Die Klimawirkung zukünftiger Flugzeugantriebe besser verstehen
Die Klimawirkung zukünftiger Flugzeugantriebe besser verstehen
Projekt KlimaRAT
Neue Antriebe gezielt für eine geringere Kondensstreifenbildung auslegen
Im Verbundprojekt KlimaRAT arbeiten drei DLR-Institute mit Industrieunternehmen wie MTU Aero Engines AG und Forschungseinrichtungen gemeinsam daran, die Klimawirkung zukünftiger Flugzeugantriebe zu reduzieren. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass Kondensstreifen erstmals unter realitätsnahen atmosphärischen Bedingungen an einem Höhenprüfstand erzeugt und untersucht werden.
Die Luftfahrt beeinflusst das Klima nicht nur durch den Ausstoß von Kohlendioxid, sondern auch durch die sogenannten Nicht-CO₂-Effekte. Dazu gehören insbesondere Kondensstreifen und daraus entstehende Zirruswolken, die einen erheblichen Beitrag zur gesamten Klimawirkung des Luftverkehrs leisten können. Wie sich neue Antriebstechnologien auf diese Effekte auswirken, ist bislang nur unzureichend bekannt.
Bisher wurden Kondensstreifen überwiegend in Flugversuchen untersucht. Für viele zukünftige Antriebskonzepte existieren jedoch noch keine flugfähigen Triebwerke, so dass entsprechende Messungen nicht möglich sind. Gleichzeitig werden Daten unter kontrollierten und reproduzierbaren Bedingungen benötigt, um die zugrunde liegenden physikalischen Prozesse besser zu verstehen und bestehende Modelle zu validieren.
KlimaRAT (Demonstration zur Kondensstreifenbildung und Auslegungsfähigkeit revolutionärer Turbofan-Technologien zur Reduktion der Klimawirkung) schafft hierfür die wissenschaftlichen Grundlagen. In dem Projekt werden Kondensstreifen erstmals unter realitätsnahen atmosphärischen Bedingungen in einem Höhenprüfstand der Universität Stuttgart erzeugt und untersucht. Ziel ist es, die wichtigsten Einflussgrößen auf ihre Entstehung systematisch zu erfassen und die gewonnenen Erkenntnisse für die Entwicklung klimaverträglicher Luftfahrtantriebe nutzbar zu machen.
Das DLR-Institut für Physik der Atmosphäre untersucht dabei den Einfluss von Emissionen, Wassergehalt und Temperatur des Abgasstrahls sowie atmosphärischen Bedingungen auf die Kondensstreifenbildung. Um diese Fragestellungen zu bearbeiten, werden am Höhenprüfstand der Universität Stuttgart Kondensstreifen unter definierten Bedingungen erzeugt, vermessen und mit Modellen verglichen.
Parallel dazu testet das DLR-Institut für Verbrennungstechnik Maßnahmen zur Reduzierung von gasförmigen und partikelförmigen Emissionen. Ergänzende Brennkammeruntersuchungen in den Prüfständen des Instituts liefern Informationen zu den Emissionen im Triebwerk und Randbedingungen für die Experimente am Höhenprüfstand. Die Ergebnisse fließen anschließend in Simulationsmodelle ein, mit denen die Klimawirkung zukünftiger Flugzeugflotten bewertet werden kann.
Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts liegt auf der schnellen Einführung neuer Antriebstechnologien. Das DLR-Institut für Instandhaltung und Modifikation untersucht gemeinsam mit den Projektbeteiligten, wie sich innovative Triebwerkskonzepte auf Wartung und Instandhaltung auswirken. Mithilfe von Simulationsmodellen werden zukünftige Instandhaltungsprozesse analysiert und optimiert. Dadurch können mögliche Auswirkungen auf Instandhaltungskosten und -zeit frühzeitig erkannt und bereits während der Entwicklung neuer Technologien berücksichtigt werden.
Logo BMWE
Credit:
BMWE
Die Arbeiten im Projekt KlimaRAT tragen dazu bei, die Klimawirkung zukünftiger Flugzeugantriebe frühzeitig bewerten zu können und gleichzeitig deren Entwicklung sowie spätere Einführung in den Flugbetrieb zu beschleunigen. Dabei können im Idealfall Betriebspunkte für neue Triebwerke identifiziert werden, die den Kondensstreifen-Effekt reduzieren.
Das Vorhaben wird im Rahmen des Luftfahrtforschungsprogramms LuFo VII-1 durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert.
Messungen am Höhenprüfstand der Universität Stuttgart
Im Zentrum des Höhenprüfstands steht die Antriebsdüse als Emissionsquelle zur Erzeugung der Kondensstreifen. In-situ Messabgriffe ermöglichen die Messung von Wasserdampf, Temperatur und Partikeln.
Bild: 1/2, Credit:
University of Stuttgart
Aufbau im Höhenprüfstand
Die Eispartikelsonde CAPS, die auf Flugzeugen genutzt wird, ist im Höhenprüfstand zur Messung von Kondensstreifen neuartiger Antriebe eingebaut.
Bild: 2/2, Credit:
DLR
KlimaRAT
Demonstration zur Kondensstreifenbildung und Auslegungsfähigkeit revolutionärer Turbofan-Technologien zur Reduktion der Klimawirkung
Laufzeit
1.10.2025 bis 30.9.2029
Zuwendungsgeber
Luftfahrtforschungsprogramm (LuFo 7-1)
Förderprogramm
LuFo VII-1
Fördermittelgeber
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE)
Fördersumme
3.067.200,00 Euro
Beteiligte DLR-Institute
DLR-Institut für Verbrennungstechnik (Projektleitung)
DLR-Institut für Physik der Atmosphäre
DLR-Institut für Instandhaltung und Modifikation
Weitere Beteiligte
MTU Aero Engines AG (Verbundführer)
MTU Maintenance GmbH
Institut für Luftfahrtantriebe, Universität Stuttgart
Institut für Thermodynamik der Luft- und Raumfahrt, Universität Stuttgart
Institut für Strahlantriebe, Universität der Bundeswehr München