7. November 2019

50 Jahre Satellitennation Deutschland: Start des ersten Forschungssatelliten AZUR

Start des ersten deutschen Forschungssatelliten AZUR / GRS A (German Research Satellite) auf einer Scout-Trägerrakete am 08.11.1969
Start des ersten deutschen Forschungssatelliten AZUR
Bild 1/5, Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

Start des ersten deutschen Forschungssatelliten AZUR

Start des ersten deutschen Forschungssatelliten AZUR / GRS A (German Research Satellite) auf einer Scout-Trägerrakete am 08.11.1969.

AZUR-Kontrollraum
Kontrollraum: AZUR-Mission 1969
Bild 2/5, Quelle: DLR.

Kontrollraum: AZUR-Mission 1969

AZUR war der erste deutsche Forschungssatellit. Die Mission wurde in Zusammenarbeit mit den USA durchgeführt. Ziele waren unter anderem die Untersuchung des inneren Strahlungsgürtels der Erde und der Polarlichtzonen der nördlichen Hemisphäre. Das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) betreute den Missionsbetrieb und den Netzwerkbetrieb.

AZUR in einer EMI-Kammer
AZUR in einer EMI-Kammer
Bild 3/5, Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

AZUR in einer EMI-Kammer

Der erste deutsche Forschungssatellit AZUR in einer EMI-Kammer (elektromagnetische Interferenz Kammer).

Der erste deutsche Forschungssatellit AZUR
Der erste deutsche Forschungssatellit AZUR
Bild 4/5, Quelle: DLR

Der erste deutsche Forschungssatellit AZUR

Der erste deutsche Forschungssatellit AZUR / GRS A (German Research Satellite) im Integrationsraum.

AZUR-Empfangsantenne in Finnland: Kreuz-Dipol-Backfire-Antenne im VHF-Bereich (very high frequency).
AZUR-Empfangsantenne in Finnland: Kreuz-Dipol-Backfire-Antenne im VHF-Bereich (very high frequency).
Bild 5/5, Quelle: DLR (CC-BY 3.0)

AZUR-Empfangsantenne in Finnland: Kreuz-Dipol-Backfire-Antenne im VHF-Bereich (very high frequency).

AZUR-Empfangsantenne in Finnland: Kreuz-Dipol-Backfire-Antenne im VHF-Bereich (very high frequency).

  • Am 8. November 1969 startete der erste deutsche Satellit AZUR
  • Das DLR - damals DFVLR - übernahm den Satellitenbetrieb in dem eigens dafür eingerichteten Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum.
  • Mit der Mission reihte sich die Bundesrepublik in die Satellitennationen der Welt ein.

Vor fünfzig Jahren, am 8. November 1969, startete der erste deutsche Satellit AZUR an Bord einer amerikanischen Scout-Rakete aus Vandenberg, Kalifornien. Das eigens in Oberpfaffenhofen errichtete Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC, German Space Operations Center) übernahm eine Woche später die Betriebsverantwortung von AZUR. Damit stieg die Bundesrepublik Deutschland in die Riege der Nationen auf, die über einen Satelliten verfügten wie bereits die USA, die Sowjetunion, Großbritannien, Italien, Frankreich, Kanada, Japan und Australien.

Die Mission AZUR – auch als GRS A oder GRS 1 für German Research Satellite bekannt – wurde von der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und Raumfahrt (DFVLR), dem heutigen Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), in Kooperation mit der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA durchgeführt.

"Rund um AZUR herrschte eine unglaublich enthusiastische Stimmung. Es war ein Abenteuer, das wir alle zum Erfolg bringen wollten – und wir haben es geschafft. Wir konnten zeigen, dass auch Deutschland zu einer Satellitenmission fähig ist", erinnert sich Zeitzeuge und ehemaliger DLR-Mitarbeiter Dieter Sundermann. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter war er für den Aufbau, Test und die Inbetriebnahme der Polaren Deutschen Bodenstation von AZUR zuständig. Die Zentralstation des Deutschen Bodenstationsystems (ZDBS) war in Lichtenau beheimatet, dem heutigen DLR-Standort Weilheim.

Der Forschungssatellit sollte den Wissenschaftlern die Möglichkeit geben, die Naturvorgänge auf der Erde sowie in der Umgebung unseres Planeten besser zu untersuchen und zu verstehen. Insgesamt wurden sieben Experimente ausgewählt, um die kosmische Strahlung, den Sonnenwind und deren Wechselwirkung mit der Magnetosphäre, sowie die Polarlichter zu untersuchen. Ebenso war es Ziel der Mission, die notwendigen technischen Fähigkeiten in Deutschland auszubauen, um an weiteren nationalen und internationalen Weltraumvorhaben teilzunehmen.

