3. April 2020

Vom Os­ter­mond und "Su­per­mond" des Jah­res

Vollmonde in unterschiedlicher Erdentfernung
Voll­mon­de in un­ter­schied­li­cher Er­dent­fer­nung
Bild 1/7, Credit: NASA

Vollmonde in unterschiedlicher Erdentfernung

Um 14 Pro­zent wird der Durch­mes­ser des Mon­des in der Nacht von Diens­tag auf Mitt­woch (7./8. April 2020) grö­ßer sein, wenn der Erdtra­bant na­he sei­nes Pe­ri­gäums steht, dem Punkt größ­ter An­nä­he­rung an die Er­de, als bei ei­nem Voll­mond im wei­tes­ten Er­dab­stand, dem Apo­gä­um. Folg­lich ist ein sol­cher "Su­per­mond" auch um knapp ein Drit­tel hel­ler. Der Mond kommt der Er­de auf sei­ner el­lip­sen­för­mi­gen Um­lauf­bahn, ge­mes­sen vom Erd- zum Mond­mit­tel­punkt, bis auf 356.400 Ki­lo­me­ter na­he und ent­fernt sich bis zu 406.700 Ki­lo­me­ter von ihr. Zum Zeit­punkt des ers­ten Früh­lings­voll­monds 2020, am Mitt­woch um 4.35 Uhr MESZ, wird der Mond ex­akt 356.907 Ki­lo­me­ter ent­fernt sein.
"Zwei Männer in Betrachtung des Mondes"
"Zwei Män­ner in Be­trach­tung des Mon­des"
Bild 2/7, Credit: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Foto: C. Karpinski

"Zwei Männer in Betrachtung des Mondes"

Vor 200 Jah­ren schuf der Ma­ler Cas­par Da­vid Fried­rich (1774-1840) sein be­kann­tes Werk "Zwei Män­ner in Be­trach­tung des Mon­des" – der­zeit ei­ne un­ge­wollt ak­tu­el­le Il­lus­tra­ti­on, wie man in Zei­ten des Co­ro­na­vi­rus den Mond zu be­ob­ach­ten hat: ma­xi­mal zu zweit, aber na­tür­lich mit mehr Ab­stand, als im Bild zu se­hen. Von die­sem Mo­tiv gibt es meh­re­re Va­ri­an­ten: Die­ses Bild ent­stand in den Jah­re 1819/20 und ist als 35 mal 44 Zen­ti­me­ter großes Ori­gi­nal im Be­sitz der Staat­li­chen Kunst­samm­lun­gen Dres­den. Ein wei­te­res De­tail des Kunst­werks ist eben­falls ak­tu­ell ganz ähn­lich zu se­hen, aber erst En­de April: Die Ve­nus als "Abends­tern" rechts der Si­chel des zu­neh­men­den Mon­des. Nach dem Neu­mond am 23. April wird der zu­neh­men­de Mond vom 24. bis 28. April an der hell leuch­ten­den Ve­nus am West­ho­ri­zont vor­bei­zie­hen. Heu­te, am 3. April, steht un­ser Schwes­ter­pla­net in­mit­ten des Sie­ben­ge­stirns, im auf­fal­len­den Stern­hau­fen der Ple­ja­den – auch dies ist ein sel­ten schö­ner An­blick.
Monduntergang im Siebengebirge
Mond­un­ter­gang im Sie­ben­ge­bir­ge
Bild 3/7, Credit: Rolf Hempel/DLR (CC-BY 3.0)

