15. Juni 2018 | Entwicklungspfade der Mobilität in Deutschland: DLR-Szenarien zu Mobilität und Umwelt bis 2040

Parlamentarisches Gespräch zu Verkehrsentwicklung und Umwelt

Am Donnerstag, den 14. Juni 2018 informierte das DLR die Arbeitsgruppen Verkehr der SPD- und der CDU/CSU-Bundestagsfraktion über die Ergebnisse des DLR-Projekts "Verkehrsentwicklung und Umwelt –VEU“ Danach lässt sich auch bei einem ambitionierten Szenario die durch den deutschen Verkehr verursachte globale Erwärmung lediglich nivellieren. Für eine Reduktion der Klimawirkung des Verkehrs wären weitere Anstrengungen notwendig.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von Kirsten Lühmann MdB, Sprecherin der Arbeitsgruppe Verkehr der SPD-Bundestagsfraktion. "Der Verkehr in Deutschland steht vor großen Herausforderungen und benötigt zielgerechte und kompetente Forschungsergebnisse, um diesem gerecht zu werden“, so Kirsten Lühmann MdB. Daniela Ludwig MdB, verkehrspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zeigte sich beeindruckt von der Arbeit des DLR: "Ich sehe im DLR einen außerordentlich kompetenten Impulsgeber für die Entscheidungen, die die Politik in den kommenden Jahren treffen muss“, so die Abgeordnete.

Mobilität ist Voraussetzung für eine positive wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig jedoch ist der aus dem Mobilitätsbedarf resultierende Verkehr Auslöser von negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft. Hieraus entstehe die Herausforderung, Mobilität auch künftig zu gewährleisten und dabei die negativen Folgen des Verkehrs zu minimieren, so Karsten Lemmer, Vorstand für Energie und Verkehr des DLR. Das DLR-Projekt Verkehrsentwicklung und Umwelt strebt an, ein Instrumentarium bereitzustellen, mit dem das Verkehrssystem in Deutschland in ganzer Bandbreite erfasst und analysiert werden kann. So können die zukünftigen Auswirkungen des Verkehrs für verschiedene Szenarien prognostiziert und Handlungsempfehlungen für die Politik abgeleitet werden.

"Deutschland stellt 1% der Weltbevölkerung. Aber allein die Emissionen aus dem deutschen Verkehr machen 1% des globalen CO2-Ausstoßes aus. Die Reduzierung dieses Wertes ist dringlich. Deswegen brauchen wir möglichst schnell und gleichzeitig langfristig ein Maßnahmenpaket, das sowohl Verhaltensänderungen als auch eine Technologieumstellung im Verkehr bringt. Zudem müssen die Veränderungen im Verkehr Hand in Hand mit der Energiewende gehen, denn nur dann wird die Elektromobilität nachhaltig sein. Nur so können die Klimaziele des Verkehrs erreicht werden. Unsere Modellierungen zeigen, dass dies machbar ist - aber deutlicher Anstrengungen bedarf, die auch nach 2040 nicht nachlassen dürfen.“ so Prof. Dr. Lenz, Direktorin des DLR-Instituts für Verkehrsforschung.

Zielzeitraum für die szenarienbasierte Analyse ist das Jahr 2040 in Deutschland, mit einer detaillierten Betrachtung der Mobilität in Metropolenregionen. Die möglichen Veränderungen des Verkehrssystems werden in drei Szenarien definiert, die sich durch verschiedene Entwicklungspfade bei technologischen Innovationen, ordnungspolitischen und fiskalischen Maßnahmen unter dem Einfluss äußerer Rahmenbedingungen Zentrales Ergebnis der Analyse ist es, dass sich bei einem ambitionierten Szenario "geregelter Ruck“ ein signifikanter Rückgang der Emissionen und Treibhausgase ergibt, sich die durch den deutschen Verkehr verursachte globale Erwärmung hiermit aber lediglich nivellieren lässt. Für eine Reduktion der Klimawirkung des Verkehrs wären noch weitere Anstrengungen notwendig.

Geregelter Ruck: die Energiewendegewinner

Das Szenario "geregelter Ruck“ bildet ein Verkehrssystem ab, das durch Steuerungs- und Entwicklungsimpulse aus Politik, Gesellschaft und Technologie besonders umwelt- und ressourcenschonend gestaltet ist. Die Politikentscheidungen bewiesen sich rückblickend als
richtige Weichenstellungen angesichts der zunehmenden Verknappung fossiler Ressourcen.

Freies Spiel: Wohlfahrt nach Marktkräften

Das Szenario "freies Spiel“ zeigt eine Entwicklung des Verkehrssystems auf, die von schwacher Priorisierung des Umweltschutzes und von geringen regulatorischen Steuerungsimpulsen für mehr Umwelt- und Ressourceneffizienz im Verkehrssektor gekennzeichnet ist. Vor dem Hintergrund ausreichend verfügbarer fossiler Ressourcen erwiesen sich die Politikentscheidungen rückblickend als die logische und richtige Wahl.

Referenz-Szenario: moderate Fortsetzung der Trends

Das Referenz-Szenario stellt eine Verkehrsentwicklung unter Fortschreibung der heute zu beobachtenden Trends dar, ohne dass signifikante, vom heutigen "Mainstream“
abweichende Impulse von Politik, Gesellschaft und Technologie ausgehen.

Im Kontrast zu dem "geregelten Ruck“ führten die beiden anderen Szenarien (Referenz und "freies Spiel“) zu steigenden Verkehrsleistungen und insbesondere Treibhausgasemissionen. Lediglich bei den Luftschadstoffen ist, aufgrund technologischer Entwicklungen, auch hier mit einer Entspannung zu rechnen.

In der Zukunft werden sich die Forscherinnen und Forscher insbesondere dem internationalen Kontext der Technologieentwicklungen sowie den Abhängigkeiten von Energie- und Verkehrssystem widmen.

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