Die Kosten trugen die Partner gemeinsam: Das Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung beauftragte die Gesellschaft für Weltraumforschung (GfW) in Bonn mit der Projektleitung von AZUR. Industrieller Hauptauftragnehmer und Systemführer war die Firma Messerschmitt-Bölkow-Blohm GmbH (heute Airbus Defence & Space). Die Gesamtkosten für die Entwicklung des Satelliten, den Betrieb und das zugehörige Bodensystem beliefen sich auf rund 80 Millionen Deutsche Mark. Der Partner USA trug die Kosten für die Trägerrakete, den Start sowie die NASA-Bodenstationen, die bis zur Übernahme durch das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum (GSOC) die frühe Phase der Mission überwachten.

Rückschläge und Erfolge

Der Erdtrabant war für eine Lebenszeit von einem Jahr ausgerichtet. Die wissenschaftliche Zielsetzung des Projekts stellte erhebliche Anforderungen an die elektronische Ausstattung des Satelliten. Die Mission war technisch hochkomplex und erwies sich auch in der Durchführung als anspruchsvoll. Fünf Wochen nach Start fiel das Magnetband-Speichergerät aus, so dass die Messwerte und Kontrolldaten vorerst nur als Echtzeit-Informationen übertragen wurden. Durch die zahlreichen kleinen Bodenstationen konnten dennoch rund 80 Prozent der Daten empfangen werden. Am 29. Juni 1970 brach die Verbindung zu AZUR aus ungeklärten Gründen ab. Mit einer Betriebszeit von rund acht Monaten wurde der erste deutsche Satellit zwar nicht allen Erwartungen gerecht, dennoch werteten Politik, Forschung und Industrie die Durchführung des ersten deutschen Langzeitunternehmens im All als großen Erfolg.

Die aus der Mission gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse waren wesentlich für die weitere Entwicklung Deutschlands als Raumfahrtnation: AZUR eröffnete der Wissenschaft in Deutschland neue Horizonte und schuf neue Wege in der Weltraumforschung. Auch die deutsche Industrie konnte erstmals an einem nationalen Raumfahrtprojekt mitwirken und ihr Know-how im Management von Weltraummissionen weiter ausbauen. AZUR bildete außerdem den Grundstein für eine bis heute anhaltenden Zusammenarbeit zwischen der deutschen und amerikanischen Weltraumforschung. Die USA schätzten die Zuverlässigkeit der bundesdeutschen Industrie und die wissenschaftliche Exzellenz der deutschen Forschungslandschaft. Sie nutzten die Zusammenarbeit ferner dazu, ihr positives, offenes Image auszubauen und sich damit in Zeiten des Kalten Krieges klar von der Sowjetunion abzugrenzen.

Als hochkomplexe Mission hat AZUR die beteiligten Forschungseinrichtungen und Unternehmen immer wieder bis an die Grenzen gefordert – und somit solide für künftige Aufgaben vorbereitet. In den folgenden Jahrzehnten erarbeitete sich Deutschland einen Spitzenplatz in der Raumfahrt. Entsprechend ist das Deutsche Raumfahrtkontrollzentrum GSOC in Oberpfaffenhofen heute auch die zentrale Einrichtung für den Betrieb von nationalen und internationalen Raumfahrtmissionen und kann auf über 70 Missionen seit dem AZUR-Start zurückblicken.

Kerndaten AZUR

Start:8. November 1969
Startbasis:Vandenberg (USA)
Träger:Scout-B
Masse:72 Kilogramm
Experimente:7
Orbit-Neigung:103 Grad gegen den Äquator (fast polar)
Orbit-Höhezwischen 380 und 3.150 Kilometer
Missionsende:29. Juni 1970
Kosten:80 Millionen DM (deutscher Anteil; ca. 41 Mio. Euro)
Kontakt
  • Bernadette Jung
    Kommunikation Oberpfaffenhofen, Weilheim, Augsburg
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

    Politikbeziehungen und Kommunikation
    Telefon: +49 8153 28-2251
    Telefax: +49 8153 28-1243
    Münchener Straße  20
    82234 Weßling
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  • Prof. Dr. Felix Huber
    Direktor
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
    Raumflugbetrieb und Astronautentraining
    Telefon: +49 8153 28-2701
    Münchener Straße  20
    82234  Weßling
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  • Dr.-Ing. Christian Gritzner
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

    Raumfahrtmanagement, Extraterrestrik
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