21. Dezember 2022
Missionsende nach über vier Jahren auf dem Mars

In­Sight - En­de ei­ner wis­sen­schaft­li­chen Er­folgs­ge­schich­te

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Letztes Selbstportrait von InSight
Letz­tes Selbst­por­trait von In­Sight
Bild 1/7, Credit: NASA/JPL-Caltech

Letztes Selbstportrait von InSight

Am 24. April 2022 mach­te die NA­SA-Mars­son­de In­Sight mit ih­rer Ka­me­ra am Ro­bo­ter­arm ihr letz­tes Sel­fie – es war der 1211. Mars­tag der Missi­on. Die So­lar­pa­ne­le wa­ren, was nach fast drei­ein­halb Jah­ren Missi­ons­dau­er durch­aus er­war­tet wor­den war, schon stark von Mar­s­staub be­deckt, so dass man ab­se­hen konn­te, dass die Strom­pro­duk­ti­on für im­mer we­ni­ger Funk­tio­nen aus­rei­chen wür­de. Am 20. De­zem­ber 2022 er­klär­te die NA­SA nach zwei er­folg­lo­sen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ver­su­chen – was von der Missi­ons­kon­trol­le am Jet Pro­pul­si­on La­bo­ra­to­ry als „Dead Bus Mo­de“ be­zeich­net wird – die Missi­on In­Sight für be­en­det. Mit 1446 Sols (Mars­ta­gen; 1 Sol ent­spricht 24 Stun­den und 39 Mi­nu­ten) hat In­Sight ei­ne mehr als dop­pelt so lan­ge Missi­ons­dau­er wie vor­ge­se­hen. In­Sight star­te­te am 5. Mai 2018 und lan­de­te am 26. No­vem­ber 2018 auf dem Mars.
InSight – Mission für geophysikalische Messungen auf dem Mars
In­Sight – Missi­on für geo­phy­si­ka­li­sche Mes­sun­gen auf dem Mars
Bild 2/7, Credit: NASA/JPL-Caltech

InSight – Mission für geophysikalische Messungen auf dem Mars

Die­se künst­le­ri­sche Dar­stel­lung zeigt die Mars-Lan­des­on­de In­Sight an ih­rem Ein­satzort in der Ebe­ne Ely­si­um Pla­ni­tia mit aus­ge­klapp­ten So­lar­pa­ne­len, der Platt­form mit den bei­den An­ten­nen, di­ver­sen tech­ni­schen und wis­sen­schaft­li­chen Kom­po­nen­ten, dem Ro­bo­ter­arm mit Ka­me­ra und dem Greif­me­cha­nis­mus, mit dem zwei der Haupt­ex­pe­ri­men­te von der Platt­form auf den Bo­den vor der Son­de plat­ziert wur­den: Links das von Frank­reich für die Missi­on be­reit­ge­stell­te Seis­mo­me­ter SEIS (Seis­mic Ex­pe­ri­ment for In­te­ri­or Struc­tu­res) und rechts das vom DLR ent­wi­ckel­te Wär­me­fluss­ex­pe­ri­ment HP3 (Heat­flow and Phy­si­cal Pro­per­ties Packa­ge). In­Sight lan­de­te am 26. No­vem­ber 2018 auf dem Mars. We­gen man­geln­der Strom­ver­sor­gung wur­de die Missi­on am 20. De­zem­ber 2022 von der NA­SA für be­en­det er­klärt.
Der „Marsmaulwurf“: Wärmeflussexperiment HP3
Der „Mars­maul­wurf“: Wär­me­fluss­ex­pe­ri­ment HP3
Bild 3/7, Credit: DLR (CC BY-NC-ND 3.0)

