9. September 2021
Mission Cosmic Kiss

Der deut­sche ESA-Astro­naut Mat­thi­as Mau­rer ist be­reit für sei­ne ers­te ISS-Missi­on „Cos­mic Kiss“

Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer bei der Pressekonferenz zu seiner ISS-Mission "Cosmic Kiss" im Europäischen Astronautenzentrum EAC
Der deut­sche ESA-Astro­naut Mat­thi­as Mau­rer bei der Pres­se­kon­fe­renz zu sei­ner ISS-Missi­on "Cos­mic Kiss" im Eu­ro­päi­schen Astro­nau­ten­zen­trum EAC
Bild 1/5, Credit: DLR

Der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer bei der Pressekonferenz zu seiner ISS-Mission "Cosmic Kiss" im Europäischen Astronautenzentrum EAC

Wäh­rend der Pres­se­kon­fe­renz am 9. Sep­tem­ber 2021 im Eu­ro­päi­schen Astro­nau­ten­zen­trum der ESA auf dem DLR-Ge­län­de in Köln gab Mat­thi­as Mau­rer ei­nen Aus­blick auf sei­ne „Pre­mie­re im All“.
Matthias Maurer im Raumanzug
Mat­thi­as Mau­rer im Raum­an­zug
Bild 2/5, Credit: ESA/NASA

Matthias Maurer im Raumanzug

ESA-Astro­naut Mat­thi­as Mau­rer in der so­ge­nann­ten Ex­tra­ve­hi­cu­lar Mo­bi­li­ty Unit (EMU) der NA­SA. Die­sen Raum­an­zug tra­gen die Astro­nau­tin­nen und Astro­nau­ten wäh­rend ih­rer Au­ßen­borde­in­sät­ze au­ßer­halb der In­ter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on ISS.
Offizielles Porträt der SpaceX-Crew-3
Of­fi­zi­el­les Por­trät der SpaceX-Crew-3
Bild 3/5, Credit: NASA

Offizielles Porträt der SpaceX-Crew-3

Das of­fi­zi­el­le Crew-Por­trät der SpaceX-Crew-3-Missi­on. Von links: Kom­man­dant Ra­ja Cha­ri und Pi­lot Tho­mas Mas­h­burn, bei­de NA­SA-Astro­nau­ten, Missi­onss­pe­zia­list Mat­thi­as Mau­rer von der ESA (Eu­ro­päi­sche Welt­rau­m­or­ga­ni­sa­ti­on) und Missi­onss­pe­zia­lis­tin Kay­la Bar­ron von der NA­SA.
Matthias Maurer im EMS-Anzug
Mat­thi­as Mau­rer im EMS-An­zug
Bild 4/5, Credit: ESA/DLR

Matthias Maurer im EMS-Anzug

Mat­thi­as Mau­rer wird bei sei­ner Missi­on Cos­mic Kiss auf der In­ter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on auch 36 Ex­pe­ri­men­te aus Deutsch­land durch­füh­ren. Ei­nes da­von ist ein spe­zi­el­ler Trai­nings­an­zug zur Mus­kel­sti­mu­la­ti­on auf der Ba­sis von Elek­tro Mus­kel Sti­mu­la­ti­on (EMS). Das ist ei­ne mo­der­ne Trai­nings­me­tho­de, bei der Mus­kel­par­ti­en durch schwa­che Stro­mim­pul­se an­ge­spannt wer­den. Wird die­se er­höh­te Grund­span­nung mit ei­nem ge­ziel­ten Mus­kel­trai­ning kom­bi­niert, kann das den Er­folg deut­lich er­hö­hen. An Bord der ISS wird Mat­thi­as Mau­rer erst­mals mit ei­nem spe­zi­el­len EMS-An­zug sein Trai­nings­pro­gramm ver­bes­sern, das aus Lau­fen, Rad­fah­ren und Kraft­trai­ning be­steht.
„Hand in Hand“ um die Welt
„Hand in Hand“ um die Welt
Bild 5/5, Credit: DLR