Monduntergang im Siebengebirge

DLR-Astro­fo­to­graf Dr. Rolf Hem­pel fo­to­gra­fier­te von Buch­holz im Wes­ter­wald mit ei­nem star­ken Te­le­ob­jek­tiv die­sen un­ter­ge­hen­den Voll­mond über dem Öl­berg, der mit 460 Me­tern über dem Mee­res­s­pie­gel höchs­ten Er­he­bung des Sie­ben­ge­bir­ges süd­öst­lich von Bonn. Der dies­jäh­ri­ge Voll­mond vom 7. auf den 8. April de­fi­niert auch das Da­tum für das Os­ter­fest, das re­gu­lär stets am ers­ten Sonn­tag nach dem ers­ten Früh­lings­voll­mond statt­fin­det. Auch der Öl­berg – al­ler­dings je­ner in Je­ru­sa­lem – hat ei­ne wich­ti­ge Be­deu­tung für die ös­ter­li­che Zeit, oder ge­nau­er: für die Pas­si­ons­zeit. Vom Öl­berg zog Je­sus am Palm­sonn­tag in Je­ru­sa­lem ein, und im Gar­ten Geth­se­ma­ne am Fuß des Öl­bergs wur­de er am Abend des Grün­don­ners­tags nach dem Abend­mahl ge­fan­gen ge­nom­men. Nach der Auf­er­ste­hung, so sagt es die Bi­bel, fuhr der am Kar­frei­tag Ge­kreu­zig­te eben­falls vom Öl­berg in den Him­mel auf. Das Fo­to wur­de mit fol­gen­den Ein­stel­lun­gen auf­ge­nom­men: Ca­non 5D MKII, Ob­jek­tiv: Ca­non EF 100-400mm f/4.5-5.6 L IS USM, Brenn­wei­te: 400mm, Blen­de: 8, ISO: 200, Be­lich­tungs­zeit: 1/30 sec.
Mondposition am Sternhimmel im April 202
Mond­po­si­ti­on am Stern­him­mel im April 2020
Bild 4/7, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Mondposition am Sternhimmel im April 2020

Zur ex­ak­ten Voll­mond­zeit am 8. April um halb fünf Uhr mor­gens steht der Mond im Stern­bild Jung­frau (Vir­go) ober­halb des hel­len Sterns Spi­ca (Kornäh­re). Rechts ober­halb des Mon­des be­fin­det sich ne­ben­bei der Vir­go-Ga­la­xien­hau­fen mit der großen, 55 Mil­lio­nen Licht­jah­re ent­fern­ten Ga­la­xie Mes­sier 87, in der den Astro­no­men im ver­gan­ge­nen Jahr ein di­rek­ter Blick auf das zen­tra­le Schwar­ze Loch ge­lang.
Vom (Super-) Vollmond bis Neumond
Vom (Su­per-) Voll­mond bis Neu­mond
Bild 5/7, Credit: NASA/GSFC

Vom (Super-) Vollmond bis Neumond

Für Be­ob­ach­ter auf der Er­de geht der nächs­te Voll­mond be­reits bei Son­nen­un­ter­gang am 7. April im Os­ten auf. Astro­no­misch und von der Son­ne ganz aus­ge­leuch­tet wird die der Er­de zu­ge­wand­te Sei­te al­ler­dings erst um 4:35 Uhr am frü­hen Mitt­woch­mor­gen des 8. April sein. Weil der Mond auf sei­ner el­lip­ti­schen Bahn um die Er­de die­ser acht­ein­halb Stun­den frü­her mit nur 356.907 Ki­lo­me­tern be­son­ders na­he kommt, ist am Nacht­him­mel ein "Su­per­voll­mond" zu se­hen. Die­ser Voll­mond ist um 30 Pro­zent grö­ßer, als wenn sich der Voll­mond im erd­f­erns­ten Punkt der Bahn be­fän­de. In den dar­auf­fol­gen­den Ta­gen wird der Mond im­mer spä­ter auf­ge­hen. Zwei Wo­chen lang se­hen wir ei­nen ab­neh­men­den Mond, mit Halb­mond am 15. April und Neu­mond am 23. April.
"Super-Supermond" im Archaikum
"Su­per-Su­per­mond" im Ar­chai­kum
Bild 6/7, Credit: (Triangulum) Tim Bertelink (CC BY-SA 4.0)

