10. Juni 2021
DLR-Empfangsantenne im kanadischen Inuvik ist seit 2010 in Betrieb

Sta­ti­on zählt mehr als 30.000 Sa­tel­li­ten-Pas­sa­gen in elf Jah­ren

Inuvik Satellite Station Facility (ISSF)
In­u­vik Sa­tel­li­te Sta­ti­on Fa­ci­li­ty (ISSF)
Bild 1/2, Credit: DLR (CC BY-NC-ND 3.0)

Inuvik Satellite Station Facility (ISSF)

Die Sa­tel­li­ten­bo­den­sta­tio­nen der In­u­vik Sa­tel­li­te Sta­ti­on Fa­ci­li­ty sind seit Ju­ni 2019 mit Wer­ken re­gio­na­ler Künst­ler ge­schmückt. Die Kunst­wer­ke sym­bo­li­sie­ren be­deu­ten­de As­pek­te der tra­di­tio­nel­len Le­bens­wei­se der in­di­ge­nen Be­völ­ke­rungs­grup­pen von In­u­vik. Das Bild auf der DLR-An­ten­ne stammt von Ron­nie Si­mon vom Volk der Gwich'in.
Ein besonderer Platz in der Arktis
Ein be­son­de­rer Platz in der Ark­tis
Bild 2/2, Credit: DLR (CC BY-NC-ND 3.0)

Ein besonderer Platz in der Arktis

In­u­vik liegt auf dem 68. Brei­ten- und dem 133. Län­gen­grad in Ka­na­da und ist ganz­jäh­rig per Stra­ße über den Demps­ter Highway oder mit re­gio­na­len Flug­li­ni­en er­reich­bar. „In­u­vik“ be­deu­tet in der Spra­che Inuk­ti­tut so viel wie „Ort der Men­schen“. Die Stadt wur­de 1953 als lo­gis­ti­sches Zen­trum im Nor­den der Nord­west-Ter­ri­to­ri­en ge­grün­det und hieß zu­nächst New Akla­vik. 1958 wur­de sie in In­u­vik um­be­nannt. 60 Pro­zent der Men­schen, die dort le­ben, ha­ben ei­ne eu­ro­päi­sche Her­kunft, 25 Pro­zent der Ein­woh­ner zäh­len zu den Inuit und 15 Pro­zent zu den Métis (Stand 2018). Ne­ben Eng­lisch wer­den hier vor al­lem die ein­hei­mi­schen Spra­chen Inuk­ti­tut und Gwich‘in ge­spro­chen.
  • DLR und internationale Partner feiern elfjähriges Bestehen der Satelliten-Empfangsanlage in Kanada.
  • TanDEM-X-Satelliten überfliegen alle 90 Minuten die Polarregionen und übermitteln ihre Daten.
  • Auch Copernicus-Satelliten sind in Kontakt mit der Bodenstation in Inuvik.
  • Schwerpunkte: Raumfahrt, Erdbeobachtung, Satelliten

Vor elf Jahren hat die Antenne des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Inuvik ihren Betrieb aufgenommen: Für den Empfang der TanDEM-X-Satellitendaten war eine polnahe Station notwendig – diese wurde in den Nordwest-Territorien in Kanada aufgebaut. Gemeinsam mit dem Canada Centre for Mapping and Earth Observation (Kanadisches Zentrum für Kartierung und Erdbeobachtung, CCMEO) und der Canadian Space Agency (CSA) hat das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) den Jahrestag am 10. Juni 2021 gefeiert. Wegen der Corona-Situation konnte die Veranstaltung nicht, wie ursprünglich geplant, zum zehnjährigen Bestehen stattfinden. Die Feier mit internationalen Partnern wurde nun virtuell durchgeführt.

Die Satellitenstation in Inuvik ergänzt unter anderem die DLR-Zentralstation in Neustrelitz sowie die antarktische O’Higgins-Station. Erdbeobachtungssatelliten wie das Satelliten-Duo TanDEM-X umkreisen den Globus auf polaren Umlaufbahnen. Die Erde dreht sich unter der Satellitenbahn hindurch. So erfasst der Satellit nach einigen Umläufen die gesamte Erde. Bei jeder dieser etwa 90-minütigen Runden überquert der Satellit jeweils das Nord- und das Südpolargebiet: Deswegen gibt es hier gute Voraussetzungen, möglichst oft und schnell die aufgenommenen Daten abzurufen oder dem Satelliten neue Kommandos zu senden. Die Daten und Kommandos sind auf besonderen Frequenzen im Mikrowellenbereich unterwegs. Sie werden am Boden mit großen, beweglichen Parabol-Antennen empfangen.

