1. April 2015

Ein Welt­raum­ra­dar für die Or­tung von Trüm­mern im All

Start des GE­STRA-Pro­jekts im DLR Raum­fahrt­ma­na­ge­ment in Bonn
Bild 1/2, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Start des GESTRA-Projekts im DLR Raumfahrtmanagement in Bonn

Star­te­ten am 1. April 2015 das GE­STRA-Pro­jekt (von links): Prof. Alex­an­der Verl, Vor­stand der Fraun­ho­fer-Ge­sell­schaft, Prof. Dr.-Ing. Joa­chim Ender, In­sti­tuts­lei­ter des Fraun­ho­fer FHR, Dr. Gerd Grup­pe, Vor­stand des DLR Raum­fahrt­ma­na­ge­ments und Ge­ne­ral­leut­nant Joa­chim Wundrak, Kom­man­deur des Zen­trum Luf­t­ope­ra­tio­nen der Luft­waf­fe. GE­STRA ist ein ex­pe­ri­men­tel­les Welt­rau­m­über­wa­chungs­ra­dar, mit dem Bahn­da­ten von Sa­tel­li­ten und Trüm­mern im nied­ri­gen Er­dor­bit in ei­ner Hö­he zwi­schen 500 und 1200 Ki­lo­me­tern er­fasst wer­den sol­len.
Die Erde wird von rund 750.000 Objekten umgeben, die mindestens einen Zentimeter Durchmesser haben. Die meisten von ihnen sind Trümmerteile.
Welt­raum­müll
Bild 2/2, Credit: TU Braunschweig .

Weltraummüll

Die künst­le­ri­sche Dar­stel­lung zeigt die rund 750.000 Ob­jek­te mit ei­ner Grö­ße von min­des­tens ei­nem Zen­ti­me­ter Durch­mes­ser, die Si­mu­la­tio­nen zu­fol­ge durchs All flie­gen. Rund 18.000 Tei­le - vor­nehm­lich grö­ßer als zehn Zen­ti­me­ter - sind ka­ta­lo­gi­siert. Als Welt­raum­müll be­zeich­net man vom Men­schen her­ge­stell­te Ob­jek­te, die sich im Welt­raum be­fin­den und kei­ne Funk­ti­on mehr er­fül­len. Ty­pi­sche Bei­spie­le sind aus­ge­dien­te Ra­ke­ten­ober­stu­fen oder ab­ge­schal­te­te Sa­tel­li­ten, aber auch das ver­lo­re­ne Werk­zeug ei­nes Astro­nau­ten. Zah­len­mä­ßig den größ­ten Teil ma­chen Trüm­mer­tei­le aus, die ent­ste­hen, wenn Raum­fahr­zeu­ge aus­ein­an­der­bre­chen, weil bei­spiels­wei­se Treib­stoff­res­te ex­plo­die­ren, oder die durch Kol­li­sio­nen zwi­schen ver­schie­de­nen Welt­raum­müll-Tei­len im Or­bit ent­ste­hen.

DLR Raumfahrtmanagement beauftragt Fraunhofer FHR mit Entwicklung und Bau von GESTRA

Das Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat das Fraunhofer Forschungsinstitut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik (FHR) in Wachtberg mit der Entwicklung und dem Bau eines leistungsfähigen Radars zur Überwachung und Verfolgung von Objekten im erdnahen Weltraum beauftragt. "Deutschland ist eine weltweit führende Raumfahrtnation. Gesellschaft, Wirtschaft und Politik nutzen täglich und ganz selbstverständlich weltraumgestützte Dienste und Produkte von Navigationssystemen bis zu Erdbeobachtungs- und Kommunikationssatelliten. Um diese Dienste nachhaltig zu sichern, ist es auch erforderlich, die Sicherheit des Betriebs der Satelliten zu gewährleisten. Dafür müssen wir einerseits wissen, was im Weltraum passiert, und andererseits Strategien entwickeln, mit der wachsenden Anzahl von Weltraumrückständen, kurz auch Weltraummüll, umzugehen", erklärte Dr. Gerd Gruppe, Vorstand des DLR Raumfahrtmanagements, beim Start des Projekts am 1. April 2015.

