3. September 2022
Artemis-I-Mission der NASA – Deutschland ist mit dem ESM und das DLR mit dem Strahlenexperiment MARE dabei

„Grü­nes Licht” für die Rück­kehr zum Mond

SLS-Rakete auf dem Startplatz
SLS-Ra­ke­te auf dem Start­platz
Bild 1/6, Credit: NASA/Joel Kowsky

SLS-Rakete auf dem Startplatz

Die neue Mondra­ke­te der NA­SA (Space Launch Sys­tem, SLS) auf ih­rem Start­platz 39B am Ken­ne­dy Space Cen­ter in Flo­ri­da nach dem Rol­lout am 17. Au­gust 2022.

NASA-Mission Artemis 1
NA­SA-Missi­on Ar­te­mis 1
Bild 2/6, Credit: NASA

NASA-Mission Artemis 1

Mit dem Rei­se­ziel Mond wird die NA­SA-Missi­on Ar­te­mis 1 der ers­te un­be­mann­te Raum­flug des NA­SA-Raum­schiffs Ori­on sein, der die erd­na­hen Or­bits ver­lässt.
Orions Weg zum Mond
Ori­ons Weg zum Mond
Bild 3/6, Credit: Deutsche Raumfahrtagentur im DLR

Orions Weg zum Mond

Bei sei­ner ers­ten Rei­se zum Mond ist Ori­on – an­ge­trie­ben von ESM-1 „Bre­men“ – erst­mals un­be­mannt zum Mond un­ter­wegs. Das Raum­fahr­zeug soll den Erdtra­ban­ten mehr­fach um­run­den und an­schlie­ßend zur Er­de zu­rück­keh­ren. Erst bei der zwei­ten Missi­on wer­den Astro­nau­ten in der Kap­sel zum Mond rei­sen und ihn um­run­den. Un­ter dem Ar­te­mis-Pro­gramm will die NA­SA bis 2024 erst­mals ei­ne Frau und die nächs­ten Män­ner auf dem Mond lan­den las­sen.
Orion im Kennedy Space Center
Ori­on im Ken­ne­dy Space Cen­ter
Bild 4/6, Credit: NASA/Radislav Sinyak

Orion im Kennedy Space Center

Wenn die USA im Früh­ling 2022 ihr ers­tes, zu­nächst noch un­be­mann­tes Ori­on-Raum­schiff zur Vor­be­rei­tung von zu­künf­ti­gen astro­nau­ti­schen Missio­nen in die Um­lauf­bahn un­se­res Erdtra­ban­ten schi­cken, wird es von deut­scher Tech­no­lo­gie an­ge­trie­ben und auf Kurs in Rich­tung Mond ge­bracht. Für sei­ne ers­te Rei­se wird Ori­on ge­ra­de mit die­ser An­triebs- und Ver­sor­gungs­ein­heit – dem so­ge­nann­ten Eu­ro­pean Ser­vice Mo­du­le (ESM) – am Ken­ne­dy Space Cen­ter in Flo­ri­da vor­be­rei­tet.
Helga und Zohar auf ihren Plätzen im Cockpit des Orion-Raumschiffs
Hel­ga und Zo­har auf ih­ren Plät­zen im Cock­pit des Ori­on-Raum­schiffs
Bild 5/6, Credit: NASA/LM/DLR

Helga und Zohar auf ihren Plätzen im Cockpit des Orion-Raumschiffs

Die bei­den DLR-Strah­lungs­mess­pup­pen Hel­ga und Zo­har des Ex­pe­ri­ments MA­RE sind nun be­reit für ih­ren Flug zum Mond und wie­der zu­rück.
Internationales Großprojekt "Gateway"
In­ter­na­tio­na­les Groß­pro­jekt "Gate­way"
Bild 6/6, Credit: Nathan Kaga / NASA

Internationales Großprojekt "Gateway"

