23. Oktober 2019
Internationales TerraSAR-X und TanDEM-X Science Meeting

Deut­sche Ra­dar­sa­tel­li­ten lie­fern wert­vol­le Um­welt­da­ten

TerraSAR-X-Analyse: Zusammenbruch des Krakatau Vulkans, Indonesien
Ter­ra­SAR-X-Ana­ly­se: Zu­sam­men­bruch des Kra­ka­tau Vul­kans, In­do­ne­si­en
Bild 1/3, Credit: Thomas Walter / GFZ

TerraSAR-X-Analyse: Zusammenbruch des Krakatau Vulkans, Indonesien

Kra­ka­tau Vul­kan, In­do­ne­si­en: Ra­dars­ze­nen, die nach dem Ts­un­a­mi-Er­eig­nis 2018 auf­ge­nom­men wur­den (rechts), zei­gen im Ver­gleich zu ei­nem Bild aus dem Jah­re 2007 (links) die tief­grei­fen­den mor­pho­lo­gi­schen Ver­än­de­run­gen: Ein großer Teil der zen­tra­len und süd­west­li­chen Ge­bie­te des Vul­kans fehlt, was auf ei­nen so­ge­nann­ten Flan­ken­zu­sam­men­bruch hin­weist.
Unter Beobachtung: Jakobshavn Isbrae, schnellster Gletscher Grönlands
Un­ter Be­ob­ach­tung: Ja­kobs­havn Is­brae, schnells­ter Glet­scher Grön­lands
Bild 2/3, Credit: Ian Joughin / University of Washington Applied Physics Laboratory

Unter Beobachtung: Jakobshavn Isbrae, schnellster Gletscher Grönlands

Links: Die Eis­fluss­ge­schwin­dig­keit der letz­ten zehn Jah­re an meh­re­ren Stel­len ent­lang des Haupt­stam­mes des schnells­ten grön­län­di­schen Glet­schers Ja­kobs­havn Is­brae. Rechts: Ter­ra­SAR-X-Bild von Ja­kobs­havn Is­brae, auf­ge­nom­men am 29. Sep­tem­ber 2019, an der durch den Ein­satz ge­zeig­ten Stel­le. Far­bi­ge Punk­te zei­gen die Po­si­tio­nen, an de­nen die auf­ge­zeich­ne­ten Ge­schwin­dig­kei­ten ge­mes­sen wur­den. Der Eiss­trom ist so groß, dass ein Eis­pa­ket, das bei M20 be­ginnt, schließ­lich durch je­den der dar­ge­stell­ten Punk­te fließt und schließ­lich M6 er­reicht, von wo aus es ei­ni­ge Mo­na­te spä­ter als Eis­berg ab­bricht.
TanDEM-X Datenfusion: Waldhöhe im Tropischen Regenwald
Tan­DEM-X Da­ten­fu­si­on: Wald­hö­he im Tro­pi­schen Re­gen­wald
Bild 3/3, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

TanDEM-X Datenfusion: Waldhöhe im Tropischen Regenwald

Fu­sio­nier­tes Wald­hö­hen­pro­dukt (links): Das  Bei­spiel zeigt ein Ge­biet im tro­pi­schen Re­gen­wald von Ga­bun, Afri­ka. Die bun­ten Flä­chen ge­ben die Wald­hö­he an, weiß sind of­fe­ne, nicht mit Wald be­setz­te Flä­chen. Rechts ist ein Ver­gleich zwi­schen den er­ho­be­nen Wald­hö­hen von Tan­DEM-X und ei­nem flug­zeug­ge­tra­ge­nen De­mons­tra­tor von GE­DI zu se­hen. Die Ge­nau­ig­keit der Wald­hö­hen­mes­sung liegt bei 1 Me­ter.
  • „TerraSAR-X und TanDEM-X Science Meeting” in Oberpfaffenhofen bringt Community zusammen
  • Blick in die Zukunft: Ziel der hochinnovativen Radarmission Tandem-L ist es, wichtige Umwelt- und Klimaparameter global und in hoher zeitlicher Auflösung zu erfassen
  • Schwerpunkte: Erdbeobachtung, Raumfahrt, Big Data, Tandem-L, Globaler Wandel

Es ist heute kein Geheimnis mehr, dass sich unsere Umwelt seit Beginn der Industrialisierung rasanter verändert als zuvor. Die deutschen Satellitenmissionen TerraSAR-X und TanDEM-X liefern seit 2007 und 2010 einzigartige Erdbeobachtungsdaten, aus denen reichhaltige Erkenntnisse über unsere Umwelt gewonnen werden können. Wissenschaftliche Nutzer aus der ganzen Welt sind am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen zusammengekommen, um im Rahmen des „TerraSAR-X und TanDEM-X Science Meetings“ die aus den Daten gewonnenen Ergebnisse auszutauschen und Anforderungen an künftige Fernerkundungstechnologien zu formulieren. In mehr als 100 Präsentationen offenbart sich vom 21. bis 24. Oktober 2019 der neueste Stand der Forschung. Begleitend dazu stellt der TanDEM-X-Blog Vorträge aus dem „Science Meeting“ vor und skizziert, in welcher Weise die Daten der zwei Radarmissionen Forscher weltweit unterstützen.

