Interview

Mutmacherin für MINT

KI-Forscherin Lea möchte Mädchen und Frauen für technische und naturwissenschaftliche Berufe begeistern

Lea

Studium: Technische Informatik
Jetzt: DLR-Institut für KI-Sicherheit

Forschen, Wissen teilen und andere begeistern – für unsere Kollegin Lea gehört das zusammen. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin an unserem Institut für KI-Sicherheit forscht sie an Künstlicher Intelligenz für autonome, mobile und eingebettete Systeme. Darüber hinaus engagiert sich die Informatikerin dafür, Mädchen und junge Frauen für MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) zu begeistern. Für dieses Engagement wurde Lea von unserem Vorstand mit dem DLR-Preis für Beiträge zur Chancengleichheit ausgezeichnet. Im Interview gibt sie Einblicke in ihre Forschung und erklärt, warum unterschiedliche Perspektiven in Wissenschaft und Technik wichtig sind.

Lea, um was geht es in deiner Forschung?

Lea: Ich arbeite am Institut für KI-Sicherheit und bin seit knapp einem Jahr als Doktorandin an der Universität Ulm eingeschrieben. In meiner Forschung geht es vor allem darum, KI so zu entwickeln, dass sie sich energieeffizient auf dafür ausgelegter Hardware einsetzen lässt – zum Beispiel in eingebetteten Systemen und in der Robotik.

Welche Fähigkeiten helfen dir dabei besonders?

Lea: Als Forscherin braucht man viele unterschiedliche Fähigkeiten. Mal ist man Entertainerin, um die eigene Forschung unterschiedlichen Zielgruppen verständlich zu erklären – vom Kind bis zum Fachpublikum. Mal ist man Detektivin, wenn sich die Simulation anders verhält als die Realität und man den Fehler aufspüren muss. Dann wiederum geht es ums Tüfteln und Problemlösen. Und manchmal braucht es ganz praktisches Geschick, etwa wenn ein Roboter umgebaut oder ein Bauteil an- oder abgeschraubt werden muss.

Was erforscht du genau?

„Forschung ist für mich unglaublich vielseitig. Mal bin ich Entertainerin, mal Detektivin, mal Tüftlerin – und manchmal muss ich auch mit den Händen anpacken.“

Lea: Ich beschäftige mich unter anderem damit, KI-Modelle mithilfe von Tensor-Netzwerken zu komprimieren. Vereinfacht gesagt geht es darum, KI-Modelle so zu verkleinern, dass sie weniger Ressourcen benötigen und schneller arbeiten können. Dabei untersuche ich, wie stark man ein Modell komprimieren kann und ab welchem Punkt die Komprimierung die Sicherheit der KI beeinträchtigt. Außerdem vergleiche ich klassische KI-Ansätze mit quantenbasierten Methoden, um ihr Potenzial für unterschiedliche Hardwareplattformen zu bewerten.

Wie entwickelst und testest du deine Modelle?

Lea: Dafür nutze ich unter anderem Reinforcement Learning, eine Methode, bei der die KI durch Versuch und Feedback lernt. Ich erstelle verschiedene Varianten eines KI-Modells und komprimiere sie unterschiedlich stark. Zunächst teste ich die Modelle in Simulationen. Anschließend überprüfe ich sie auf echter Hardware, zum Beispiel an einem Roboterarm. So kann ich vergleichen, wie sich die unterschiedlich starke Komprimierung auf das Verhalten und die Sicherheit der KI auswirkt.

Lea begeistert Mädchen und junge Frauen für MINT-Berufe
Für ihr Engagement wurde die Forscherin von unserem Vorstand mit dem DLR-Preis für Beiträge zur Chancengleichheit ausgezeichnet.

„Ich finde es spannend, Wissen zu teilen, neue Perspektiven zu gewinnen und andere für KI zu begeistern. Besonders schön ist es, wenn aus anfänglicher Skepsis echtes Interesse entsteht.“

Du beschäftigst dich mit der Sicherheit von KI. Welche Rolle spielt dabei Chancengleichheit?

Lea: KI benötigt Daten. Sie sind die Grundlage für Mustererkennung und Entscheidungsfindung. Wenn bestimmte Bevölkerungsgruppen in diesen Daten unterrepräsentiert sind oder fehlen, können bestehende Vorurteile in KI-Systemen übernommen werden. Ein bekanntes Beispiel ist die Arbeit von Joy Buolamwini zum Thema Gesichtserkennung. Auch im MINT-Bereich können Vorurteile eine Rolle spielen, etwa bei der Auswahl von Kandidatinnen und Kandidaten im Bewerbungsprozess. Deshalb ist es wichtig, unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen – sowohl bei der Entwicklung von KI als auch bei ihrer Anwendung.

Neben deiner Forschung engagierst du dich dafür, Mädchen und Frauen für MINT zu begeistern. Was motiviert dich dabei besonders?

Lea: Ich engagiere mich bei Soroptimist International für die Bildung von jungen Frauen im IT-Bereich. Das Netzwerk bringt berufstätige Frauen aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammen – von der Handwerkerin über die Ärztin bis zur Juristin. Hier habe ich Vorbilder gefunden und kann selbst Vorbild sein. Ich finde es spannend, neue Themen gemeinsam zu entdecken, Wissen zu teilen und über kritische Aspekte zu diskutieren. Dabei gewinne ich selbst neue Perspektiven – und manchmal entsteht daraus eine ganz neue Idee. Besonders schön ist es, wenn aus anfänglicher Skepsis gegenüber KI echtes Interesse und Begeisterung entstehen.

Forschung zum Mitmachen
Beim ersten Girls’Day in Ulm konnten Mädchen die Welt der Forschung spielerisch entdecken. Lea initiierte und koordinierte den Aktionstag am Standort.

Was möchtest du mit deinem Engagement bewirken?

Lea: Ich möchte Schülerinnen und Studentinnen neue Perspektiven aufzeigen und sie dabei zu unterstützen, ihre eigenen Möglichkeiten und Stärken zu entdecken. Wenn nur ein junges Talent anschließend über eine Ausbildung oder ein Studium im MINT-Bereich nachdenkt, ist das für mich bereits ein Erfolg. Ich versuche mit meinem Engagement einen Zugang zu schaffen, der Neugier und praktisches Lernen miteinander verbindet. Im vergangenen Jahr habe ich den ersten Girls’Day in Ulm initiiert und koordiniert, bei dem Mädchen spielerisch die digitale Welt entdecken konnten. Bei der informatica feminale Baden-Württemberg, einer Sommeruniversität für Frauen in MINT, gebe ich Studentinnen Einblicke in meinen Forschungsbereich. Im Rahmen der Summer School an der Universität Freiburg habe ich dazu einen Workshop zu KI und KI-Sicherheit durchgeführt. So konnte ich meine Begeisterung für das Thema weitergeben und erste Erfahrungen in der Lehre sammeln.

Welchen Rat gibst du Mädchen, die sich für Technik interessieren?

Lea: Probiert viel aus und sucht euch Praktika oder Stellen als studentische Hilfskraft, um herauszufinden, was euch im MINT-Bereich begeistert. Und vor allem: Gebt nicht auf, wenn euch jemand sagt, ihr seid nicht gut genug!