Im Jahr 2009 konnte das DLR mit dem Bau einer ersten 13 Meter großen Antenne auf der Inuvik Satellite Station Facility (ISSF) beginnen. Die CSA und das CCMEO unterstützten das Vorhaben. Nach dem DLR errichtete die Swedish Space Corporation (SSC) ebenfalls eine Antenne. Das CCMEO betreibt die ISSF und stellte dort in den Folgejahren auch eigene Systeme für Erdbeobachtungsmissionen auf.

Langjährige Kooperation der internationalen Partner gewürdigt

Prof. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorsitzende des DLR-Vorstands, ging bei der Feier auf die langjährige Zusammenarbeit ein: „Unser Erfolg wäre ohne unsere internationalen Partner nicht möglich. Ich schätze die Zusammenarbeit mit unseren Partnern aus Schweden und Kanada sehr.“ Die Antenne des DLR in Inuvik hat mittlerweile mehr als 30.000 Passagen der TanDEM-X Satelliten aufgezeichnet. Seit 2018 empfängt sie darüber hinaus Daten des Sentinel-5P Satelliten für das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus. Auch für neue, kommerzielle Satellitenkonstellationen sind die Lage von Inuvik und die Möglichkeiten der ISSF interessant.

„Die Station hat sich zu einem wichtigen internationalen Zentrum für die Erdbeobachtung entwickelt, das Deutschland als erstes Mitglied begrüßen konnte", sagte Luc Brûlé, CSA-Vizepräsident für Wissenschaft und Technologie. „Dieser Meilenstein markierte ein neues Kapitel in der engen Partnerschaft zwischen Kanada und Deutschland im Bereich der Weltraumaktivitäten.“

Prof. Hansjörg Dittus, DLR-Vorstandsmitglied für Raumfahrtforschung und -technologie, erklärte: „Ich möchte die außerordentlich gute und vor allem langjährige Kooperation mit der CSA sowie den nationalen kanadischen Einrichtungen (NRCan, CCMEO, NRC) und der kanadischen Raumfahrtindustrie hervorheben. Diese wurde zur Basis bezüglich Zugang und Betrieb der Antennen in Inuvik. Die nun elf Jahre in Betrieb sind uns eine große Verpflichtung, die erfolgreiche Zusammenarbeit fortzusetzen.“

CCMEO-Direktor Eric Loubier ging auf die jahrzehntelange Verbindung zwischen NRCan und DLR ein und zeigte sich optimistisch für die Zukunft. DFD-Direktor Prof. Dr. Stefan Dech erwähnte die logistischen Herausforderungen, die beim Bau und beim Betrieb von Bodenstationen bestehen. Das DLR gründete schon 1991 die Station GARS (German Antarctic Receiving Station) O'Higgins. Sie befindet sich am Nordzipfel der antarktischen Halbinsel und ist heute noch in Betrieb. „Nachdem wir in Inuvik in der kanadischen Arktis eine zweite polare Station errichten konnten, haben wir unsere technologischen Fähigkeiten in beiden Pol-Regionen zum Nutzen der Erdbeobachtung immer weiter ausgebaut“, betonte Prof. Stefan Dech.

Im Rahmen der virtuellen Veranstaltung wurde auch das 50-jährige Bestehen der kanadisch-deutschen wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit noch einmal gewürdigt.

Der Antennenstandort Inuvik

Die Bodenstation Inuvik liegt weit im Norden und bietet eine stabile Logistik. Die Stadt wurde 1953 als Zentrum im Norden der Nordwest-Territorien gegründet. Sie ist per Straße und über regionale Fluglinien ganzjährig erreichbar. Seit 2017 beschleunigt eine Glasfaserverbindung die Übermittlung der empfangenen Daten in alle Welt. Dieses Glasfaserkabel, der Mackenzie Valley Fibre Link, durchquert 1154 Kilometer kanadischer Tundra.

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