Mit Metastudien, wie sie für aktuelle Energieszenarien für Deutschland im Projekt SCOPE.efzn erstellt wurden, lässt sich vorhandenes Wissen strukturiert bündeln – zum Beispiel auf Basis ausgewählter Transformationsszenarien für das Energiesystem. Stark abweichende Einzelergebnisse sind dabei nicht auf Berechnungsfehler, sondern unter anderem auf die zugrunde liegende Methodik zurückzuführen. So untersuchen explorative Szenarien, was unter bestimmten Bedingungen passieren könnte, während normative Szenarien von konkreten politischen Vorgaben ausgehen. Im hier gezeigten Beispiel wird deutlich, wie stark die Annahmen zum zukünftigen Wasserstoffbedarf entsprechend voneinander abweichen.
In Metastudien vergleicht das DLR-Institut für Vernetzte Energiesysteme bereits vorliegende Studien und analysiert und vergleicht deren zentrale Erkenntnisse, aber auch die methodischen Ansätze. Metastudien, wie sie für aktuelle Energieszenarien für Deutschland im Projekt SCOPE.efzn erstellt wurden, gelten als effiziente und zielgerichtete Methode, um vorhandenes Wissen strukturiert zu bündeln. So lassen sich robuste Erkenntnisse zum Beispiel überall dort ableiten, wo studienübergreifend hohe Übereinstimmung bei den Ergebnissen herrscht. Gleichzeitig lassen sich Bereiche identifizieren, wo noch große Unsicherheiten bestehen. Entscheidungen in Politik und Wirtschaft erhalten auf diese Weise eine belastbarere und evidenzbasierte Basis.
Doch warum kommen anerkannte Szenarien überhaupt zu teils stark abweichenden Ergebnissen? – Zwar beruhen alle heute verfügbaren Transformationsszenarien für das Energiesystem oder den Verkehrssektor in der Regel auf soliden methodischen Grundlagen. Zu unterschiedlichen Ergebnissen können sie dennoch kommen, weil die Modelle zum einen unterschiedliche Annahmen, Parameter und Zielvorstellungen verwenden, und zum anderen, weil sie Unterschiede bei Modellstrukturen sowie im Detailgrad der Modelle und Systemgrenzen aufweisen. Bezüglich der Zielvorstellungen wird zum Beispiel zwischen „explorativen“ und „normativen“ Szenarien unterschieden:
Explorative Szenarien untersuchen, was unter bestimmten Bedingungen passieren könnte, zum Beispiel unter gleichbleibenden energiepolitischen Rahmenbedingungen. Es wird dabei kein bestimmtes politisches Ziel vorgegeben. Sie dienen dazu, das Spektrum möglicher Entwicklungen zu kartieren, Auswirkungen von Interventionen zu analysieren und Unsicherheiten sichtbar zu machen.
Normative Szenarien hingegen gehen von konkreten politischen Vorgaben aus, zum Beispiel von CO₂‑Reduktionszielen oder Ausbauquoten für erneuerbare Energien. Sie beschreiben, welche Systemgestaltung und welche Transformationsprozesse notwendig sind, um diese Ziele zu erreichen. Dadurch können sie Handlungsempfehlungen für die Politik liefern.
Damit politische Entscheidungen auf einer gemeinsamen Wissensbasis beruhen, sind darüber hinaus vier Aspekte entscheidend:
Transparenz: Der methodische Ansatz, die Datenbasis und die getroffenen Annahmen müssen offengelegt und nachvollziehbar sein.
Passgenauigkeit: Das Modell muss zur konkreten Fragestellung passen. So ist ein kostenoptimierendes Modell nicht automatisch das geeignete Werkzeug, wenn soziale oder ökologische Nebenwirkungen im Fokus stehen sollen.
Systemische und ganzheitliche Sicht: Die zunehmende Vernetzung der Sektoren Strom, Gebäude- und Prozess-Wärme sowie Mobilität erfordert systemische Lösungsansätze, die alle Sektoren adäquat berücksichtigen. Eine ganzheitliche Bewertung, die ökonomische, ökologische, soziale und geopolitische Voraussetzungen wie Folgen der Transformation analysiert, verhindert einseitige Schlussfolgerungen und ermöglicht es, mögliche Transformationshemmnisse vorab zu identifizieren.
Bewusstsein für die Unsicherheiten der Modellierung: Wer aus Modellergebnissen energiepolitisch relevante Schlussfolgerungen ziehen will, muss sich über die Unsicherheiten und Beschränkungen im Klaren sein, die sich aus Modellstruktur, Modellierungsansatz und Wahl der Eingangsgrößen ergeben.
Im Projekt SCOPE.efzn hat das Institut für Vernetzte Energiesysteme auf dieser Basis auf eine breit aufgestellte wissenschaftliche Abschätzung gesetzt. Die DLR-Forschenden haben explorative und normative Szenarien nebeneinandergestellt und ihre Ergebnisse kritisch und konstruktiv verglichen. Im Ergebnis konnte das Institut so gemeinsam mit allen Projektbeteiligten die Grundlage für konsensfähige, evidenzbasierte Energie‑ und Verkehrspolitik schaffen.