Der „Marsmaulwurf“: Wärmeflussexperiment HP3

Der „Mo­le“, der so­ge­nann­te Mars­maul­wurf, ist ei­ne selbst­häm­mern­de Wär­me­fluss-Son­de, die sich bis zu fünf Me­ter in den Mars­bo­den ram­men und da­bei ein Mess­ka­bel hin­ter sich her­zie­hen soll­te, um die Tem­pe­ra­tur­zu­nah­me mit zu­neh­men­der Tie­fe auf­zu­zeich­nen. Er ist Be­stand­teil des vom DLR zur Missi­on In­Sight bei­ge­stell­ten Ex­pe­ri­ment­pa­kets HP3 (He­at Flow and Phy­si­cal Pro­per­ties Packa­ge). Der Mo­le konn­te al­ler­dings nicht so tief wie er­for­der­lich in den Bo­den ge­lan­gen. An der Lan­des­tel­le war der Mars­bo­den nicht so lo­cker wie an an­de­ren Lan­des­tel­len, des­halb fand der Mo­le kei­nen Halt und konn­te nur 40 Zen­ti­me­ter tief ein­drin­gen Mit Hil­fe der beim Ein­drin­gen des Maul­wurfs ge­mes­se­nen Wär­me­leit­fä­hig­keit hät­te der Wär­me­strom aus dem In­ne­ren des Mars be­stimmt wer­den kön­nen. Im­mer­hin konn­ten wert­vol­le Da­ten über die me­cha­ni­schen und ther­mi­schen Ei­gen­schaf­ten des Mars­bo­dens ge­sam­melt wer­den.
Aufzeichnung von Marsbebenwellen mit SEIS
Auf­zeich­nung von Mars­be­ben­wel­len mit SEIS
Bild 4/7, Credit: NASA/JPL-Caltech/CNES-IPGP

Aufzeichnung von Marsbebenwellen mit SEIS

Die „Mars­be­ben­war­te“ SEIS ist ein Seis­mo­me­ter zur Mes­sung der Be­we­gun­gen im Mars­bo­den in vier ver­schie­de­nen Fre­quen­zen mit ins­ge­samt sechs Sen­so­ren. Das In­stru­ment wur­de un­ter Fe­der­füh­rung der fran­zö­si­schen Welt­rau­m­or­ga­ni­sa­ti­on CNES ent­wi­ckelt. Wäh­rend der In­Sight-Missi­on zeich­ne­te das emp­find­lichs­te je in der Pla­ne­ten­for­schung ein­ge­setz­te Seis­mo­me­ter seis­mi­sche Wel­len von mehr als 1300 Er­schüt­te­run­gen des Mars­bo­dens auf.
Der „rauchende Colt“: ein neuer Marskrater
Der „rau­chen­de Colt“: ein neu­er Mar­s­kra­ter
Bild 5/7, Credit: NAS/JPL-Caltech/University of Arizona

Der „rauchende Colt“: ein neuer Marskrater

Vor fast ge­nau ei­nem Jahr, an Hei­ligabend 2021, re­gis­trier­te das Seis­mo­me­ter SEIS auf der nun zu En­de ge­gan­ge­nen Missi­on In­Sight die Er­schüt­te­rung ei­nes Me­teo­ri­ten­ein­schlags auf dem Mars. Die Stär­ke der Be­ben­wel­len er­reich­ten die Ma­gni­tu­de 4. Auf­grund die­ser Mes­sun­gen konn­te der Ort des Im­pakts geo­me­trisch re­kon­stru­iert wer­den. Die NA­SA-Son­de Mars Re­con­naissance Or­bi­ter fo­to­gra­fier­te dort mit ih­rer hoch­auf­lö­sen­den Ka­me­ra Hi­RI­SE den fri­schen, 150 Me­ter großen und meh­re­re Zeh­ner­me­ter tie­fen Kra­ter, der 3600 Ki­lo­me­ter von der Mars­be­ben­war­te SEIS ent­stan­den war. Ver­blüf­fend war zu­dem, dass beim Ein­schlag Hun­der­te von haus­großen Eis­bro­cken aus ei­ner un­ter der Ober­flä­che ver­bor­ge­nen Eis­schicht mit dem Aus­wurf­ma­te­ri­al um den Kra­ter ver­teilt wur­den.
Klein, aber fein: Die Marsmission InSight
Klein, aber fein: Die Mars­mis­si­on In­Sight
Bild 6/7, Credit: NASA/JPL-Caltech/Lockheed Martin Space

