31. August 2021
Neue, flexible Testinfrastruktur für Raumfahrtantriebe

DLR Lam­polds­hau­sen macht Prüf­stand P5 fit für Tech­no­lo­gi­en der Zu­kunft

Mehr zu:
Raumfahrt
Methan-Tank schwebt über dem DLR-Standort Lampoldshausen
Me­than-Tank schwebt über dem DLR-Stand­ort Lam­polds­hau­sen
Bild 1/3, Credit: DLR (CC BY-NC-ND 3.0)

Methan-Tank schwebt über dem DLR-Standort Lampoldshausen

Ein Spe­zi­al­kran hob den Me­than-Tank in sei­ne fi­na­le Po­si­ti­on am ESA-Groß­prüf­stand P5. Der Tank ist 20 Me­ter hoch, hat ei­nen Durch­mes­ser von 4,6 Me­tern und fasst rund 208 Ku­bik­me­ter flüs­si­ges Me­than.
Einbau des Methan-Tanks in den ESA-Prüfstand P5
Ein­bau des Me­than-Tanks in den ESA-Prüf­stand P5
Bild 2/3, Credit: DLR (CC BY-NC-ND 3.0)

Einbau des Methan-Tanks in den ESA-Prüfstand P5

Die neue Prüf­stand­ge­ne­ra­ti­on beim DLR Lam­polds­hau­sen nimmt wei­ter Ge­stalt an: Im Au­gust 2021 wur­de der Me­than-Tank in sei­ne fi­na­le Po­si­ti­on ge­bracht. Am ESA-Groß­prüf­stand P5 sind da­mit ab Mit­te 2022 auch Tests von Ra­ke­ten­an­trie­ben mit der Treib­stoff­kom­bi­na­ti­on von flüs­si­gem Sau­er­stoff und Me­than mög­lich.
Me­than-Tank er­wei­tert Tes­tin­fra­struk­tur beim DLR Lam­polds­hau­sen
Video 3/3, Credit: DLR (CC BY-NC-ND 3.0)

Methan-Tank erweitert Testinfrastruktur beim DLR Lampoldshausen

Länge: 00:00:57
Mit den um­fas­sen­den Bau­maß­nah­men am ESA-Prüf­stand P5 schafft das DLR in Lam­polds­hau­sen ei­ne neue Test­mög­lich­keit für neue Trieb­werks­ge­ne­ra­tio­nen.
  • Mit Umbau und Erweiterung des ESA-Großprüfstands P5 stärkt und modernisiert das DLR seine Testinfrastruktur am Standort Lampoldshausen.
  • Der Einbau eines Methan-Tanks ist dabei ein wichtiger Meilenstein.
  • Damit sind in Zukunft auch Tests von Raketenantrieben mit der Treibstoffkombination von flüssigem Sauerstoff und Methan möglich.
  • Die Inbetriebnahme des umgebauten ESA-Prüfstands P5 ist für 2022 vorgesehen.
  • Schwerpunkte: Raumfahrt, Raketenantriebe, Technologieentwicklung

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) macht einen zentralen Baustein seiner umfangreichen Testinfrastruktur fit für die Zukunft: Es erweitert den ESA-Großprüfstand P5 am DLR-Standort Lampoldshausen. So kann auch die nächste Generation von Raumfahrtantrieben flexibel und zuverlässig getestet werden.

Das 65 Meter hohe Gebäude des ESA-Prüfstands P5 ragt über dem DLR-Standort. In seinem Inneren steckt seit seiner Inbetriebnahme im Jahr 1990 einzigartige Hightech. Seine Meriten hat er längst verdient und bei der Entwicklung der Vulcain-Triebwerke für die europäische Trägerraketen Ariane 5 und 6 eine zentrale Rolle gespielt. Erst vor kurzem haben die Ingenieurinnen und Ingenieure des DLR mit seiner Hilfe das weiterentwickelte Hauptstufentriebwerk Vulcain 2.1 der Ariane 6 für den Flug qualifiziert.