GESTRA (German Experimental Space Surveillance and Tracking Radar) ist ein experimentelles Weltraumüberwachungsradar, mit dem Bahndaten von Satelliten und Trümmern im niedrigen Erdorbit in einer Höhe zwischen 500 und 1200 Kilometern erfasst werden sollen. Es wird voraussichtlich Ende 2017 die ersten Messungen vornehmen. "Weil es sich um sicherheitsrelevante Daten handelt, soll das Radar vom gemeinsamen Weltraumlagezentrum von DLR und Luftwaffe in Uedem aus betrieben werden", erläutert Dr. Gerald Braun, Leiter der Abteilung Weltraumlage im DLR Raumfahrtmanagement. GESTRA soll auch im Verbund mit anderen Großanlagen wie dem Weltraumbeobachtungsradar TI­RA oder dem Ra­dio­te­le­skop Ef­fels­berg betrieben werden, um die Expertise im sogenannten bi- und multistatischen Radarbetrieb zu erweitern. Dieser fußt auf der radargestützten Beobachtung von Objekten im Weltraum, bei der mehrere, räumlich getrennte Sende- und Empfangseinrichtungen beteiligt sind. So können gerade kleinere Objekte besser erkannt und genauer bestimmt werden.

Die Daten von GESTRA sollen Forschungseinrichtungen in Deutschland zur Verfügung gestellt werden und bilden die Grundlage für die künftige Entwicklung in der operationellen Weltraumüberwachung. "GESTRA ist damit auch ein wesentlicher Schritt zur Umsetzung der Raumfahrtstrategie des Bundes, die dem Aufbau eigener Kapazitäten zur kontinuierlichen Erfassung der Weltraumlage einen herausragenden Stellenwert auch im internationalen Kontext einräumt", betonte Gerd Gruppe, und ergänzt: "Die Fähigkeit, Weltraumobjekte kontinuierlich zu beobachten, um Kollisionen von Satelliten mit anderen Objekten zu verhindern, wird damit in Deutschland systematisch auf- und ausgebaut."

  • Weltraummüll

    Als Weltraumrückstände, Weltraummüll oder Weltraumschrott werden vom Menschen hergestellte Objekte bezeichnet, die sich im Weltraum befinden und keine Funktion mehr erfüllen. Dazu gehören zum Beispiel ausgediente Raketenoberstufen oder abgeschaltete Satelliten, aber auch das verlorene Werkzeug von Astronauten. Es gibt rund 16.000 erfasste und katalogisierte Weltraummüll-Teile, in der Regel mit einem Durchmesser von zehn Zentimetern. Die größte Ansammlung von Weltraummüll befindet sich in etwa 900 Kilometern Höhe. Hier befinden sich häufig benutzte Orbits.

  • Das Weltraumlagezentrum

    Das Weltraumlagezentrum in Uedem wurde 2011 vom DLR und der Luftwaffe gegründet, infolge einer Ressortvereinbarung zwischen dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und dem Bundesverteidigungsministerium. Zu seinen Aufgaben gehören die Warnung vor Satellitenkollisionen, die Status- und Funktionsübersichte eigener Satelliten aber auch Eintrittswarnungen bei in die Atmosphäre eintretenden Weltraumrückständen oder Satelliten und die Beobachtung des Weltraumwetters.

Kontakt
  • Elisabeth Mittelbach
    Kom­mu­ni­ka­ti­on
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    Raum­fahrt­ma­na­ge­ment, Stra­te­gie und Kom­mu­ni­ka­ti­on
    Telefon: +49 228 447-385
    Königswinterer Str. 522-524
    53227 Bonn
    Kontaktieren
  • Dr. Gerald Braun

    Raum­fahrt­ma­na­ge­ment, Welt­raum­la­ge
    Telefon: +49 228 447-246
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