluggasturbine“. Die Gedenktafel wurde bereits vor einigen Jahren unter dem damaligen Institutsdirektor Prof. Heinrich Weyer im Namen des Instituts für Antriebstechnik angebracht.

Prof. Kühl promovierte im Jahr 1935 an der Technischen Universität München zum Dr. -Ing. und untersuchte dabei die „Dissoziation von Verbrennungsgasen und ihr Einfluss auf den Wirkungsgrad von Vergasermaschinen“. Kurz vorher, in 1934, kam er erstmals an die damalige Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt (DVL) in Berlin – heute das DLR. Dort hatte er bereits indirekt erheblichen Einfluss auf die derzeitige Turbojet-Entwicklung und wurde bald Abteilungsleiter im Institut für motorische Arbeitsverfahren und Thermodynamik.

Ab den 1940er Jahren richtete sich Prof. Kühl mit seiner Forschung ganz auf die Fluggasturbine sowie die Gasturbinen-Steuerung und -Regelung.

Während der Zeit des Nationalsozialismus standen sämtliche Forschungen im Deutschen Reich im Zeichen der Aufrüstung und Vorbereitung eines Angriffskrieges. Auch die Luftfahrtforschung hatte sich in den Dienst dieser Vorgaben zu stellen.

Nach dem Krieg arbeitet er kurze Zeit als verantwortlicher Ingenieur und Brennkammerspezialist bei Safran Helicopter Engines (ehemals Turboméca), ein französischer Hersteller von Gasturbinen für die Luftfahrt. Ebenfalls arbeitete er zeitweilig in der Gasturbinenentwicklung bei Mercedes Benz in Stuttgart (ehemals Daimler Benz). Dort habilitierte er an der Technischen Hochschule Stuttgart mit einer Arbeit über „Probleme des Kreuzstrom-Wärmetauschers“ und erhielt die venia legendi, also die offizielle Lehrberechtigung, für Thermodynamik.

Gründung des Instituts für Antriebstechnik

Zurück bei der DVL, wurde schließlich 1959 das Institut für Antriebstechnik unter der Leitung von Prof. Heinrich Kühl, damals mit dem Namen „Institut für Luftstrahlantriebe“, gegründet. Das neue Institut entstand aus dem ehemaligen DVL-Institut für Strahlantriebe und Gasturbinen sowie dem DVL-Institut für Thermodynamik und Verbrennung.

Diese Zusammenführung bleibt bis heute die Wurzel für die breite Ausrichtung des Instituts für Antriebstechnik über alle Komponenten eines Turboantriebs bis hin zum Forschungsfeld des Brandschutzes. Sicherlich hat auch Prof. Kühls äußerst breiter theoretischer und praktischer Hintergrund zu diesem umfassenden Spektrum beigetragen. 1963 wurde er zudem zum außerplanmäßigen Professor für Thermodynamik an der Technischen Hochschule Aachen ernannt.

In seiner Zeit als Institutsdirektor widmet er sich insbesondere dem Aufbau und der Beschaffung von leistungs- und anpassungsfähigen Versuchsanlagen, die teilweise bis heute am Institut bestehen und einen wesentlichen Teil der fortschrittlichen Forschung rund um Triebwerke ausmachen. Er leitete das Institut als Institutsdirektor bis 1973 bevor er im Jahr 2000, im Alter von 94 Jahren, verstarb und in der Familiengruft in Unterrodach beerdigt wurde.

67 Jahre nach der Gründung blickt das Institut für Antriebstechnik auf eine beeindruckende Entwicklung zurück. Mittlerweile sitzt das Institut nicht mehr nur in Köln, sondern zusätzlich in Göttingen, Trauen und Berlin und umfasst mehr als 200 Mitarbeitende. Diese Entwicklung ist eng mit dem Beitrag von Prof. Kühl verbunden, dessen wegweisende Arbeiten den Grundstein für unser heutiges Institut und die Forschung rund um die Antriebstechnik gelegt haben.

Weiterführende Literatur

Eckardt, Dietrich: Jet Web. Springer Nature, 2023.

Kuehl, Heinrich: Die Dissoziation von Verbrennungsgasen und ihr Einfluss auf den Wirkungsgrad von Vergasermaschinen, TU Munich (Profs. Nusselt und Loschge), 1935.

Richter, Hans-Leo: „50 Jahre DLR-Standort Köln-Porz.”, 2009, www.dlr.de/de/aktuelles/nachrichten/2009/20090715_50-jahre-dlr-standort-koeln-porz_18577.