30. April 2015

Up­da­te: DLR be­rech­net die Ver­schie­bun­gen durch das Erd­be­ben in Ne­pal aus Sa­tel­li­ten­da­ten

DLR be­rech­net die Ver­schie­bun­gen durch das Erd­be­ben aus Sa­tel­li­ten­da­ten
Bild 1/3, Credit: DLR (CC-BY 3.0).

DLR berechnet die Verschiebungen durch das Erdbeben aus Satellitendaten

Das Bild zeigt die Ver­än­de­run­gen zwi­schen den Auf­nah­men in Hö­he und La­ge in Blick­rich­tung des Sa­tel­li­ten. Span­nun­gen zwi­schen der in­di­schen und eu­ra­si­schen Plat­te wur­den durch das Be­ben ge­löst und er­zeug­ten ruck­ar­ti­ge Bo­den­be­we­gun­gen. Die ent­stan­de­nen De­for­ma­tio­nen sind far­big ko­diert. Na­he der Plat­ten­gren­ze be­weg­te sich der Erd­bo­den auf den Sa­tel­li­ten zu, das heißt nach oben (blau­er Be­reich), wei­ter nörd­lich da­von gab es da­mit zu­sam­men­hän­gen­de Ab­sen­kun­gen (rot-gelb), ei­ne Ge­gen­be­we­gung, wie sie oft bei Be­ben an Sub­duk­ti­ons­zo­nen auf­tritt. Wei­ter­hin stell­ten Wis­sen­schaft­ler des DLR ei­ne ho­ri­zon­ta­le Be­we­gung des Ge­bie­tes von bis zu 2 Me­tern in Nord-Süd-Rich­tung fest. In dem Bild ist wei­ter­hin die La­ge der zahl­rei­chen Be­ben der ver­gan­ge­nen Ta­ge ge­kenn­zeich­net.
Kath­man­dus Nor­den: Hoch­auf­lö­sen­de Dar­stel­lung
Bild 2/3, Credit: DLR (CC-BY 3.0).

Kathmandus Norden: Hochauflösende Darstellung

Das Bild zeigt den Nor­den Kath­man­dus vor dem Be­ben, die Auf­nah­me ist vom 26. Ja­nu­ar und hat ei­ne Auf­lö­sung von 10 cm pro Pi­xel. Die Kar­te wur­de mit dem mo­du­la­ren Luft­bild­ka­me­ra­sys­tem MACS (Mo­du­lar Air­bor­ne Ca­me­ra Sys­tem) auf­ge­nom­men und dient den Hilfs­kräf­ten als Re­fe­renz­kar­te. Die kom­plet­te Da­tei samt Le­gen­de ist un­ter "Dow­n­load" ver­füg­bar.
Süd­li­cher Teil von Kath­man­du
Bild 3/3, Credit: DLR (CC-BY 3.0).

Südlicher Teil von Kathmandu

Das Bild zeigt den süd­li­chen Teil des his­to­ri­schen Kath­man­du. Die Auf­nah­me ist eben­falls am 26. Ja­nu­ar im Rah­men des Pro­jekts „Moun­tain Wa­ve“ ent­stan­den und dient nun als Re­fe­renz­kar­te für Hilfs­kräf­te vor Ort. Die kom­plet­te Da­tei samt Le­gen­de ist un­ter "Dow­n­load" ver­füg­bar.

Update: Das Earth Observation Center (EOC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) konnte mit Hilfe der von ESA-Radarsatellit Sentinel-1 aufgenommenen Daten der Erdbebenregion in Nepal eine neue Gebietskarte erstellen und die Verschiebungen durch das Beben berechnen. Die Daten wurden am EOC zu einem Interferogramm verarbeitet, das die Oberflächenverschiebungen zeigt, die durch das schwere Erdbeben vom 25. April 2015 verursacht wurden. Dabei ist eine über 90 Kilometer lange und 30 Kilometer breite Fläche rund um Kathmandu betroffen. Durch das Beben wurden Spannungen zwischen der indischen und eurasischen Platte gelöst und erzeugten so ruckartige Bodenbewegungen im Bereich von mehreren Metern. In der erstellten Karte sind die Deformationen farbig kodiert: Nahe der Plattengrenze bewegte sich der Erdboden auf den Satelliten zu, das heißt nach oben (blauer Bereich), weiter nördlich davon gab es damit zusammenhängende Absenkungen (gelb), eine Gegenbewegung, wie sie oft bei Beben an Subduktionszonen auftreten. Weiterhin stellten Wissenschaftler eine horizontale Bewegung des Gebietes von bis zu zwei Metern in Nord-Süd-Richtung fest. In dem Bild ist weiterhin die Lage der zahlreichen Beben der vergangenen Tage gekennzeichnet. Die Wissenschaftler am EOC verglichen zur Berechnung Archivaufnahmen des Gebiets mit aktuellen Radarbildern von Sentinel-1.