"Super-Supermond" im Archaikum

Vor vier Mil­li­ar­den Jah­ren, zu Be­ginn des Erd­zeit­al­ters des Ar­chai­kums – 500 Mil­lio­nen Jah­re nach der Kon­so­li­die­rung von Er­de und Mond – um­kreis­te der Mond die Er­de auf ei­ner viel en­ge­ren Um­lauf­bahn: Nur 60.000 Ki­lo­me­ter war der Erdtra­bant von der Er­de ent­fernt. Ent­spre­chend wa­ren die Voll­mon­de noch viel be­ein­dru­cken­der als der "Su­per­mond" in der Nacht vom 7. auf den 8. April 2020. Die künst­le­ri­sche Dar­stel­lung zeigt ge­schich­te­te Se­di­ment­bän­ke, Stro­ma­to­lithen, die von den ers­ten Le­be­we­sen der Er­de ge­bil­det wur­den. Er­de und Mond bil­den ein "ge­schlos­se­nes" Sys­tem, das ei­nen Ge­samt­dre­him­puls hat. Bei­de Kör­per um­krei­sen ei­nen Mas­sen­schwer­punkt, der aber kei­nes­falls auf der geo­me­trisch hal­ben Stre­cke zwi­schen Erd- und Mond­mit­tel­punkt liegt. Weil die Er­de et­wa 80 Mal mehr Mas­se hat als der Mond, be­fin­det er sich im Erd­man­tel, 4700 Ki­lo­me­ter vom Erd­mit­tel­punkt ent­fernt. Ver­ein­facht aus­ge­drückt bremst der Mond durch sei­ne Wir­kung auf die "be­weg­li­chen Mas­sen" der Er­de de­ren Ro­ta­ti­on ge­ring­fü­gig ab. Die Ozea­ne, aber auch die Kon­ti­nen­te he­ben und sen­ken sich durch die­se Ge­zei­ten­wir­kung, und das ver­län­gert in 100.000 Jah­ren den Er­den­tag um 1,6 Se­kun­den. Da der Dre­him­puls des Er­de-Mond-Sys­tems aber gleich blei­ben muss, wird die Ab­nah­me des Ro­ta­ti­ons­dre­him­pul­ses der Er­de durch die Zu­nah­me des Bahn­dre­him­pul­ses des Mon­des kom­pen­siert: So ent­fernt sich der Mond um 3,8 Zen­ti­me­ter pro Jahr von der Er­de.
Der Gregorianische Lunisolarkalender
Der Gre­go­ria­ni­sche Lu­ni­so­lar­ka­len­der
Bild 7/7, Credit: Romani calendarii a Gregorio XIII P.M. restituti explicatio. (European Cultural Heritage Online / MPIWG Berlin)