Klein, aber fein: Die Marsmission InSight

Die geo­phy­si­ka­li­sche For­schungs­sta­ti­on In­Sight (In­te­ri­or Ex­plo­ra­ti­on Using Seis­mic In­ves­ti­ga­ti­ons, Geo­de­sy and He­at Trans­port) für den Mars bau­te auf dem De­sign der NA­SA-Lan­des­on­de Phoe­nix auf, die 2008 die nörd­li­che Po­lar­re­gi­on des Pla­ne­ten er­forsch­te. In­Sight lan­de­te am 26. No­vem­ber 2018. Am 20. De­zem­ber 2022 wur­de die Missi­on von der NA­SA für be­en­det er­klärt, weil die So­lar­pa­nee­le we­gen zu star­ker Be­ein­träch­ti­gung von Staub nicht mehr ge­nü­gend Strom zur Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Re­lais­sa­tel­li­ten er­zeu­gen konn­ten. In­Sight war ei­ne Missi­on der Dis­co­ve­ry-Klas­se der NA­SA.
InSight-Landestelle
In­Sight-Lan­des­tel­le
Bild 7/7, Credit: NASA/JPL/USGS (MOLA); DLR

InSight-Landestelle

Die NA­SA-Son­de In­Sight ist am 26. No­vem­ber 2018 in der Re­gi­on Ely­si­um Pla­ni­tia auf dem Mars ge­lan­det. Im Ge­gen­satz zu an­de­ren Mars-Lan­des­tel­len wur­de für die Missi­on ein Ort oh­ne auf­fäl­li­ge geo­lo­gi­sche Be­son­der­hei­ten ge­wählt, um ein mög­lichst ge­rin­ges Ri­si­ko ein­zu­ge­hen und für die geo­phy­si­ka­li­schen Ex­pe­ri­men­te idea­le Mess­be­din­gun­gen vor­zu­fin­den. Da es bei der Lan­dung durch at­mo­sphä­ri­sche Ein­flüs­se zu leich­ten Ver­än­de­run­gen der Flug­bahn kom­men kann, wird in der Re­gel ein Ge­biet ge­wählt, das bei Ab­wei­chun­gen noch ge­nü­gend Si­cher­heits­puf­fer für die Lan­dung bein­hal­tet. Dies führ­te zu ei­ner vor­be­rech­ne­ten „Lan­de­el­lip­se“, die im Fal­le von In­Sight 140 Ki­lo­me­ter lang und 30 Ki­lo­me­ter breit war.

• NASA hat am 20.12.2022 das Missionsende erklärt.
• Geophysikalische Station hat sich nach vier Jahren in den „Dead Bus Mode“ versetzt und kann voraussichtlich nicht mehr per Funk angesprochen werden.
• InSight landete 2018 als erste geophysikalische Mission auf dem Mars, registrierte über 1300 Marsbeben und beantwortete wichtige Fragen zum inneren Aufbau des Planeten.
• Schwerpunkte: Mars, Planetenforschung, Exploration, Raumfahrt

Die Marsmission InSight ist Geschichte. Am 20. Dezember 2022 erklärte die NASA die Mission für beendet. Das Missionskontrollzentrum am Jet Propulsion Laboratory der NASA in Südkalifornien hatte zuvor zweimal erfolglos versucht den Lander über Relaissatelliten im Marsorbit zu erreichen. Dies bedeutet mit großer Wahrscheinlichkeit, dass InSights solarbetriebene Batterien nicht mehr genug Strom liefern, ein Zustand, den Ingenieure als „Dead Bus Mode“ bezeichnen. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) war mit Messinstrumenten und einem Wissenschaftsteam an der Landemission beteiligt. InSight war die erste rein geophysikalische Marsmission. Der letzte Funkkontakt mit der Erde fand am 15. Dezember statt.

InSight nutzt Sonnenenergie zum Aufladen der Batterien, was aktuell aufgrund der verstaubten Solarpaneele nicht mehr ausreichend möglich ist. Falls der Wind die Solapaneele reinigt und doch nochmals ein ausreichender Ladestand erreicht wird, würde sich InSight wieder hochfahren und zu kommunizieren versuchen. Dann wäre ein weiterer Kontakt möglich und sogar eine Wiederaufnahme des Betriebs. Wegen der zunehmenden Staubablagerung auf den Solarpanelen ist dies aber unwahrscheinlich.

