Erstes Trio der Meteosat-Third-Generation-Wettersatelliten vollständig

ESA–P. Carrill

2026 ESA-CNES-ARIANESPACE-ArianeGroup\Optique Video de CSG–J.M. Guillon.
- Am 27. August 2026 um 22:11 Uhr MEZ (17:11 Uhr Ortszeit) ist der Wettersatellit MTG-I2 gestartet.
- Er vervollständigt als Meteosat-14 das erste Trio der Meteosat-Third-Generation-Satelliten.
- Mit dem Start von MTG-I2 werden Schnelligkeit und Genauigkeit der Wetterbeobachtung und der kurzfristigen Wettervorhersage in Europa deutlich verbessert.
- Die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR ist in Kooperation mit dem Deutschen Wetterdienst für die fachliche Unterstützung bei der Durchführung des MTG-Programms verantwortlich.
- Schwerpunkte: Raumfahrt, Erdbeobachtung
Am 27. August 2026 um 22:11 Uhr MEZ (17:11 Uhr Ortszeit) ist der Satellit MTG-I2 (Meteosat Third Generation – Imager 2) an Bord einer Ariane-6-Rakete vom europäischen Weltraumbahnhof in Kourou (Französisch-Guayana) gestartet. Er vervollständigt als Meteosat-14 das erste Trio der Meteosat-Third-Generation-Satelliten. Die Deutsche Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unterstützt die deutsche Beteiligung am MTG-Programm in enger fachlicher Abstimmung mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD). Das Bundesministerium für Verkehr finanziert den deutschen Beitrag des Programms.
„Mit Meteosat Third Generation beginnt eine neue Qualität der Wetterbeobachtung aus dem All. Präzisere und schnellere Daten helfen uns, Unwetter früher zu erkennen, die Bevölkerung besser zu informieren und unsere Infrastruktur widerstandsfähiger zu machen. Deutschland übernimmt dabei Verantwortung: Das Bundesverkehrsministerium finanziert den überwiegenden Teil des deutschen Beitrags an diesem europäischen Zukunftsprojekt. Gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst und der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR investieren wir damit ganz konkret in Sicherheit, Vorsorge und technologische Spitzenleistung made in Germany für ganz Europa“, sagt Bundesverkehrsminister Steffen Bilger.
„Im METEOSAT-Programm zeigt sich die innovative Stärke und Leistungsfähigkeit der deutschen und europäischen Industrie sowie des Raumfahrtstandortes Deutschland, wie auch die gute und enge Zusammenarbeit auf deutscher und europäischer Ebene. Durch eine spürbare Verbesserung der Wettervorhersage wird deutlich, welchen großen positiven Einfluss die Raumfahrt auf das tagtägliche Leben der Menschen auf der Erde hat“, sagt Dr. Walther Pelzer, DLR-Vorstandsmitglied und Generaldirektor der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR.
Modernste Satelliten für präziseste Wetterdaten
Zusammen mit Meteosat Third Generation Imager-1 (MTG-I1) und Meteosat Third Generation Sounder-1 (MTG-S1) kann MTG-I2 Europa künftig im 2,5-Minuten-Takt vollständig scannen. Das ist doppelt so schnell wie der Rapid-Scan-Service der Vorgängergeneration der Meteosat-Satelliten. Durch die höhere Beobachtungsfrequenz erhalten Wetterdienste schneller aktuelle Informationen über die Entwicklung von Unwettern und können diese so kurzfristiger vorhersagen. Auch die klassische drei- bis sieben-Tage-Vorhersage wird dadurch präziser.
Meteosat Third Generation
Die dritte Generation von Meteosat-Satelliten liefert Wetterbeobachtungsdaten mit doppelt so hoher räumlicher und zeitlicher Auflösung sowie einer hundertfach höheren Datenrate im Vergleich zu den Meteosat-Vorgängerversionen. Zudem sind Systeme zur Erfassung von Blitzen (Lightning Imager) und der europaweiten Luftverschmutzung verbaut.
Die MTG-Baureihe wurde im Auftrag der Europäischen Organisation zur Nutzung meteorologischer Satelliten (EUMETSAT) von der Europäischen Weltraumorganisation ESA entwickelt. 1977 begann mit METEOSAT-1 die kontinuierliche Wetterbeobachtung aus dem Weltraum. Die aktuelle Baureihe besteht aus insgesamt sechs Satelliten, die in Serie gestartet werden, um über die nächsten 25 Jahre routinemäßig Wetterdaten zu generieren. Es gibt zwei Satellitentypen: vier Satelliten mit abbildenden Instrumenten, den sogenannten Imagern (MTG-I1-4), und zwei Satelliten mit spektral hochauflösenden Instrumenten, den sogenannte Soundern (MTG-S1-2). MTG-I1 startete 2022, 2025 folgte MTG-S1. Die Satelliten werden bis voraussichtlich ins Jahr 2040 hinein sukzessive gestartet. Aufbauend auf dem Erbe der Meteosat-Satelliten der ersten und zweiten Generation wird die dritte Generation von Meteosat (MTG) die Sturmvorhersage revolutionieren, die Wettervorhersage verbessern, die Klimaaufzeichnungen erweitern und eine breite Palette wichtiger Beobachtungen liefern.
Satellitendaten als unverzichtbarer Teil des Alltags
Satellitendaten sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken. So profitieren beispielsweise Feuerwehren oder der Katastrophenschutz von der flächendeckenden Überwachung des Wettergeschehens und der rechtzeitigen Warnung vor Unwettern. Politik, Verwaltung und Wirtschaft können sich dank Satellitendaten frühzeitig über Klimaveränderungen informieren und sich darauf vorbereiten. Die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit des Luftverkehrs, der Seefahrt und des Küstenschutzes werden auch durch Beobachtungsdaten aus dem Weltall ermöglicht. Auf präzise Wetterinformationen und Vorhersagen sind insbesondere die Wasserwirtschaft, Land- und Forstwirtschaft, Energie- und Bauwirtschaft, das Versicherungswesen oder der Tourismus angewiesen.
Deutsche Technik für eine europäische Mission
An der Entwicklung der europäischen MTG-Satelliten ist Deutschland mit etwa 30 Prozent beteiligt. Die Firma OHB ist zuständig für den Bau aller sechs Plattformen der MTG-I- und MTG-S-Satelliten sowie für die beiden Infrarot-Sounder-Instrumente auf den MTG-S-Satelliten. Sie liefern Rückschlüsse auf Temperatur, Luftfeuchtigkeit und indirekt auch den Wind in verschiedenen Höhen der Erdatmosphäre sowie auf die Verteilung wichtiger Spurengase. Die Firma Airbus DS ist maßgeblich an der Entwicklung und dem Bau des Sentinel-4-Instruments, einem Spektrometer zur Messung der Luftqualität, auf den MTG-S-Satelliten beteiligt. Das Earth Observation Center (EOC) des DLR erstellt die operationellen Softwaresysteme zur Ableitung geophysikalischer Produkte des Sentinel-4-Instruments. Bei der Entwicklung und Produktion der Instrumente sind in den Bereichen Optik, Elektronik und mechanische Strukturen auch weitere deutsche Firmen beteiligt.