Der Gregorianische Lunisolarkalender

Die Ta­bel­le ent­stammt dem 1603 er­schie­nen Werk "Ro­ma­ni ca­len­da­rii a Gre­go­rio XIII P.M. re­sti­tu­ti ex­pli­ca­tio". Dar­in er­ör­tert der aus Bam­berg stam­men­de Ma­the­ma­ti­ker Chri­sto­pho­rus Cla­vi­us SJ (1538-1612, links) aus­führ­lich die Ka­len­der­re­form Papst Gre­gors XIII. (1502-1585, rechts). Sie war in­fol­ge ei­ner all­mäh­li­chen Ver­schie­bung der Jah­res­zei­ten im bis da­hin gül­ti­gen Ju­lia­ni­schen Ka­len­der not­wen­dig ge­wor­den und wur­de 1582 be­kannt ge­ge­ben. In sei­nem Werk gibt Cla­vi­us, mit den Me­tho­den der da­ma­li­gen Ma­the­ma­tik be­rech­net, auch die Ka­len­der­ter­mi­ne für die be­weg­li­chen Fes­te des Kir­chen­jahrs bis zum Jah­re 5000 be­kannt. So kann man in der Zei­le mit der Jah­res­zahl 2020 in der fünf­ten Spal­te ab­le­sen, dass die ma­the­ma­tisch-zy­kli­sche Voll­mond­pha­se am 7. April um 13 Uhr er­reicht wird, Os­tern fällt da­mit auf den nächst­fol­gen­den Sonn­tag, den 12. April 2020 (vor­letz­te Spal­te). Für das Vor­jahr 2019 er­gibt sich ein so­ge­nann­tes Os­ter­pa­ra­do­xon: Im Mo­nat März fällt der zy­kli­sche gre­go­ria­ni­sche Voll­mond auf den 20. März, der astro­no­mi­sche Voll­mond ei­nen Tag spä­ter auf den 21. Ent­spre­chend wur­de der April­voll­mond zum Os­ter­voll­mond und das Hoch­fest wur­de im ka­tho­li­schen Kir­chen­kreis erst am 21.4. und nicht schon am 24.3. ge­fei­ert. Nach Chri­sto­pho­rus Cla­vi­us ist ein Kra­ter auf dem Mond be­nannt.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch dürfen Hobbyastronomen und alle, die sich am Anblick des voll leuchtenden Mondes erfreuen, bei voraussichtlich sogar recht guten Wetterbedingungen wieder auf einen besonderen Anblick hoffen: Gleichzeitig mit dem Sonnenuntergang am 7. April im Westen wird im Osten ein sogenannter Supermond aufgehen und dann in der Nacht im Sternbild Jungfrau am Himmel stehen, der größte Vollmond dieses Jahres. Astronomisch von der Sonne ganz ausgeleuchtet wird seine erdzugewandte Seite am frühen Mittwochmorgen exakt um 4.35 Uhr MESZ sein, weil Sonne, Erde und Mond dann nahezu eine Linie bilden. Doch warum bezeichnet man den Mond – freilich etwas übertrieben – seit einiger Zeit als Supermond?

"Der Mond umläuft die Erde nicht auf einer perfekten Kreisbahn mit stets gleichbleibendem Abstand, sondern gemäß den Keplerschen Gesetzen auf einer elliptischen Bahn, bei der die Erde in einem der beiden Brennpunkte ruht. Als Folge steht er während eines Erdumlaufs einmal im erdnächsten Punkt seiner Bahn, im Perigäum, und einmal im erdfernsten, im Apogäum", erläutert Dr. Manfred Gaida, Astronom und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bonn-Oberkassel. Die Dauer zwischen zwei Perigäumsdurchgängen von 27,55 Tagen wird "anomalistischer Monat" genannt und ist um zwei Tage kürzer als der Zeitraum zwischen zwei Vollmondphasen, dem "synodischen Monat", der im Mittel 29,53 Tage beträgt. Der Unterschied rührt daher, dass sich die Erde um die Sonne bewegt und es zwei Tage länger dauert, bis der Mond gegenüber der Sonne wieder die gleiche Beleuchtungsposition einnimmt.

Der Mond kann der Erde – gemessen von Mittelpunkt zu Mittelpunkt – bis auf 356.400 Kilometer nahekommen und bis zu 406.700 Kilometer von ihr entfernt sein. Die Differenz zwischen Perigäums- und Apogäumsdistanz beträgt also circa 50.000 Kilometer, rund das Vierfache des Erddurchmessers und knapp ein Achtel oder 12,5 Prozent der mittleren Mondentfernung von 384.000 Kilometer. "Wenn der Mond im Perigäum steht und zugleich die Vollmondphase durchläuft, sprechen wir seit einigen Jahrzehnten – vor allem in den Medien – von einem Supermond, weil die Mondscheibe maximal groß und hell wird" erklärt der DLR-Astronom. Doch können wird den Größenunterschied im Vergleich zu einem Vollmond im Apogäum tatsächlich wahrnehmen?

Können wir den Größenunterschied erkennen?