„Es ist immer wieder bedauerlich, wenn eine Planetenmission, auf die man sich mehr als ein Jahrzehnt vorbereitet und dann Jahre lange betrieben hat, schließlich keine Messdaten mehr liefert“, blickt Prof. Dr. Heike Rauer, Direktorin des Berliner DLR-Instituts für Planetenforschung auf InSight zurück. „Auf der anderen Seite überwiegt absolut das Positive: Die wissenschaftlichen Früchte der Vorbereitung und Planung konnten geerntet werden. Wir haben so viel über den inneren Aufbau des Mars gelernt und nutzen dies auch für das Verständnis der anderen erdähnlichen Körper im Sonnensystem. Unsere Planetengeophysiker ziehen letztlich viele wichtige Erkenntnisse aus den Messungen.“

Das Missionsende zeichnete sich im Verlauf der letzten Monate ab und kam nicht überraschend. Mit mehr als vier Jahren übertraf die Missionsdauer die Erwartungen um das Doppelte. InSight (Interior Exploration Using Seismic Investigations, Geodesy and Heat Transport) war seit 1976 die achte Landemission der NASA auf den Mars und die erste, die sich fast ausschließlich geophysikalischen Untersuchungen widmete. Die Solarpanele waren so dimensioniert, dass sie trotz Staubablagerung genug Energie für die ursprünglich geplante Lebensdauer von einem Marsjahr (zwei Erdenjahre) liefern würden. Am Ende reichte es sogar für die Verlängerung der Missionsdauer um ein zweites Marsjahr.

Flug über die In­Sight-Lan­des­tel­le in Ely­si­um Pla­ni­tia
Am 26. No­vem­ber 2018 soll die NA­SA-Son­de In­Sight in der Ebe­ne Ely­si­um Pla­ni­tia auf dem Mars bei 4,5 Grad nörd­li­cher Brei­te und 135,9 Grad öst­li­cher Län­ge lan­den. Die­ses Vi­deo zeigt ei­nen Über­flug über die Lan­des­tel­le und de­ren Um­ge­bung. Das Vi­deo wur­de auf der Grund­la­ge ei­nes di­gi­ta­len Ge­län­de­mo­dells er­zeugt, das mit Ste­reo­bild­da­ten der High Re­so­lu­ti­on Ste­reo Ca­me­ra (HR­SC) des DLR be­rech­net wur­de.

Das meiste, aber nicht alles gelang wie geplant

Im Vordergrund dieser besonderen Mission standen Messungen des Wärmehaushalts und der seismischen Aktivität im Inneren des Planeten, um wichtige Informationen über seinen Aufbau, den Fluss von Wärme von Kern und Mantel an die Oberfläche und davon abgeleitet über die thermische Entwicklung des Planeten zu gewinnen. Hauptinstrumente für diese Messungen waren das vom DLR beigestellte Wärmeflussexperiment HP3 (Heatflow and Physical Properties Package) und das von der französischen Weltraumorganisation CNES entwickelte Seismometer SEIS (Seismic Experiment for Interior Structures). Es ist die NASA-Marsmission mit dem mit Abstand bedeutendsten europäischen Beitrag bislang. NASA-Wissenschaftsdirektor Dr. Thomas Zurbuchen würdigte die Mission als großen Erfolg.

Roboterarm hilft Maulwurf unter die Oberfläche

Zwar lieferte der „Marsmaulwurf“ HP3 des DLR nicht vollständig die erwarteten Messungen (hier im Logbuch des Principal Investigators, Prof. Dr. Tilman Spohn, dem früheren Direktor des DLR-Instituts für Planetenforschung, nachzulesen), weil die Wärmeflusssonde nicht so tief wie erforderlich in den Boden vordringen konnte. Die Wärmeflusssonde HP3 mit dem „Mole“, dem „Marsmaulwurf“, hat das Team mehr als zweiJahre lang in Atem gehalten. Ursprünglich sollte der Mole in eine Tiefe von fünf Metern vordringen und ein Messkabel mit Temperatursensoren hinter sich herziehen. „Damit hätten wir messen können, wie die Temperatur mit der Tiefe ansteigt. Mit Hilfe der beim Eindringen des Maulwurfs gemessenen Wärmeleitfähigkeit hätten wir direkt den Wärmestrom aus dem Inneren des Mars bestimmen können“, erläutert Prof. Tilman Spohn. „Diese Größe hätte uns geholfen, die Entwicklung des Mars von einem heißen Ursprung zu seinem heutigen, fast kalten Zustand einzuordnen.“

