7. Dezember 2017

Ge­o­ri­si­ken bes­ser ver­ste­hen – die An­den im Fo­kus

Flut in Pe­ru: Hoch­was­ser­kar­te
Bild 1/5, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Flut in Peru: Hochwasserkarte

Hoch­was­ser­flä­chen, ab­ge­lei­tet aus Ter­ra­SAR-X Ra­dar­sa­tel­li­ten­da­ten vom 01. April 2017 im Rah­men ei­ner Ak­ti­vie­rung der In­ter­na­tio­na­len Char­ta "Space and Ma­jor Di­sas­ters" in Pe­ru.
Ts­un­a­mi-Warn­schild in Chi­le
Bild 2/5, Credit: DLR/Riedlinger.

Tsunami-Warnschild in Chile

Der Ha­fen von Val­pa­rai­so in Chi­le ist ei­ne Ts­un­a­mi-Ge­fähr­dungs­zo­ne.
Vul­kan­aus­bruch in Chi­le: Ver­än­de­rungs­ana­ly­se
Bild 3/5, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Vulkanausbruch in Chile: Veränderungsanalyse

Ver­än­de­rungs­ana­ly­se ba­sie­rend auf Da­ten der Ra­dar­sa­tel­li­ten­mis­si­on Sen­ti­nel-1, auf­ge­nom­men vor (20.02.2015) und kurz nach (04.03.2015) dem Aus­bruch des Vul­kans Vil­lar­ri­ca, Chi­le, am 03. März 2015. Blau: Ver­stär­kung der Ra­dar­rückstreu­ung durch das Ab­schmel­zen von Schnee und Eis; cy­an: star­ke Er­hö­hung der Ra­dar­rückstreu­ung durch die Ak­ku­mu­la­ti­on vul­ka­ni­schen Ma­te­ri­als; ma­gen­ta: Ver­rin­ge­rung der Ra­dar­rückstreu­ung in­fol­ge der Ak­ku­mu­la­ti­on von Asche. Die Ana­ly­se er­folg­te durch das DLR im Rah­men ei­ner Ak­ti­vie­rung der In­ter­na­tio­na­len Char­ta "Space and Ma­jor Di­sas­ters".
Eva­ku­ie­rungs­rou­te in den An­den
Bild 4/5, Credit: DLR/Riedlinger.

Evakuierungsroute in den Anden

In den chi­le­ni­schen An­den ist die Ge­fahr durch Vul­ka­n­ak­ti­vi­tä­ten stän­dig ge­gen­wär­tig.
RIES­GOS Kick­off-Mee­ting
Bild 5/5, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

RIESGOS Kickoff-Meeting

Grup­pen­bild der RIES­GOS-Part­ner beim Kick­off-Mee­ting im Earth Ob­ser­va­ti­on Cen­ter des DLR in Ober­pfaf­fen­ho­fen am 7. De­zem­ber 2017.

  • Kickoff für internationales Kooperationsprojekt RIESGOS am Deutschen Fernerkundungsdatenzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen.
  • Ziel ist es Wechselwirkungen von Katastrophenfällen besser verstehen und vorhersagen zu können.
  • Entwicklung eines prototypischen Multi-Risiko-Informationssystems für die Andenregion in Chile, Ecuador und Peru.
  • Schwerpunkte: Erdbeobachtung, Digitalisierung

Auf der ganzen Welt drängen Menschen in die Städte und bilden immer dichter besiedelte Regionen. Eine Naturgefahr bedroht dadurch auch immer mehr Menschen - das Risiko betroffen zu sein nimmt seit Jahrzehnten weltweit zu. Eine Katastrophe kommt dabei selten allein: Ein Hochwasser kann einen Erdrutsch auslösen oder ein Erdbeben kappt die Strom- und Wasserversorgung, so dass sich Situationen für Betroffene und Einsatzhelfer verschärfen können. Die mögliche Tragweite solcher Eskalationsketten zeigt die Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011, bei der zuerst ein Erdbeben eine Tsunamikatastrophe an der japanischen Küste auslöste und daraufhin das Kernkraftwerk havarierte. Um Wechselwirkungen von Katastrophenfällen besser verstehen und vorhersagen zu können, entwickelt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gemeinsam mit Projektpartnern ein Multi-Risiko-Informationssystem:

Das Projekt "RIESGOS" (spanisch, "Risiken") hat zum Ziel, die Informationsgrundlagen für das Management von Naturkatastrophen zu verbessern und Strategien zur Vermeidung oder Minderung von Risiken zu entwickeln. Anhand von webbasierten Anwendungsdiensten sollen Entscheidungsträger und Akteure künftig Gefahrenanalysen für die Gesamtsituation erstellen und Szenarien mit komplexen Risikoverkettungen simulieren können. Bisherige Risiko-Informationssysteme berücksichtigen meist nur einzelne Komponenten. Ein neuartiges System entsteht nun als Prototyp für die von Naturkatastrophen besonders gefährdete Andenregion in Chile, Peru und Ecuador.

"In den kommenden drei Jahren gehen wir der Frage nach, welche Gefahren durch Naturkatastrophen entstehen können und entwickeln wissenschaftliche Methoden zur Bewertung der verschiedenen Risiken. Ich bin schon gespannt darauf, aus den Details der einzelnen Fachbereiche ein Gesamtbild zu gewinnen. Damit können wir einen für die Gesellschaft wichtigen Beitrag zur Risikominimierung von Naturgefahren leisten. Das wird die Forschungsarbeiten auch über das Projekt hinaus vorantreiben", erklärt RIESGOS-Projektleiterin Dr. Elisabeth Schöpfer vom Deutschen Fernerkundungsdatenzentrum des DLR. Rund 40 nationale und internationale Forschungseinrichtungen, Behörden und Unternehmen bündeln dazu ihre Kompetenzen. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Am DLR in Ober­pfaf­fen­ho­fenist RIESGOS am 7. Dezember 2017 mit einem Kickoff-Meeting eingeläutet worden.