Diplomgeologe Ulrich Köhler vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin erklärt den Größenunterschied: "Der Durchmesser des Mondes ist am Dienstagabend, wenn er im Perigäum steht, 14 Prozent größer und die Fläche der sichtbaren Mondscheibe um 30 Prozent größer als bei einem Vollmond im Apogäum. Ein Vollmond im Perigäum leuchtet also knapp ein Drittel heller als im Apogäum." Das bedeutet, dass auch das weniger geschulte Auge in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zumindest einen kräftigeren Helligkeitseindruck wahrnehmen kann, nachdem der Mond aus den horizontnahen Dunstschichten herausgetreten ist. Den Größenunterschied wird das unbewaffnete Auge jedoch kaum bemerken. Es wäre so, als würde man abwechselnd eine Ein- und eine Zwei-Euro Münze in 2,70 Meter Entfernung an einer weißen Wand betrachten. Ein Größenunterschied zwischen den Münzen dürfte dem bloßen Auge dabei nicht auffallen, allenfalls, man würde beide Münzen gleichzeitig und direkt nebeneinander betrachten. Anders sieht es allerdings aus, wenn wir den Mond fotografieren.

Den Supermond fotografieren

Rolf Hempel, Leiter des DLR-Instituts für Softwaretechnologie in Köln, ist in seiner Freizeit passionierter Astrofotograf und weiß, wie der Erdtrabant am besten aufs Foto kommt. "Wer versucht, den Mond mit einer normalen Kamera zu fotografieren, erkennt sehr schnell: Der Trabant ist am Himmel viel kleiner als gedacht. Der kleine Finger am ausgestreckten Arm deckt ihn zweimal ab", sagt Hempel und empfiehlt für die Mondfotografie daher eine Spiegelreflexkamera mit einem möglichst langen Teleobjektiv (400 Millimeter). Damit kann man bereits die dunklen Mare-Flächen von den hellen Hochländern unterscheiden.

"Sehr stimmungsvolle Bilder ergeben sich durch die Kombination mit einem interessanten Vordergrund. Dazu muss der Mond nahe am Horizont stehen. Dann ist er nicht zu weit entfernt von den Vordergrundobjekten und das verbleibende Dämmerungslicht erhellt die umgebende Szenerie. Für ein möglichst brillantes Bild ist eine niedrige ISO-Einstellung empfehlenswert. Die Schärfe wird bei den meisten Teleobjektiven besser, wenn man etwas abblendet, zum Beispiel auf f/8. Damit die Hochländer auf dem Mond nicht zu hell geraten, sollte man sich bei der Belichtungszeit nicht auf die Automatik verlassen. Ein Stativ ist wegen der Verwacklungsgefahr auf jeden Fall sinnvoll", so Hempel.

Für kleinere Monddetails benötigt man mehr Vergrößerung, beispielsweise durch ein Spektiv, wie es bei den Fernsehübertragungen im Biathlon häufig zu sehen ist, wenn die Trainer verfolgen, wo die Schüsse der Athleten genau landen, oder ein astronomisches Fernrohr: An solche optisch leistungsstarken Geräte kann man das Gehäuse der Kamera mittels Adapter befestigen. "Das Fernrohrobjektiv wird so zu einem sehr langen Teleobjektiv. Seine Brennweite kann mit speziellen Zwischenoptiken auf mehrere Tausend Millimeter verlängert werden. Der besonders große Vollmond am Montag bietet eine gute Gelegenheit zu eigenen Fotoexperimenten", ergänzt Hempel. "Allerdings wird man als ‚Beobachtungsnovize‘ überrascht sein, wie schnell sich bei der starken Vergrößerung der Mond auf seinem Weg über den Nachthimmel wegen der Erddrehung scheinbar durch das Gesichtsfeld bewegt und aus diesem hinauswandert, wenn man die Optik nicht nachführt. Das ist manuell gar nicht so einfach und wird bei Teleskopen meistens mit einem Elektromotor und einer Nachführautomatik bewerkstelligt, mit der die Rotation der Erde kompensiert wird."

Wirkt sich die Erdnähe des Mondes auf die Fluthöhe aus?

