19. Dezember 2017

Fi­re­BIRD be­ob­ach­tet Wald­brän­de in Ka­li­for­ni­en

Wald­brän­de in Ka­li­for­ni­en: In­fra­rot-Auf­nah­men der ame­ri­ka­ni­schen Pa­zi­fik­küs­te
Bild 1/3, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Waldbrände in Kalifornien: Infrarot-Aufnahmen der amerikanischen Pazifikküste

Der Sa­tel­lit TET-1 (Tech­no­lo­gie­er­pro­bungs­trä­ger) des Deut­schen Zen­trums für Luft- und Raum­fahrt (DLR) be­ob­ach­te­te an meh­re­ren Ta­gen die Ent­wick­lung ei­nes großen Brand­herds in der Nä­he der Stadt Ven­tu­ra, nörd­lich von Los An­ge­les. Die größ­te zu­sam­men­hän­gen­de Feu­er­flä­che mit ei­ner Strah­lungs­ener­gie von 18 Me­ga­watt wur­de am 10. De­zem­ber er­fasst. Für die Auf­nah­me vom 15. De­zem­ber be­rech­ne­ten die Wis­sen­schaft­ler für ein­zel­ne Flä­chen ei­ne Strah­lungs­ener­gie von 11 Me­ga­watt. TET-1 ist zu­sam­men mit dem Sa­tel­li­ten BI­ROS Teil der Fi­re­BIRD Missi­on des DLR, die Hochtem­pe­ra­tur­er­eig­nis­se wie Wald­brän­de vom All aus de­tek­tiert.
Die Über­sichts­kar­te des ZKI
Bild 2/3, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

Die Übersichtskarte des ZKI

Zu den Wald­brän­den in Ka­li­for­ni­en er­stell­te das Zen­trum für Sa­tel­li­ten­ge­stütz­te Kri­sen­in­for­ma­ti­on (ZKI) des DLR ei­ne Über­sichts­kar­te.
FireBIRD zur Waldbrandfrüherkennung
Fi­re­BIRD zur Wald­brand­früh­er­ken­nung
Bild 3/3, Credit: DLR (CC-BY 3.0)

FireBIRD zur Waldbrandfrüherkennung

Die Klein­sa­tel­li­ten BI­ROS (Bispec­tral In­fra­Red Op­ti­cal Sys­tem) und TET-1 (Tech­no­lo­gie-Er­pro­bungs­trä­ger) bil­den in der Missi­on Fi­re­BIRD (Fi­re Bispec­tral In­fra­Red De­tec­tor) ein hoch­ef­fi­zi­en­tes Tan­dem zur Wald­brand­früh­er­ken­nung. Mit ih­rem neu­ar­ti­gen In­fra­rot-Sen­sor­sys­tem las­sen sich die Aus­brei­tung und Hit­ze­ent­wick­lung von Feu­ern sehr ge­nau mes­sen.
  • Der Satellit TET-1 hat über mehrere Tage einen Brandherd an der amerikanischen Pazifikküste aufgenommen.
  • Die präzisen Sensorsysteme der Satellitenmission FireBIRD ermöglichen es, die Ausbreitung und die Strahlungsenergie des Feuers genau zu messen.
  • Schwerpunkt(e): Erdbeobachtung, Feuerfernerkundung, Klimaschutz

Noch immer kämpfen Einsatzkräfte im amerikanischen Bundesstaat Kalifornien gegen heftige Waldbrände. Große Trockenheit und starke Winde haben dafür gesorgt, dass sich die Feuer immer weiter ausbreiten konnten. Die Mission FireBIRD (Fire Bispectral InfraRed Detector) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) besteht aus dem Satellitenduo TET-1 (Technologie-Erprobungsträger) und BIROS (Bi-Spektral Infrared Optical System). Sie detektieren Hochtemperaturereignisse vom All aus. Am Sonntag den 10. Dezember erfasste TET-1 einen großen Brandherd in der Nähe der Stadt Ventura, nördlich von Los Angeles, an der amerikanischen Pazifikküste. In den folgenden Tagen konnten weitere Daten aufgenommen werden. "Mit den präzisen Systemen von FireBIRD können wir auftretende Veränderungen der Brände genau erkennen", sagt Winfried Halle, Projektleiter von FireBIRD vom DLR-Institut für Optische Sensorsysteme und ergänzt: "Dies kann helfen, das Verhalten und die Entwicklung von Großbränden in Zukunft besser vorauszusagen."

