Was hat Pizza mit Kerosin zu tun? Anika Weber beim RWTH MINT Science Slam

- DLR-Botschafterin Anika Weber ist beim MINT Science Slam der RWTH Aachen aufgetreten
- Sechs Slammer gaben im Wettbewerb unterhaltsam und kurzweilig Einblicke in ihre Forschung
- Schülerinnen und Schüler erhielten Inspirationen für eine Karriere in der Wissenschaft
Die Aula der RWTH Aachen war berstend gefüllt, neugierige und gespannte Blicke der etwa 600 Schülerinnen und Schüler im Publikum richteten sich auf die Bühne: Sechs Forschende haben am Freitag, 23. Januar, ihre Arbeit im Rahmen des RWTH MINT Science Slams unterhaltsam, verständlich und inspirierend vorgestellt, um einer neuen Generation die Faszination für wissenschaftliches Arbeiten zu vermitteln. Für das DLR-Institut für Future Fuels ging DLR-Botschafterin Anika Weber in den Wettbewerb. Sie brachte zu ihrem Slam eine große Pappschachtel mit und stellte die gewagte, aber spannende Frage: „Was hat Pizza mit Kerosin zu tun?“ Die Auflösung folgt.
In ihrem Slam, der mit anschaulichen Beispielen und GIFs gespickt war, erklärte Anika Weber in jugendlicher Sprache zunächst, dass die Sonneneinstrahlung uns mehr als ausreichend Energie biete, um sie in konzentrierter Form als Wärmequelle, etwa für große Öfen, einzusetzen. Nicht nur Pizzaöfen mit etwa 400 Grad Celsius könne man damit theoretisch bestrahlen und heizen, auch ganz praktisch thermochemische Reaktoren mit über 1.500 Grad Celsius, wie es auf den Solartürmen des DLR in Jülich passiert. Und hier backe das DLR keinen Teig, sondern erhitze Chemikalien für nachhaltige und CO2-neutrale Brennstoffe, etwa Kerosin, für Fernreisen mit weniger Flugscham.
Cer und Sauerstoff in einer Situationship
Doch wie funktioniert das genau? Der Ausgangspunkt: Ein Granulat aus CerOxid wird im Reaktor solar erhitzt. Das Granulat bestehe aus zwei Stoffen, sozusagen in einer Situationship, erklärte Anika Weber – also einer undefinierten, lockeren romantischen Verbindung, die mehr als nur eine Affäre, aber weniger als eine feste Beziehung ist: Das Element Cer und Sauerstoff. Anika Weber fuhr fort: Heizt man ihnen ein, kommen sie schnell in Stress und trennen sich voneinander, der Sauerstoff verlässt das Cer. Kühle man anschließend die Situation wieder ab, sehne sich das Cer jedoch wieder nach dem Sauerstoff zurück. Gebe man nun Wasser und CO2 hinzu, spalte sich der Sauerstoff aus diesen Stoffen ab. Übrig bleibt ein Synthesegas, das zur Kerosinherstellung dient. Die On-Off-Beziehung von Cer und Sauerstoff könne dann von vorne beginnen, schloss Anika Weber den Kreislauf.
„Erste Industrieunternehmen, die mit dem DLR kooperieren, so etwa Synhelion in Jülich, nutzen diesen Prozess bereits und beliefern erste Airlines mit dem CO2-neutralen Kerosin“, erzählte sie weiter und schlussfolgerte: Eine sinnvolle und nachhaltige Anwendung moderner Wissenschaft, in der sich für Nachwuchs viele berufliche Chancen bieten.

Ihr persönlicher Alltag als Wissenschaftlerin sei vielfältig, berichtete sie: Praktische Versuchsaufbauten mit Sensoren verkabeln, Luftströme messen und Bestrahlungsversuche durchführen, aber auch Computer-Simulationen und spannende theoretische Überlegungen gehörten dazu.
Am Ende des Tages sei sie oft positiv erschöpft, manchmal stehe sie auch vor wissenschaftlichen Problemen, die viel Durchhaltevermögen und Kreativität verlangen. Doch sie machte den Schülerinnen und Schülern Mut:
„Was ich bisher gelernt habe und was ich euch noch auf jeden Fall mitgeben möchte ist, dass man dranbleiben muss. Man darf nicht aufgeben und sollte sich auf keinen Fall zu dumm für irgendwas fühlen. Es ist absolut normal nicht alles sofort zu verstehen.“
Warum dieser Abend nicht nur für Schülerinnen und Schüler ein Erlebnis war
Science Slams sind eine besondere Möglichkeit, Einblicke in die Forschung und den Forschungsalltag zu erhalten. Das Publikum hört nicht nur zu, sondern wird teils aktiv einbezogen. Ob durch Fragen aus dem Plenum, kleine Live-Experimente oder die Abstimmung über die beste Performance – die Zuschauenden werden ein aktiver Teil der Wissenschaft.
Der MINT Science Slam an der RWTH Aachen richtete sich zwar besonders an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe, die sich für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik interessieren, doch auch Lehrkräfte profitierten davon. Sie erlebten, wie man komplexe Themen lebendig und humorvoll vermitteln kann.
Im Gespräch nach dem Slam, bei dem sie den dritten Platz belegte, gab Anika Weber dann noch ganz persönliche Einblicke:
„Ich habe mich zum Beispiel nicht einmal getraut, Physik als Leistungskurs zu wählen und bin tatsächlich auch erst nach ein paar Wochen im Mathe Grundkurs in den LK gewechselt, weil mir etwas gefehlt hat. Man muss in der Schule keine guten Noten gehabt haben, um erfolgreich zu studieren. Ich hatte selber in der 7. Klasse fast eine fünf in Mathe und nun stehe ich heute hier. Mann muss sich einfach trauen und loslegen, dann wird das schon. Es ist ein tolles Gefühl Probleme zu lösen!“