In­ter­na­tio­na­les Groß­pro­jekt: Am "Gate­way" - ei­nem "Um­stei­ge­bahn­hof" in ei­ner Um­lauf­bahn des Mon­des - sol­len mit den USA, Russ­land, Eu­ro­pa, Ja­pan und Ka­na­da al­le Mit­glie­der des Mul­ti­la­te­ral Coor­di­na­te Board (MCB) der In­ter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on ISS be­tei­ligt wer­den. Die Ori­on-Raum­kap­sel mit dem in Bre­men ge­bau­ten An­triebs- und Ener­gie­seg­ment soll die Sta­ti­on an­flie­gen und auch die Ener­gie­ver­sor­gung des Gate­way könn­te in Deutsch­land ge­baut wer­den.
  • Bislang haben zwölf Menschen den Mond betreten - allesamt NASA-Astronauten, die sich im Rahmen des Apollo-Programms der amerikanischen Raumfahrtbehörde zwischen 1969 und 1972 auf diese beispiellose Reise gemacht haben.
  • Nach „Apollo“ kommt „Artemis“ und so möchte die NASA - 50 Jahre nach der letzten Mondlandung – am 29. August 2022 um 8:33 Uhr Ortszeit (14:33 Uhr MESZ) mit ihrer neuen, 98 Meter hohen Schwerlastrakete SLS (Space Launch System) vom Kennedy Space Center in Cape Canaveral (Florida) die Rückkehr zum Mond einleiten. Weitere Startfenster sind laut NASA der 2. September sowie der 5. September 2022.
  • Europa und insbesondere Deutschland sind mit dem ’European Service Module‘ ESM1 wesentlich an diesem ersten Testflug beteiligt.
  • Astronautische Raumfahrt, Exploration, Mond, Internationale Zusammenarbeit

+++ Update vom 3. September 2022: Die NASA hat den zweiten Startversuch von Artemis I abgebrochen. Weitere Informationen hier +++

Am 22. August 2022 hat die NASA „grünes Licht“ für das erste Startfenster von Artemis-I gegeben: Aus technischer Sicht stehen damit die Zeichen gut für den Erstflug der neuen SLS-Schwerlastrakete mit ihrem Raumschiff Orion an Bord. Die Mission „Artemis-I“ soll 42 Tage dauern und – bei erfolgreichem Start am 29. August – die Erde am 10. Oktober wieder erreichen. Das Raumschiff Orion, dessen Service- und Antriebsmodul das hauptsächlich in Deutschland gebaute „ESM“ (European Service Modul) ist, soll dabei den Mond mehrfach umrunden. Der Start soll von der Startrampe 39B am Kennedy Space Center der NASA in Florida erfolgen. Von hier aus sind auch die Flüge der Apollo-Mondmissionen gestartet.

„Das ist ein beispielloser Vertrauensbeweis der NASA in die Fähigkeiten unserer Industrie und Deutschland als Partner. Wir sind mit 50 Prozent an den Servicemodulen der Artemis-Missionen beteiligt, die federführend von Airbus, als Hauptauftragnehmer der ESA, von einem europäischen Industriekonsortium gefertigt und in Bremen endmontiert werden“, sagt Dr. Walther Pelzer, Leiter der Deutschen Raumfahrtagentur und DLR-Vorstandsmitglied. Das erste ESM heiße dementsprechend auch wie die Hansestadt: „Bremen“.

Rückkehr zum Mond - Artemis und die Beteiligung Deutschlands
Nach „Apollo“ kommt „Artemis“ und so möchte die NASA - 50 Jahre nach der letzten Mondlandung – am 29. August 2022 um 8:33 Uhr Ortszeit (14:33 Uhr MESZ) mit ihrer neuen, 98 Meter hohen Schwerlastrakete SLS (Space Launch System) vom Kennedy Space Center in Cape Canaveral (Florida) die Rückkehr zum...