Feuer mit enormer Energiemenge

Schon nach der Analyse der ersten Aufnahme erkannten die DLR-Forscher, dass das Feuer in den zentralen Brandflächen wesentlich intensiver brannte und damit im Vergleich größere Energiemengen ausstrahlte, als dies bei den größeren Waldbränden in Chile, Por­tu­gal und British Columbia in 2016 und 2017 der Fall war. Die Wissenschaftler berechneten für einzelne Bereiche innerhalb der großen Feuerfläche in Kalifornien eine Strahlungsenergie des Feuers von bis zu 18 Megawatt. Die Strahlungsenergie der zuvor genannten Brände war nur etwa halb so groß.

Die Daten zeigten, dass sich im Laufe der Woche die einzelnen Feuerflächen in ihrer Intensität und in ihrer räumlichen Ausbreitung stark veränderten. Die größte zusammenhängende Feuerfläche wurde am 10. Dezember erfasst, die größte Anzahl an einzelnen, intensiven Feuern am 12. Dezember. In den folgenden Tagen nahmen die intensiven Flächen ab. Allerdings flammen kleinere Feuer an weiteren Orten immer wieder auf. Die Aufnahmen zeigten, dass die Brände zusammen eine große Fläche verwüsteten, was die Löscharbeiten vor Ort erschwerte. "Es gibt in Europa keine vergleichbare Satellitenmission, die in der Lage ist, die Strahlungsenergie von Bränden so präzise zu messen", bemerkt Halle.

Bei großen Feuerereignissen, wie beispielweise den Waldbränden in Chile im Januar dieses Jahres, stellt das Zentrum für Satellitengestützte Kriseninformation (Zen­trum für sa­tel­li­ten­ge­stütz­te Kri­sen­in­for­ma­ti­on (ZKI)) des DLR die Daten von FireBIRD den lokalen Behörden zur Verfügung. Das ZKI bereitet in Krisensituationen die relevanten Satellitendaten so auf, dass sie von Lagezentren, Behörden, Hilfsorganisationen oder politischen Entscheidungsträgern optimal genutzt werden können. Zu den Waldbränden in Kalifornien wurde vom ZKI mit den FireBIRD-Daten eine Über­sichts­kar­te erstellt.

Die Mission FireBIRD

Die DLR FireBIRD-Mission besteht aus den zwei Satelliten TET-1 und BIROS (Bispectral Infrared Optical System). Beide basieren auf dem vom DLR-Institut für Optische Sensorsysteme entwickelten Kleinsatelliten BIRD (operationell betrieben von 2001 bis 2004) und sind mit einem ähnlichen Infrarot-Kamerasystem an Bord ausgestattet. Bereits seit 2012 umkreist TET-1 die Erde auf der Suche nach Feuern und anderen Hochtemperaturereignissen. Seit 2016 ist TETs "Bruder", der in Berlin Adlershof gebaute Kleinsatellit BIROS, ebenfalls im All, um in einer offenen Konstellation mit TET-1 dessen wichtige Mission zu unterstützen.

Die Daten werden hauptsächlich von den Bodenstationen des DLR in Neustrelitz empfangen und im Deutschen Fernerkundungsdatenzentrum des DLR verarbeitet, archiviert und einer weltweiten wissenschaftlichen Nutzung zugänglich gemacht. Die FireBIRD-Satelliten werden durch das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) der DLR-Einrichtung Raumflugbetrieb in Oberpfaffenhofen betrieben und kontrolliert.

FireBIRD ist im Gegensatz zu aktuellen anderen Satellitensystemen in der Lage, insbesondere auch kleinere Feuer zu erkennen. Damit können diese genauer erfasst und somit auch ihr Einfluss auf das Klima besser untersucht werden. Eine genaue Erfassung von Waldbränden und Buschfeuern ist nicht zuletzt aufgrund der wirtschaftlichen Schäden hoch relevant.

Kontakt
  • Julia Heil
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    Po­li­tik­be­zie­hun­gen und Kom­mu­ni­ka­ti­on
    Telefon: +49 2203 601-5263
    Linder Höhe
    51147 Köln
    Kontaktieren
  • Dr. Christian Fischer

    In­sti­tut für Op­ti­sche Sen­sor­sys­te­me
    Telefon: +49 30 67055-9612
    Kontaktieren
  • Dr. Monika Gähler
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    Deut­sches Fer­ner­kun­dungs­da­ten­zen­trum
    Zen­trum für sa­tel­li­ten­ge­stütz­te Kri­sen­in­for­ma­ti­on (ZKI)
    Telefon: +49 8153 28-3309
    Münchener Straße 20
    82234 Weßling
    Kontaktieren
Bilder zum Thema
Neueste Nachrichten

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Weitere Informationen zum Datenschutz erhalten Sie über den folgenden Link: Datenschutz

Hauptmenü