15. März 2018 | Schwebendes Matterhorn aus 67 Millionen Pixeln

Ausstellung "Der Berg ruft" im Gasometer Oberhausen eröffnet

  • Schwerpunkt(e): Raumfahrt, Erdbeobachtung

Das Matterhorn ist mit 4478 Metern nicht einer der höchsten Berge der Welt - und noch nicht einmal der höchste Berg der Alpen. Doch seine markante, dreieckige Form macht es einzigartig. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat die Fels-Pyramide mit Satelliten- und Flugzeugüberflügen vermessen und mit diesen Daten ein präzises Geländemodell erstellt, das nun als 3D-Projektion auf einer 17 Meter hohen Nachbildung des Matterhorns den Berg in den Gasometer Oberhausen holt. Dort schwebt es als Höhepunkt der Ausstellung "Der Berg ruft", die am 16. März 2018 eröffnet, kopfüber im 100 Meter hohen Luftraum des Gasometers. Ein Spiegel auf dem Boden reflektiert den Berg und ermöglicht so den Blick aus der Vogelperspektive.

Über Flanken und Schneefelder

Knapp 3000 Bilder sind die Grundlage, mit der die Wissenschaftler des Earth Observation Centers (EOC) des DLR die Animation erstellten. Dafür nahm ein Pléiades-Satellit das Matterhorn innerhalb eines Überflugs in nur wenigen Sekunden aus drei verschiedenen Perspektiven auf. Ergänzt wurde die Daten durch Messungen aus dem zweimotorigen DLR-Forschungsflugzeug DO-228. Mit der vom DLR entwickelten 3K-Kamera nahmen die Forscher den Berg mit seinen 2000 Meter steil abfallenden Flanken und dem steten Wechsel von hellen Schneeflächen und dunklen Schatten von allen Seiten auf. Daraus entstand - mit Hilfe eines Algorithmus, der am DLR ursprünglich Robotern das räumliche Sehen ermöglichte - ein dreidimensionales Geländemodell des Bergs. Im Earth Observation Center kombinierten DLR-Wissenschaftler die gewonnenen Höhendaten und Texturen am Computer zu einem Abbild des Matterhorns und ließen anschließend hunderte virtuelle Kameras über dem Berg in 3D kreisen - so entstanden Animationen, die die Skulptur lebendig werden lassen. Mit 67 Millionen Pixeln entspricht die Auflösung der Animation dem Achtfachen einer hochaufgelösten Kinoproduktion.

"Die Kompetenzen, die wir für die Matterhorn-Skulptur in der Ausstellung "Der Berg ruft" eingesetzt haben, verwenden wir in unserer täglichen Arbeit in der Erdbeobachtung", sagt Prof. Hansjörg Dittus, Vorstand für Raumfahrtforschung und -technologie im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). "Mit der Fernerkundung aus dem All liefern und verarbeiten wir die Daten, um die Veränderung der Erdoberfläche, der Atmosphäre oder den globalen Wandel zu beobachten und zu erforschen. Das Matterhorn war für uns eine Experimentierfeld, an dem wir unsere Methoden testen und bewerten konnten."

Herausforderung Matterhorn

Normalerweise profitieren Krisenhelfer, Stadtplaner, Klimaforscher oder auch Archäologen von der Erdbeobachtung. Mit den Daten aus dem All können unter anderem Bodenbewegungen millimetergenau erfasst, Wasser und Luft in ihrer Qualität untersucht oder auch Gletschermassen eingeschätzt werden. Mit der Ausstellung "Der Berg ruft" erfahren nun auch deren Besucher, wie Daten der Erdbeobachtung eingesetzt werden können.

"Wir zeigen auf der Projektionsfläche das Matterhorn im Wechsel der Tages- und Jahreszeiten, die Aufstiegsrouten, die die Bergsteiger in den vergangenen 150 Jahren erschlossen haben, und die extreme Topographie des Berges", erläutert Nils Sparwasser vom Earth Observation Center des DLR. "Dafür mussten wir große Datenmengen erfassen, verarbeiten und auswerten - daran sind wir natürlich auch gewachsen." 17 Projektoren bringen mit der aufwendigen Animation die Details auf die 2033 Quadratmeter Oberfläche des Matterhorn-Nachbaus.

Die Ausstellung des Gasometer Oberhausen zeigt aber nicht nur das Matterhorn: In einzigartigen Filmausschnitten und Fotos zeigt sie die Lebenswelten in eisiger Höhe und dünner Luft, bringt den Besuchern die legendären Erstbesteigungen nahe und berichtet von Triumphen und Niederlagen. "Mit "Der Berg ruft" erzählen wir von wundervollen Orten, die seit jeher die Menschen fasziniert haben", sagt Prof. Peter Pachnicke, Kurator der Ausstellung.

Kontakt

Manuela Braun

Redaktion
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Zentrales Personalmarketing
Münchener Straße 20, 82234 Weßling

Nils Sparwasser

Wissenschaftskommunikation und Visualisierung
Deutsches Zentrum für Luft- und Ramfahrt (DLR)
Deutsches Fernerkundungsdatenzentrum (DFD)
Marketing und Medien
Münchener Straße 20, 82234 Weßling