Bereit für neue Treibstoffkombinationen – auch mit Methan

Prometheus-Triebwerk
Prometheus-Triebwerk
Das Prometheus-Triebwerk soll besonders wirtschaftlich und wiederverwendbar sein. Es soll die Kosten des aktuellen Vulcain-2-Triebwerks der Ariane 5 um den Faktor zehn verringern. Das Unternehmen ArianeGroup entwickelt und baut das Triebwerk.
Credit: ©ArianeGroup

Jetzt bereitet ein DLR-Team den ESA-Prüfstand P5 auf seine neue Aufgabe vor. Der Einbau eines Methan-Tanks ist dabei ein wichtiger Meilenstein bei den umfassenden Baumaßnahmen. Der Tank ist 20 Meter hoch, hat einen Durchmesser von 4,6 Metern und fasst rund 208 Kubikmeter flüssiges Methan. Ab 2022 soll dann auf dem P5 eine gänzlich neue Triebwerksgeneration getestet werden: das von ArianeGroup entwickelte und hergestellte Prometheus-Triebwerk. Es ist elementarer Bestandteil einer zukünftigen europäischen Trägerrakete. Als Treibstoff kommt dabei eine Kombination aus flüssigem Sauerstoff (LOX, liquid oxygen) und flüssigem Methan (LCH4) zum Einsatz. Durch die Bündelung von mehreren Prometheus-Triebwerken in der ersten Stufe wird genügend Schub erzeugt, um beim Start auf die bislang verwendeten Zusatzfeststoffraketen verzichten zu können.

Die Zukunft im Fokus: flexibler und effizienter Testen – auch neue Triebwerksgenerationen

Nach Umbau und Erweiterung gehört der ESA-Großprüfstand P5 zu den modernsten und flexibelsten Testanlagen seiner Art. „Der Einbau des Methan-Tanks ist ein wichtiger Schritt in diesem Prozess. Ich bin gespannt, diese für Europa strategisch bedeutsame Testinfrastruktur möglichst bald komplett und testbereit zu sehen“, sagt Prof. Stefan Schlechtriem, Direktor des DLR-Instituts für Raumfahrtantriebe. Der umgebaute und erweiterte Prüfstand ermöglicht es, mehrere Treibstoffkombinationen zu testen und schnell zwischen ihnen zu wechseln. Versuche können sowohl mit der traditionellen Kombination aus flüssigem Sauerstoff und Wasserstoff durchgeführt werden ebenso wie mit der Kombination aus flüssigem Sauerstoff und Methan. „Damit erweitern wir unsere Testfähigkeiten und behalten die flexible Nutzung der Prüfstände bei“, erläutert Stefan Schlechtriem. Das DLR unterstützt so den zügigen und reibungslosen Übergang zu Treibstoffen der nächsten Trägergeneration.

Raumfahrtantriebe von morgen: mehr Vielfalt, neue Treibstoffe und Technologien

Jede erfolgreiche Trägerrakete braucht leistungsfähige und zuverlässige Antriebe, um ins All zu kommen. Bei einer zukünftigen, europäischen Trägerrakete wird dies das Prometheus-Triebwerk sein. Es soll wiederverwendbar sein und seine Produktionskosten sollen langfristig signifikant sinken. Dafür setzen die Entwicklungsteams auf innovative Ansätze: Dazu zählen 3D-Druckverfahren, digitale Triebwerkssteuerung mit künstlicher Intelligenz und die oben erwähnte neue Treibstoffkombination. Die Investition in die Entwicklung des Prometheus-Triebwerks wird in Zukunft vor allem auch nach der Einsatzdauer der Ariane 6 den sicheren und kostengünstigen europäischen Zugang ins Weltall sichern.

Kontakt
  • Anja Kaboth
    Kom­mu­ni­ka­ti­on Lam­polds­hau­sen
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)

    Kom­mu­ni­ka­ti­on und Pres­se
    Telefon: +49 6298 28-201
    Fax: +49 6298 28-190
    Im Langen Grund
    74239 Hardthausen
    Kontaktieren
  • Andreas Schütz
    Lei­tung Pres­se, Pres­se­spre­cher
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)

    Kom­mu­ni­ka­ti­on und Pres­se
    Telefon: +49 2203 601-2474
    Fax: +49 2203 601-3249
    Linder Höhe
    51147 Köln
    Kontaktieren
  • Prof. Dr.-Ing. Stefan Schlechtriem
    Di­rek­tor
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    In­sti­tut für Raum­fahrt­an­trie­be
    Im Langen Grund
    74239 Hardthausen
    Kontaktieren
DLR-Pressemitteilungen

Newslet­ter

Blei­ben Sie auf dem Lau­fen­den und abon­nie­ren Sie den DLR-Newslet­ter mit Ar­ti­keln der DLR-Re­dak­ti­on in deut­scher und eng­li­scher Spra­che.

Neueste Nachrichten

Hauptmenü