Projekt TRIPS: Nicht über uns, ohne uns

Die Beteiligten von TRIPS beim ersten Projekttreffen im Februar 2020 in Brüssel.
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©DLR

Im Projekt TRIPS gestalten mobilitätseingeschränkte Menschen inklusive Mobilität aktiv mit

Im Jahr 2018 gaben fast 18 Prozent der EU-Bürger/innen an, mit teilweisen, langjährigen Beeinträchtigungen und 7 Prozent sogar unter schweren langjährigen Beeinträchtigungen zu leben, also eine Behinderung besitzen („Eurostat, 2018“). Das Ziel des Horizon2020-Projekts TRIPS besteht darin, diese Menschen zu befähigen, durch partizipative Verfahren selbst eine zentrale Rolle bei der Gestaltung integrativer digitaler Mobilitätslösungen einzunehmen. Denn Verkehrssysteme, die für Menschen mit Behinderungen unzugänglich sind, erschweren deren gleichberechtigten Zugang zu wichtigen Dienstleistungen, Beschäftigungsmöglichkeiten, sozialer Teilhabe und der Möglichkeit zum selbstbestimmten Leben.

Momentan lässt sich Inklusion bei neuen Mobilitätskonzepten leichter mitdenken, da der Verkehr derzeit einen dynamischen Wandel durchläuft und weltweit neue Mobilitätsmodelle und verkehrsbezogene digitale Lösungen, wie Navigations-Apps oder Augmented Reality, zum Einsatz kommen. Im Projekt TRIPS sollen Möglichkeiten geschaffen werden, dass Betroffene von Anfang an ein stärkeres Mitspracherecht und größere Gestaltungsspielräume für die Verwirklichung inklusiver Mobilität erhalten. Das Projekt verfolgt dabei einen partizipativen Ansatz, der zum Ziel hat, mobilitätseingeschränkte Nutzer/innen als Expert/innen für ihre eigenen Mobilitäts- und Zugangsbedürfnisse aktiv an der Forschung zu beteiligen. Nutzer/innen und Verkehrsexpert/innen forschen hier zusammen, ganz nach dem Leitspruch des European Disability Forum „nothing about us without us“ (dt. „Nichts über uns, ohne uns“).

In den kommenden drei Jahren werden in TRIPS die Bedürfnisse und Einstellungen zu zukunftsträchtigen Mobilitätskonzepten untersucht und dabei insbesondere potentielle Barrieren und Nutzungshürden beschrieben. Zudem wird der Stand der Technik in Bezug auf Barrierefreiheit, unterstützende Technologien und Assistenzsysteme anhand der Nutzeranforderungen von behinderten Personen reflektiert. Gemeinsam mit Arbeitsgruppen aus Nutzer/innen mit unterschiedlichen Mobilitätseinschränkungen werden Ideen und Konzepte entwickelt, wie auch heutigen Herausforderungen und Barrieren begegnet werden kann. In sieben europäischen Pilotstädten – Bologna, Brüssel, Cagliari, Lissabon, Sofia, Stockholm und Zagreb – werden die gemeinsam entwickelten Konzepte umgesetzt und erprobt. So will das Projekt als Ergebnis einen Innovationsfahrplan und Forschungsprioritäten präsentieren sowie Handlungsempfehlungen für die politische Praxis ableiten.

Das DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik leitet das Arbeitspaket 3 „Mobility, Digital and Accessibility trends and state of the art review“, in dem aktuelle und zukünftige Mobilitätssysteme und Technologien unter dem Gesichtspunkt der Barrierefreiheit analysiert werden. Außerdem ist das Institut in der qualitativen und quantitativen Nutzerforschung im Arbeitspaket 2 (User research and needs identification) beteiligt, in dem die Anforderungen von Nutzer/innen mit unterschiedlichen Zugangsbarrieren durch Behinderungen erforscht und genau beschrieben werden.

Zum Video: Ziel des europäischen Forschungsprojekts TRIPS ist es, den öffentlichen Verkehr für Menschen mit Behinderungen zugänglicher zu machen. Hierzu wurde die Social Media Content Analysis (SMCA) gemeinsam mit Nutzenden aus sieben, am Projekt beteiligten, Städten entwickelt. Dr. Alexandra König erklärt im folgenden Video die Vorteile von SMCA für die partizipative Forschung und beschreibt einen schrittweisen Ansatz zur Durchführung einer SMCA.

  
Projektname
Laufzeit
02/2020 bis 01/2023
Projektvolumen
2.8 Mio. €
Auftraggeber
Projektbeteiligte