Der Marsmaulwurf, der als selbsthämmernde Sonde für den bekannten lockeren, sandigen Boden anderer Missionen entwickelt wurde, konnte in dem unerwartet harten Boden um InSight herum keinen Halt finden. Das Instrument war schließlich in der Lage, seine 40-Zentimeter-Sonde knapp unter der Oberfläche zu vergraben und dabei immerhin wertvolle Daten über die mechanischen und thermischen Eigenschaften des Marsbodens zu sammeln. „Diese Daten werden sehr hilfreich für die zukünftige Erkundung des Mars durch Menschen oder Roboter sein, die versuchen, im Mars-Untergrund zu graben“, so Prof. Tilman Spohn weiter. Dass der Maulwurf sich schließlich eingraben konnte, ist einer Teamleistung der Ingenieure von JPL und DLR zu verdanken. Sie setzten den Roboterarm des Landers auf kreative Weise ein, um dem Mole zusätzlichen Halt zu geben. Der Arm und seine kleine Schaufel waren in erster Linie dazu gedacht, wissenschaftliche Instrumente auf der Marsoberfläche abzusetzen. Schließlich halfen diese aber sogar dabei, InSights Solarpaneele etwas vom Staub zu befreien, als die Energie abnahm.

YouTube - Animation: InSight - Erkundung des Mars-Inneren (Instrument HP3 )
YouTube - Animation: InSight - Erkundung des Mars-Inneren (Instrument HP3 )
Credit: DLR.

Das Seismometer lieferte bahnbrechende Daten

Beim Experiment SEIS indes waren die Aufzeichnungen von sich durch die Marskruste ausbreitenden Bebenwellen von enormem wissenschaftlichem Wert. Es wurden zwischen Anfang 2019 bis Missionsende seismische Wellen von mehr als 1300 „Ereignissen“, also Erschütterungen des Marsbodens, aufgezeichnet. Darunter hauptsächlich von Marsbeben, die sich an unterschiedlichen Orten in der Marskruste bei der Entladung tektonischer Spannungen ereignet haben, aber auch von wenigen Bebenwellen, die durch den Einschlag von Asteroiden ausgelöst wurden: Dabei konnte sogar der Ort der Einschläge rekonstruiert und in mehreren Fällen durch Fotos des Mars Reconnaissance Orbiter bestätigt werden, wobei die beiden größten Krater mehr als 100 Meter Durchmesser hatten.

Vor allem die tektonisch verursachten Marsbeben lieferten wichtige Hinweise zum Aufbau des Roten Planeten. Durch Reflexionen von Wellen an der Grenze zwischen festem Gesteinsmantel und flüssigem Kern konnte die Größe des Marskerns endlich genau bestimmt werden. Sein Durchmesser beträgt zwischen 3600 und 3700 Kilometer, was am oberen Ende des vor der Mission geschätzten Größe liegt. Zum Vergleich: Der Gesamtdurchmesser des Mars beträgt knapp 6800 Kilometer. Durch den Kern hindurch gelaufene seismische Wellen geben Hinweise auf seine innere Struktur und Zusammensetzung. Auch die ergänzenden Hilfsinstrumente an Bord lieferten wichtige Daten, wie beispielsweise das zu HP3 gehörende DLR-Radiometer RAD, das den täglichen Verlauf der Oberflächentemperatur durch Messung der Infrarotabstrahlung aufzeichnete. Damit konnten wichtige Daten zur Charakterisierung der thermischen Eigenschaften des Marsbodens gesammelt werden.

Geduld gefragt: Beben nur im Marssommer

Nach Inbetriebnahme des Seismometers Anfang 2019 wurde zunächst einige Wochen lang kein einziges Marsbeben in den Aufzeichnungen entdeckt – sehr zur Beunruhigung des InSight-Teams. „Wir haben schon Berechnungen drüber angestellt, was es für unsere Theorien bedeuten würde, keine Beben zu registrieren“, erinnert sich Dr. Martin Knapmeyer, Seismologe im DLR-Institut für Planetenforschung und am SEIS-Experiment beteiligt, an eine „gewisse Nervosität“ in den ersten Missionswochen 2019. „Als es dann viel später doch noch losging, wurde klar, dass im lokalen Winter, in dem InSight landete, das Rauschen des Windes alle Signale von Marsbeben überdeckte. Wir konnten dann am DLR obendrein nachweisen, dass die Häufigkeit von Marsbeben im Winter tatsächlich geringer ist als im Sommer.“