„Hand in Hand“ um die Welt

Nach­wuchs­för­de­rung steht ganz oben auf dem Pro­gramm von Cos­mic Kiss. Ei­ne Ak­ti­on für Schü­le­rin­nen und Schü­ler ist „Hand in Hand um die Welt“. Mehr als 1.000 Jun­gen und Mäd­chen ha­ben bei der DLR-Mit­mach-Ak­ti­on für Grund­schu­len ab der 3. Klas­se teil­ge­nom­men und sich als "Klas­sen-Sel­fies" selbst ge­malt. Zu­sam­men­ge­setzt bil­den sie auf ei­nem zehn Me­ter lan­gen Tex­til­strei­fen ei­ne Men­schen­ket­te, die Mat­thi­as Mau­rer mit zur ISS nimmt. Die Klas­sen auf dem Tex­til­strei­fen er­hal­ten ihr im Welt­raum ge­flo­ge­nes Bild zur Aus­stel­lung und In­spi­ra­ti­on in der Schu­le nach der Missi­on zu­rück.

• Im Rahmen einer Pressekonferenz am 9. September 2021 im Europäischen Astronautenzentrum der ESA auf dem DLR-Gelände in Köln gab der gebürtige Saarländer einen Ausblick auf seine „Premiere im All“.
• Seit April 2020 bereitet sich der promovierte Werkstoffwissenschaftler auf seine erste Mission „Cosmic Kiss“ vor, die in wenigen Wochen mit dem Flug einer Crew Dragon-Kapsel vom NASA Raumflughafen Cape Canaveral (Florida) zur Internationalen Raumstation starten soll.
• Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist auf vielfältige Weise in die ESA-Mission eingebunden.

Voraussichtlich Ende Oktober 2021 soll der deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer gemeinsam mit den NASA-Astronauten Raja Chari, Thomas H. Marshburn und Kayla Barron an Bord einer Dragon-Raumkapsel des US-amerikanischen Raumfahrtunternehmens SpaceX zur Internationalen Raumstation ISS starten. Maurer soll rund sechs Monate in Schwerelosigkeit verbringen und im April 2022 zur Erde zurückkehren. Es ist der erste Raumflug des 51-Jährigen, der seit Juli 2015 Teil des ESA-Astronautenkorps ist und sich seit dem erfolgreichen Abschluss seiner Grundausbildung als Astronaut auf seinen ersten Einsatz im All vorbereitet. Dazu gehörten unter anderem Trainingseinheiten im Astronautenzentrum der ESA in Köln, am Johnson Space Center der NASA in Houston, im sogenannten SpaceX-Crew-Dragon-Cockpit in Kalifornien sowie bei den weiteren ISS-Partnern in Russland, Japan und Kanada.

Matthias Maurer ist promovierter Werkstoffwissenschaftler und stammt aus dem saarländischen St. Wendel: „Mich faszinieren Technik und Wissenschaft und die Kooperation in internationalen Teams und genau das wird meine Arbeit sein in den sechs Monaten im All. Ich werde an mehr als 100 Experimenten teilnehmen und hoffe, dass die Erkenntnisse hieraus zum Fortschritt für unseren Alltag im All, aber auch hier auf der Erde beitragen werden.“

„Eine Weltraummission ist nicht einfach“, sagt er wenige Wochen vor seinem Start und fährt fort: „Ein Großteil meiner mentalen Kraft entsteht durch die Begeisterung für das, was jetzt vor mir liegt. Für mich wird bald ein Lebenstraum in Erfüllung gehen – mit einem fantastischen Team, auf das ich mich jederzeit blind verlassen kann.“

Als ausgebildeter Werkstoffwissenschaftler freut er sich besonders auf die Versuche mit neuen Materialien, die „wir dann hoffentlich in ein paar Jahren im Erdalltag wiederfinden werden.“ Vieles werde einzigartig sein: „Das beginnt mit dem feurigen Ritt auf einer Rakete, die mich in weniger als zehn Minuten auf über 28.000 Stundenkilometer beschleunigt. Die Ankunft auf der Raumstation und meine erste Erdumrundung im All in nur 90 Minuten, wo ich die Schönheit der Erde von unserem Fenster im All aus, der Cupola, in mich aufsaugen werde. Ein Außenbordeinsatz wird hoffentlich stattfinden und auch ein Höhepunkt sein.“