Innovation und Wertschöpfung

Die Gefahren bedingen sich dabei nicht nur gegenseitig, sondern haben auch kaskadierende Effekte, das heißt es entstehen Kettenreaktionen. Die aufgrund ihrer geographischen Lage stark durch Naturkatastrophen gefährdete Region der Anden trifft das schwer.

"Die internationale Zusammenarbeit ist von grundlegender Bedeutung, um die Prozesse in der Risikominimierung zu verbessern und mögliche Auswirkungen von künftigen Naturkatastrophen vorzubeugen. Außerdem werden die Arbeiten von RIESGOS dazu beitragen, die Erkenntnisse zur Bewertung komplexer Zusammenhänge zwischen physikalischen Phänomenen und den sozialen und ökonomischen Systemen besser zu verstehen und weiterzuentwickeln. Dadurch können wir die Wirksamkeit von Maßnahmen und Strategien zur Risikominierung erhöhen. Als Exzellenz-Forschungszentrum, gefördert von der Comisión Nacional de Investigación Científica y Tecnológica, ist CIGIDEN stolz darauf in dieser internationalen Kooperation mitzuarbeiten", so Dr. Rodrigo Cienfuegos, Direktor des Research Center for Integrated Disaster Risk Management (CI­GI­DEN) und außerordentlicher Professor an der Pontificia Universidad Católica de Chile.

Entlang der Frage "was passiert, wenn…" erarbeiten die RIESGOS-Projektteams daher Szenarien von Hochwassersituationen, Hangrutschungen, Vulkanaktivitäten, Erdbeben, Tsunamis und ihren gegenseitigen Wechselwirkungen. Die Wissenschaftler verschiedener Fachdisziplinen nutzen eine Vielfalt unterschiedlicher Daten, unter anderem hochaufgelöste optische Fernerkundungsdaten und Radardaten, so dass lokale Untersuchungsgebiete auf regionale und nationale Ebenen erweitert werden können.

"Nur durch langfristig angelegte, interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fachgruppen in Deutschland und Südamerika können wir sicherstellen, dass wir die Auswirkungen von Natur-Extremereignissen auf die Gesellschaft besser verstehen und perspektivisch eingrenzen können. Zum Beispiel durch nachhaltiges Landmanagement und weitsichtige Stadtplanung, die die Vulnerabilitäten und das Risiko kennt und entsprechend berücksichtigt", sagt Prof. Dr. Stefan Dech, Direktor des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums im DLR.

Die Arbeiten in Deutschland erfolgen in enger Abstimmung mit den südamerikanischen Partnern. Ihre Erfahrung im Umgang mit Naturkatastrophen ist zentral für die bedarfs- und praxisorientierte Ausrichtung von RIESGOS. So zielt das Projekt nicht allein auf die Entwicklung von innovativen technischen Systemkomponenten und Webdiensten. Es gilt auch Anwendungspotenziale für den deutschen sowie südamerikanischen Markt herauszuarbeiten. Dienstleistungen, die auf den Multi-Risikoanalysen von RIESGOS basieren, sollen die Wertschöpfungskette des Forschungs- und Entwicklungsprojekts zukünftig noch erweitern.

Über das Projekt

RIESGOS wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Fördermaßnahme "BMBF CLIENT II - Internationale Partnerschaften für nachhaltige Innovationen" des Rahmenprogramms "Forschung für Nachhaltige Entwicklung (FONA3)" gefördert. Der Pro­jekt­trä­ger Jü­lich betreut das Projekt im Auftrag des Bundesforschungsministeriums fachlich und administrativ.

Das RIESGOS Projektkonsortium setzt sich aus folgenden akademischen Forschungseinrichtungen und Industriepartnern zusammen: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, DeutschesGeoForschungsZentrum, Alfred-Wegener-Institut, TU Mün­chen, 52°North, geo­mer GmbH, EOMAP GmbH & Co.KG, plan + risk con­sult, DIA­LO­GIK. Folgende assoziierte Partner unterstützen das Projekt: GIZ, UN­OOSA / UN-SPI­DER, UN­ES­COund Mu­nich­RE. RIESGOS kooperiert bereits mit mehr als 25 Forschungspartnern und Behörden in den südamerikanischen Partnerländern Chile, Ecuador und Peru und plant, diese Zusammenarbeit im Laufe des Projektes auszubauen.

Kontakt
  • Bernadette Jung
    Kom­mu­ni­ka­ti­on Ober­pfaf­fen­ho­fen, Weil­heim, Augs­burg
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)

    Po­li­tik­be­zie­hun­gen und Kom­mu­ni­ka­ti­on
    Telefon: +49 8153 28-2251
    Fax: +49 8153 28-1243
    Münchener Straße 20
    82234 Weßling
    Kontaktieren
  • Dr. Elisabeth Schöpfer

    Deut­sches Fer­ner­kun­dungs­da­ten­zen­trum
    Telefon: +49 8153 28-1508
    Kontaktieren
  • Dr.rer.nat. Torsten Riedlinger

    Deut­sches Fer­ner­kun­dungs­da­ten­zen­trum, Zi­vi­le Kri­sen­in­for­ma­ti­on und Ge­o­ri­si­ken
    Telefon: +49 8153 28-3674
    Fax: +49 8153 28-1445
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