„Die Teilnahme von mehr als 250 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus 40 Ländern ist ein Beleg für das große Interesse an den Daten beider Satellitenmissionen. Auch wenn heute mehr als 25 Radarsatelliten im Einsatz sind, ist nur TanDEM-X mit seinem einzigartigen Formationsflug in der Lage, Bilder in 3D und in hoher Auflösung zur Verfügung zu stellen“, sagt Prof. Dr.-Ing. Alberto Moreira, Direktor des DLR-Institutes für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme und Principal Investigator der TanDEM-X-Mission.

Anwendungen in der Forschung

Radarsensoren haben für die Erdbeobachtung besondere Bedeutung, da sie unabhängig vom Wetter und zu jeder Tages- oder Nachtzeit Aufnahmen liefern. Vom Weltall aus können sie große Gebiete, mehr als hundert Kilometer lang, erfassen. Die zivilen Radarsatelliten TerraSAR-X und TanDEM-X sind aktuell noch im Betrieb und könnten noch mehrere Jahre für die Forschung genutzt werden.

Internationale Forschungseinrichungen und Organisationen verwenden die bisherigen Daten, um beispielsweise Naturgefahren wie Erdbeben, Vulkanausbrüche und Tsunamis zu analysieren. „Hochauflösende und langfristige Datenerfassungspläne sind unerlässlich, um Vulkangefahren zu untersuchen und damit zu einem verbesserten Frühwarnsystem beizutragen“, erklärt Dr. Thomas Walter vom Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ).

Am 22. Dezember 2018 traf ein heftiger Tsunami die indonesische Vulkaninsel Krakatau, der Hunderte von Menschen tötete und die Küstenregionen von Java und Sumatra verwüstete. Aufgrund der schlechten Witterungsbedingungen und der intensiven Vulkanaktivitäten waren direkte Einblicke in den Vulkan nicht möglich und die Einzelheiten unklar. Die TerraSAR-X-Radaraugen haben in dieser Situation dazu beigetragen, die tiefgreifenden Veränderungen durch die  Katastrophe von Anak Krakatau 2018 besser zu verstehen. Der Zusammenbruch des Vulkans wurde auch durch unabhängige seismische und Infraschalldaten beobachtet, doch erst die TerraSAR-X-Daten lieferten die nötige Auflösung. So war es den Wissenschaftlern anhand der Radardaten möglich, morphologische Details des Zusammenbruchs auszuwerten, eine Zunahme des Inselumfangs in anderen Teilen nachzuvollziehen und  das Gebiet nach dem Absetzen des neuen vulkanischen Materials zu untersuchen.

Gletscherbeobachtung im Detail

Der Blick aus dem All kann auch sehr genaue Auskünfte über die Veränderungen von Gletschern und Eisschilden geben. Die teils drastischen Entwicklungen müssen regelmäßig beobachtet werden und sind im Zusammenhang der globalen Erderwärmung zu sehen. Einen wahren Datenschatz liefert hier das TanDEM-X-Höhenmodell – noch nie zuvor wurden Grönland und die Antarktis umfassend und mit so hoher Genauigkeit vermessen.

Grönlands schnellster Gletscher, Jakobshavn Isbrae, produziert das größte Volumen an Eisbergen der nördlichen Hemisphäre. In den letzten zwei Jahrzehnten hat dieser Gletscher seine Geschwindigkeit mehr als verdoppelt, so dass er allein in den Jahren 2000 bis 2010 den Meeresspiegel um einen Millimeter erhöht hat. Die Satelliten TerraSAR-X und TanDEM-X begannen 2009 mit der intensiven Überwachung dieses Gletschers und zeigten die enormen und unerwarteten Geschwindigkeitsschwankungen (siehe Abbildung).

„Dieselben Prozesse, die zur jährlichen Variation beitragen, werden den Gletscher auch in Zukunft beschleunigen, da sich das Klima weiter erwärmt. Daher ist die langfristige Überwachung der Gletscher Grönlands und der Antarktis durch Fernerkundungssatelliten so wichtig, um zu verstehen, wie sich der Meeresspiegel auf die Küstengemeinden der Welt auswirken wird“, erzählt Ian Joughin vom Polar Science Center des Applied Physics Lab von der University of Washington.