Die Premiere der „Rückkehr in den Mondorbit“ findet dabei noch ohne Astronautinnen und Astronauten statt: Dafür sind bei dem Erstflug nach 50 Jahren zwei Messpuppen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) an Bord. Helga und Zohar sitzen auf den Plätzen der zukünftigen Besatzung und erfassen die Strahlenbelastung auf dem Flug. Sie sind Teil des Experiments MARE (Matroshka AstroRad Radiation Experiment) des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin in Köln.

Ohne das Servicemodul kann Orion nicht fliegen

Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR mit Sitz in Bonn steuert im Auftrag der Bundesregierung die deutschen ESA-Beiträge. Aktuell ist Deutschland neben Frankreich der größte Partner der Europäischen Raumfahrtorganisation. Bezogen auf das Explorationsprogramm der ESA, aus denen die Europäischen Servicemodule für das Orion-Raumschiff der NASA finanziert werden, ist Deutschland der größte Beitragszahler. Insgesamt liefern zehn ESA-Mitgliedsstaaten (Deutschland und Frankreich sowie Belgien, Dänemark, Italien, Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden und die Schweiz) Teile für die ESM.

Ohne das Servicemodul kann „Orion“ nicht fliegen. Es ist das Herzstück des neuen Raumschiffs und sitzt unterhalb der Crew-Kapsel. Das ESM beinhaltet das Haupttriebwerk und liefert über vier Solarsegel den Strom, außerdem reguliert es Klima und Temperatur im Raumschiff und lagert Treibstoff, Sauerstoff und Wasservorräte für die Crew. Das Orion-Raumschiff und damit auch die ESM gelten als zentraler Meilenstein für künftige astronautische Explorationsmissionen zum Mond, aber auch zum Mars und darüber hinaus. Die NASA hat aktuell sechs ESM bei der ESA bestellt, von denen das nächste für die „Artemis-II“-Mission Anfang 2023 an die NASA ausgeliefert wird.

„Die Bereitstellung der ESM durch Europa ist Teil eines transatlantischen Tauschhandels. Wir kompensieren damit die Kosten für Betrieb und Versorgung der ISS durch die NASA“, erklärt DLR-Vorstand Walther Pelzer, und ergänzt: „Besonders freue ich mich, dass wir mit dem ESM auch auf die Expertise der fünf europäischen ATV-Transporter aufbauen und uns hier weiterentwickeln können.“ Die ATV-Raumfrachter hatten die Internationale Raumstation ISS von 2008 bis 2015 regelmäßig mit Nachschub versorgt. Sie wurden ebenfalls wesentlich bei Airbus in Bremen entwickelt und gebaut.

Bei der zweiten Artemis-Mission, die aktuell für Ende 2023 geplant ist, sollen erstmals Astronautinnen oder Astronauten mitfliegen. Mit der dritten Mission, Artemis III, sollen dann die erste Frau und der nächste Mann auf dem Mond landen. Die ESA soll ab 2024 mit insgesamt drei Plätzen für europäische Astronautinnen und Astronauten an den Artemis-Missionen zum Lunar Gateway, einer kleinen Station im Mondorbit, beteiligt sein.

Das Raumschiff Orion

Das Raumschiff Orion besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: dem US-amerikanischen Crewmodul und dem Europäischen Servicemodul. Das Crewmodul ähnelt der Kapselform der Apollo-Raumschiffe, ist aber rund doppelt so groß: Statt drei finden bis zu vier Menschen darin Platz. Die rund zehn Tonnen schwere Kapsel beherbergt auch das Lebenserhaltungssystem sowie die Flugsteuerung. Die Kapsel tritt am Ende einer Mission wieder in die Erdatmosphäre ein und landet am Fallschirm hängend im Pazifik. Die Crew wird dort von Schiffen und Hubschraubern geborgen. Das ESM wiegt voll beladen beim Start etwa 15 Tonnen. Am Ende jeder Mission trennt sich das ESM von der Orion-Kapsel und verglüht in der Erdatmosphäre.

Medienfootage zum Download:

Cleanfeed Video Artemis

Footage Herstellung des ESM in Bremen

Footage MARE-Experiment

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