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ist in vielfältiger Weise in die Mission eingebunden: Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR mit Sitz in Bonn ist für die Auswahl und Koordination der Experimente und Beiträge deutscher Universitäten und Hochschulen sowie aus der Industrie verantwortlich. Ebenso führen DLR-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler eigene Experimente durch. Das Columbus-Kontrollzentrum der ESA, beheimatet im Deutschen Raumfahrtkontrollzentrum des DLR in Oberpfaffenhofen, ist zuständig für die Planung und Durchführung der Experimente, die im europäischen Columbus-Modul auf der ISS stattfinden. Von hier aus gehen die Daten der Experimente an die nationalen Nutzerkontrollzentren und von dort aus weiter zu den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und den beteiligten Partnern aus der Industrie. 36 Experimente der Cosmic Kiss Mission stammen aus Deutschland. Sie umfassen Grundlagenforschung wie anwendungsorientierte Wissenschaft und Technologietests aus den Bereichen Lebens- und Materialwissenschaften, Physik, Biologie, Medizin, Künstliche Intelligenz oder Erdbeobachtung. Zudem steht ein umfangreiches Nachwuchs-Programm für Schülerinnen und Schüler auf der Agenda von Matthias Maurer.

„Deutschland ist der beitragsstärkste Partner im Explorationsrahmenprogramm der ESA. Wir sind aber auch der stärkste Nutzer der ISS und schaffen für Top-Wissenschaftler und die deutsche Raumfahrtindustrie exzellente Rahmenbedingungen für innovative Forschung und High-Tech an der Grenze des Machbaren. Die ISS bietet einzigartige Möglichkeiten, um Forschung zum Nutzen der Menschen auf der Erde durchzuführen. Mit Matthias Maurer haben einen exzellenten Wissenschaftler und einen hervorragenden Botschafter für die internationale Zusammenarbeit“, betont Dr. Walther Pelzer, Mitglied des DLR-Vorstands und Leiter der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR, die im Auftrag der Bundesregierung für das deutsche ESA-Geschäft zuständig ist. „Wir wünschen Matthias Maurer für Cosmic Kiss Alles Gute und sind gespannt auf die Ergebnisse seiner Arbeit. Denn Raumfahrt ist ein Innovationsmotor, bietet erhebliche Chancen für Kommerzialisierung, hochspannende Arbeitsplätze und ist für mich eine unverzichtbare Investition in unsere Zukunft.“

Matthias Maurers Mission heißt "Cosmic Kiss". Der Missionsname ist eine Art Liebeserklärung an das Weltall, an die Raumstation als Bindeglied zwischen Menschheit und Kosmos und an das, was die Menschen dort tun und zukünftig tun werden. Gleichzeitig steht er für den Wert der partnerschaftlichen Erkundung des Weltraums und für den respektvollen und nachhaltigen Umgang mit unserem Heimatplaneten. Im Zentrum des Missionslogos befindet sich daher auch die ISS, die über einen menschlichen Herzschlag mit der Erde und dem Mond verbunden ist. Der Herzschlag soll die Leidenschaft und Neugier symbolisieren, die die Menschen bei der Erforschung des Weltalls antreibt, sowie die lebenswissenschaftlichen Experimente, die die Raumstation ermöglicht. Für das Logo hat sich Matthias Maurer von der Himmelsscheibe von Nebra (die älteste bekannte Darstellung des Nachthimmels) und den Datenträgern der Raumsonden Pioneer und Voyager (mit dem gesammelten Wissen über die Menschheit) inspirieren lassen. Sie stehen für die Faszination der Menschheit für den Weltraum und den Wunsch, mehr über die Entstehung des Lebens und das Universum sowie unseren Platz darin zu erfahren. Das Emblem umfasst außerdem verschiedene kosmische Elemente wie die Erde, den Mond, die Sterngruppe der Plejaden (Siebengestirn) und den Mars.

Matthias Maurer ist einer von aktuell sieben aktiven Astronautinnen und Astronauten der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Mond und Mars haben für Maurer eine besondere Bedeutung. Vor dem Start des Missionstrainings im April 2020 war er als Projektleiter für die Entwicklung der zukünftigen ESA-Mondsimulationsanlage Luna, einem Gemeinschaftsprojekt von ESA und DLR, in Köln tätig. Außerdem hat er an mehreren geologischen Feldübungen im Zusammenhang mit der zukünftigen Monderkundung teilgenommen. 2016 war er Teil der Crew der NASA-Analog-Mission NEEMO 21. Dafür verbrachte er insgesamt 16 Tage unter Wasser und testete Erkundungsstrategien und Werkzeuge für zukünftige Mars-Missionen.

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