Globaler Überblick: Kohlenstoffspeicher Wald

Einen immanenten Einfluss auf das Klima haben auch unsere Wälder, indem sie als eines der wichtigsten Kohlenstoffspeicher fungieren. Bei Veränderungen wie Abholzung oder Brandrodung kann es schnell zu einem Ungleichgewicht kommen. Wieviel Kohlenstoff gespeichtert wird, hängt unter anderem von der Baumhöhe ab. DLR- und NASA-Wissenschaftler arbeiten an der Erstellung einer einzigartigen globalen Waldhöhenkarte: Die NASA-Wissenschaftler arbeiten mit dem GEDI-System (Global Ecosystem Dynamics Investigation), das regional begrenzte aber sehr genaue Waldhöhendaten liefert. Das DLR-Team erstellt die Waldhöheninformationen aus der TanDEM-X-Mission, die die Daten global aber in einer reduzierteren Genauigkeit liefern kann. Einzigartig ist die Verschneidung dieser beiden Datensätze zu einem hochgenauen globalen Waldhöhenprodukt. Beim „Science-Meeting“ in Oberpfaffenhofen werden nun erste Ergebnisse dieser Kooperation gezeigt.

„Das Wissen über die genauen Waldhöhen wird die regionalen und globalen Klimamodelle zur Prognose von freiem Kohlenstoffdioxid signifikant verbessert“, erklärt DLR-Wissenschaftler Kostas Papathanassiou vom Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme.

Blick in die Zukunft: Tandem-L

Ziel der hochinnovativen Radarmission Tandem-L ist es, wichtige Umwelt- und Klimaparameter global und in hoher zeitlicher Auflösung zu erfassen: Alle acht Tage sollen zwei Radarsatelliten die Landmasse der Erde dreidimensional abbilden. Dadurch können dynamische Prozesse der Erde zeitnah und systematisch erfasst werden. Erdbebenforscher und Risikoanalysten wären in der Lage, Deformationen der Erdoberfläche millimetergenau zu verfolgen. Gletscherbewegungen und Schmelzprozesse in den Polarregionen könnten regelmäßig und dadurch noch genauer ermittelt werden. Die Erdbeobachtungsdaten der drei Radarsysteme sollen sich komplementär ergänzen.

Im Vergleich zu den beiden aktuellen Missionen wird Tandem-L mit einer längeren Wellenlänge betrieben. Mit der Wellenlänge von rund 24 Zentimeter kann die Vegetation durchdrungen werden, so dass die Flächenstrukturen des Untergrunds sichtbar werden. Dank neuer Technologien und Aufnahmeverfahren, wie der polarimetrischen SAR-Interferometrie, kann auch ein Wald dreidimensional kartiert werden. Hieraus werden dann die Waldhöhen berechnet und die Biomasse indirekt abgeschätzt – auf globaler Ebene ist dies bisher nicht möglich.

Wissenschaftler unterschiedlicher Helmholtz-Zentren, die an den Vorstudien der Mission beteiligt sind, stellen nun ihre Ergebnisse in Oberpfaffenhofen vor und erörtern, welche tragende Rolle Tandem-L zur Beantwortung von umweltrelevanten Herausforderungen spielen kann. Mit dem „TerraSAR-X und TanDEM-X Science Meeting“ steht den insgesamt 250 internationalen Teilnehmern eine Plattform zur Verfügung, den gemeinsamen Forschungsbedarf zu identifizieren und die Zukunft der Erdbeobachtung einzuleiten.

Kontakt
  • Bernadette Jung
    Kom­mu­ni­ka­ti­on Ober­pfaf­fen­ho­fen, Weil­heim, Augs­burg
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)

    Po­li­tik­be­zie­hun­gen und Kom­mu­ni­ka­ti­on
    Telefon: +49 8153 28-2251
    Fax: +49 8153 28-1243
    Münchener Straße 20
    82234 Weßling
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  • Prof. Dr.-Ing. Alberto Moreira
    Di­rek­tor
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    In­sti­tut für Hoch­fre­quenz­tech­nik und Ra­dar­sys­te­me
    Telefon: +49 8153 28-2306
    Münchner Straße 20
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  • Prof. Irena Hajnsek
    Wis­sen­schaft­li­che Ko­or­di­na­to­rin
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    In­sti­tut für Hoch­fre­quenz­tech­nik und Ra­dar­sys­te­me
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    Münchner Straße 20
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  • Achim Roth

    Deut­sches Fer­ner­kun­dungs­da­ten­zen­trum
    Telefon: +49 8153 28-2706
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