Später, an ‚lauen‘ Frühlings- und Sommerabenden in der Landeregion Elysium Planitia, herrschte fast Windstille, so dass vorwiegend zwischen Sonnenuntergang und Mitternacht ideale Messbedingungen gegeben waren und letztlich die mehr als 1300 Marsbeben registriert werden konnten. Viele davon fanden in der Region Cerberus Fossae statt, 1500 Kilometer von InSight entfernt. Das entspricht etwa der Entfernung zwischen Köln und dem Ätna auf Sizilien. Im Gebiet von Cerberus Fossae fanden die letzten vulkanischen Aktivitäten vor weniger als 200.000 Jahren statt, und die beobachteten Beben weisen Eigenschaften auf, wie man sie aus vulkanischen Regionen der Erde kennt, beispielsweise auch der Eifel. „Allerdings bedeutet dies nicht, dass hier in nächster Zeit mit einem neuen Vulkanausbruch zu rechnen ist“, ordnet Knapmeyer die Messungen ein.

Endlich Zahlenwerte für die Krustendicke des Mars

Aus der Untersuchung von Variationen im Schwerefeld des Mars, welche die Umlaufbahnen von Orbitern um Winzigkeiten in ihrer Flughöhe verändern, war lange bekannt, dass die Marskruste eine regional unterschiedliche Dicke aufweist. Seit Jahrzehnten wurde angestrebt, mit seismischen Messungen nicht nur die relative, sondern auch die absolute Dicke der Kruste zu messen. Mit InSight ist dies nun gelungen, zunächst nur für den Landeplatz selber. Durch die Registrierung von Oberflächenwellen von einigen der stärkeren Marsbeben wurde es aber auch möglich, die Krustendicke entlang des Weges dieser Wellen zu ermitteln. „Damit können an die ‚Höhenlinien‘ der Krustendicke nun endlich auch Zahlen drangeschrieben werden“, stellt Martin Knapmeyer ein weiteres wichtiges Ergebnis der Mission heraus. Die mittlere Dicke der Kruste liegt zwischen 24 und 72 Kilometern, womit diese etwas dünner ist als frühere, indirektere Untersuchungen ergeben haben.

Vielfältige Missionen am Mars

Aktuell sind auf der Marsoberfläche nun noch drei Missionen aktiv: Die NASA-Rover Curiosity (2012 gelandet) im Krater Gale und der 2021 im Krater Jezero angekommene Marsrover Perseverance, sowie die chinesische Mission Tianwen 1 mit Rover Zurong und Landestation. In der Marsumlaufbahn befinden sich die NASA-Sonde Mars 2001 Odyssey (seit 2001), der Orbiter Mars Express der Europäischen Weltraumorganisation ESA (seit 2003) mit der DLR-Stereokamera HRSC, der NASA-Mars-Reconnaissance-Orbiter (seit 2006), der NASA-Atmosphärenorbiter MAVEN (seit 2014), der ExoMars Trace Gas Orbiter der ESA (seit 2016) und der Orbiter der chinesischen Tianwen-1-Mission (seit 2021) sowie der Orbiter Al-Amal der Vereinigten Arabischen Emirate (seit 2021).

Über die Marsmission InSight

Die Mission InSight wurde vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena, Kalifornien, im Auftrag des Wissenschaftsdirektorats der NASA durchgeführt. InSight ist eine Mission des NASA-Discovery-Programms. Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR hat mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie einen Beitrag des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung zum französischen Hauptinstrument SEIS (Seismic Experiment for Interior Structure) gefördert. Forschende des DLR sind an der Auswertung der SEIS-Daten beteiligt. Insbesondere hat das DLR das Experiment HP3 (Heat Flow and Physical Properties Package) mit dem „Marsmaulwurf“ beigesteuert, dessen Kommandierung durch das Nutzerzentrum für Weltraumexperimente (MUSC) in Köln erfolgte.

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    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)

    Kom­mu­ni­ka­ti­on
    Telefon: +49 2203 601-3959
    Linder Höhe
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  • Dr. Matthias Grott
    HP3-Pro­jekt­wis­sen­schaft­ler und In­Sight-Wis­sen­schafts­team-Mit­glied; Schwer­punkt Wär­me­fluss- und Wär­me­leit­fä­hig­keits­mes­sun­gen; In­stru­men­ten­bau
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