Das Zen­trum für Sa­tel­li­ten­ge­stütz­te Kri­sen­in­for­ma­ti­on (ZKI) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) stellte zudem den Hilfsorganisationen in Nepal bereits am Montag Referenzkarten der Region Kathmandu zur Verfügung. Diese stammen von hochauflösenden Luftbilddaten des DLR-In­sti­tut für Op­ti­sche Sen­sor­sys­te­me. Unterdessen hat die In­ter­na­tio­na­le Ka­ta­stro­phen­char­ta ("Space and Major Disasters") Satellitenaufnahmen in Auftrag gegeben, um schnellstmöglich aktuelle Übersichtsbilder zur Verfügung zu stellen und eine Schadensanalyse zu ermöglichen.

Die hochaufgelösten Daten von Luft­bil­der aus Hi­ma­la­ya-Ver­mes­sung des DLR hel­fen nach der Erd­be­ben­ka­ta­stro­phe und konnten nun vom ZKI als Referenzkarte an die Helfer vor Ort weitergegeben werden. Dadurch haben Organisationen wie THW oder DRK einen Lageplan, der die Infrastruktur vor dem Beben zeigt. So können beispielsweise Zugangswege identifiziert, Landeplätze für Helikopter ausfindig gemacht und die Hauptkrisengebiete bestimmt werden. Auch zur Orientierung im Feld sind solche Karten hilfreich, da sie ein sehr detailliertes Bild der Stadt vor dem Beben wiedergeben. Die Aufnahmen entstanden im Rahmen des Projekts Moun­tain Wa­ve Pro­ject, in dem das DLR-Institut für Optische Sensorsysteme das modulare Luftbildkamerasystem MACS (Modular Airborne Camera System) im Himalaya und über dem historischen Teil von Kathmandu testete.

Hintergrund

Am 25. April erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7.8 die Himalaya-Region, das Epizentrum befindet sich zwischen der Hauptstadt Kathmandu und Pokhara. Die ersten Rettungskräfte sind bereits vor Ort, allerdings wird die Hilfe durch die starken Schäden an Verkehrswegen. Stromversorgung und Kommunikation sowie den noch andauernden Nachbeben erschwert. Das komplette Ausmaß des Bebens ist bisher nicht bekannt. Das ZKI arbeitet weiterhin mit Hochdruck daran, weiteres Kartenmaterial zu erarbeiten, das auch abgeschiedene Gebiete abbildet.

Über das ZKI

Das Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) ist ein Service des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums (DFD) im DLR. Seine Aufgabe ist die Bereitstellung eines 24/7 Service für die schnelle Beschaffung, Aufbereitung und Analyse von Satellitendaten bei Natur- und Umweltkatastrophen, für humanitäre Hilfsaktivitäten und für die zivile Sicherheit weltweit. Die Produkte werden nach den spezifischen Bedürfnissen für nationale und internationale politische Entscheidungsträger, Lagezentren sowie Hilfsorganisationen erstellt und auch der Öffentlichkeit frei zugänglich gemacht.

Über die Internationale Katastrophencharta

Die internationale Charta "Space and Major Disasters" ist ein internationaler Verbund von Raumfahrtagenturen, der 1999 von der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der französischen Raumfahrtagentur CNES gegründet wurde. Der Verbund stellt nationalen Katastrophenschutzbehörden und Hilfsorganisationen bei Naturkatastrophen oder technischen Großunfällen Daten von Erdbeobachtungssatelliten schnell und unbürokratisch zur Verfügung.

Bilder zum Thema
Neueste Nachrichten

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: Datenschutz

Hauptmenü