Je näher ein Himmelskörper ist, desto stärker wirkt die Gravitation, die Anziehungskraft. Das ist auch beim Mond der Fall. Die Auswirkungen sind auf der Erde zu spüren, wie der Geophysiker Dr. Frank Sohl vom Institut für Planetenforschung berechnet hat: "Bei jedem Voll- und Neumond gibt es Springfluten, weil Sonne, Mond und Erde in einer Reihe stehen. Am Dienstag/Mittwoch ist die Anziehungskraft des Mondes tatsächlich ein wenig größer, der Effekt ist aber verschwindend gering. Die Gezeitenbeschleunigung fällt beispielsweise nur um wenige Prozent stärker aus - das macht nur ein paar Zentimeter Unterschied beim Tidenhub aus." Für Hochwasser reicht dies beim Supermond am 8. April mitnichten aus. Man muss aber davon ausgehen, dass in den ersten Milliarden Jahren der Erdgeschichte, die Gezeiten sehr viel stärker ausgeprägt waren, weil der Mond im Mittel deutlich näher an der Erde stand und Abstandsunterschiede die Höhe der Flut signifikant beeinflussten.

Supermond ist der Ostervollmond

Selbst wenn uns das Wetter einen Strich durch die Beobachtung des Supermondes macht, bleibt der Vollmond am 8. April ein besonderer, weil er, wie seit alten Zeiten, den Termin für das diesjährige Osterfest des westlichen Christentums bestimmt. Denn spätestens seit der Bulle "Inter Gravissimas" von Papst Gregor XIII., lateinisch für "Zu den wichtigsten (Aufgaben unseres Hirtenamtes…)", die im Zuge einer notwendigen Kalenderreform im Jahre 1582 bekannt gegeben wurde, ist das Frühlingsäquinoktium (Tag- und Nachtgleiche) auf den 21. März kalendarisch verbindlich festgeschrieben, und Ostern fällt – von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen – stets auf den ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond ab Frühlingsbeginn. Die Ausnahmen selber beruhen meist auf geringen Abweichungen der zyklischen Kalenderrechnung zum astronomischen Frühlingsanfang und zur astronomischen Vollmondphase. Denn die Kalenderreformer von damals ließen sich von der Regel leiten "Im Kleinen etwas ungenau, im Großen möglichst genau" und schufen mit dem Gregorianischen Kalender ein elegantes, an sich ändernde Naturwerte flexibel anpassbares mathematisches "Zeitzählungssystem" mit einer Minimalperiode von – man höre und staune – 5,7 Millionen Jahren!

So ist also der 22. März, ein Tag nach dem kalendarischen Frühlingsbeginn, der frühestmögliche Termin für Ostern, und als Konsequenz der gregorianischen Ausnahmeregelungen der 25. April der letztmögliche Ostertermin. Das Osterfest kann darum auf 35 verschiedene Tage des Jahres fallen. Das frühestmögliche Ostern haben weder unsere Urgroßväter erlebt, noch werden wir oder unsere Urenkel es erleben: Zuletzt fiel der Ostersonntag 1818 auf einen 22. März und wird erst wieder im Jahre 2285 an diesem Kalendertag gefeiert werden. Das nächste Ostern an einem 25. April ist jedoch ‚in Reichweite‘ und wird im Jahre 2038 im Kalender stehen – wie letztmals im entbehrungsreichen Jahr 1943.

Ausblick

Wer den Supermond des Jahres verpasst, bekommt die nächste Chance im kommenden Jahr. In der Nacht vom 26. auf den 27. Mai 2021 wird der Mond im Vergleich zur diesjährigen Minimaldistanz von 356.907 Kilometer nur rund 400 Kilometer weiter entfernt sein. Eine noch nähere Begegnung von Mond und Erde wird es allerdings erst am 25. November 2034 geben – dann werden die Massenzentren der beiden Himmelskörper nur 356.448 Kilometer voneinander entfernt sein. Doch zunächst wünschen die Autoren allen Mondbeobachtern eine wunderbare Sicht auf den Vollmond in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch – natürlich nur allein oder höchstens zu zweit, versteht sich.

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