14. Oktober 2026 | Innovative Wettermesstechnik

Flugzeuge als mobile Wetterstationen: DLR kooperiert mit Jena-Schöngleina

  • Das DLR erschließt im neuen Projekt AIRforschen wenig genutzte meteorologische Datenquellen für präzisere Wetterprognosen.
  • Als wichtiger Kooperationspartner stellt der Verkehrslandeplatz Jena-Schöngleina passende Infrastruktur sowie Zugang zu Pilotinnen und Piloten.
  • Bei zukünftiger Zusammenarbeit sollen unterschiedliche Nutzergruppen auf das Projekt aufmerksam gemacht sowie neue Sensorsysteme entwickelt werden.
  • Schwerpunkte: Luftfahrt, Digitalisierung und Datenwissenschaften

Im Forschungsprojekt AIRforschen erschließt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine bislang wenig genutzte Datenquelle für die Wettervorhersage: Flugzeuge der allgemeinen Luftfahrt, darunter Motor- und Segelflugzeuge sowie Ballone, werden zu mobilen Wetterstationen. Hierzu ist das DLR eine Kooperation mit der Verkehrslandeplatz Jena-Schöngleina GmbH (VLP) eingegangen, um neue Verfahren zur Wetterbeobachtung aus der Luft zu entwickeln und unter realen Bedingungen zu erproben.

Projekt AIRforschen: Flugzeuge als mobile Wetterstationen

Im Mittelpunkt der zunächst auf zwei Jahre angelegten Zusammenarbeit steht das Forschungsprojekt „AIRforschen“ des DLR-Instituts für Datenwissenschaften. Ziel des Projekts ist die Entwicklung und Validierung kompakter Sensorsysteme, mit denen Flugzeuge der allgemeinen Luftfahrt während des Flugbetriebs meteorologische Daten erfassen können.

Das Sensorkit wird direkt am jeweiligen Fluggerät angebracht und sendet die Daten via Bluetooth auf eine Smartphone-App. Alle gesammelten Daten werden in einer zentralen Datenbank gespeichert und in Wettermodelle eingespeist. Sie sind eine wichtige Ergänzung zu bodennahen und häufig nur punktuell gesammelten Wetterdaten. Dadurch sind präzisere Wetterprognosen möglich, von denen viele Sektoren wie Luft- und Schifffahrt, Energie, Katastrophenschutz, aber auch Bauwirtschaft und Tourismus profitieren.

Reallabor Jena-Schöngleina: Windmessungen mit LiDAR als Referenzdaten

Der Verkehrslandeplatz Jena-Schöngleina bringt als Reallabor seine Infrastruktur, flugbetriebliche Erfahrung und sein Netzwerk aus Pilotinnen und Piloten ein. Diese Verbindung ermöglicht es, neue Sensorik im realen Flugbetrieb praxisnah zu testen und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig planen weitere Kooperationspartner des VLP, künftig Referenzdaten aus Windmessungen mittels LiDAR (Light Detection and Ranging) bereitzustellen. Mit dieser laserbasierten Messtechnik lassen sich Windgeschwindigkeit und Windrichtung erfassen. Die Messdaten sollen die Entwicklung und Validierung präziser Verfahren zur Windbestimmung unterstützen. „Wir entwickeln Jena-Schöngleina gezielt als Reallabor für Luftfahrt und neue Technologien weiter. Durch die Zusammenarbeit mit dem DLR wollen wir zeigen, welchen Beitrag ein regionaler Verkehrslandeplatz leisten kann, um Forschung in die praktische Anwendung zu bringen“, sagt Hendrik Hoppe, Geschäftsführer des Verkehrslandeplatzes Jena-Schöngleina.

Die Zusammenarbeit geht dabei über das Projekt AIRforschen hinaus. Der VLP soll als zentrale Anlaufstelle für das Projekt und als Multiplikator für unterschiedliche Nutzergruppen und Trägerplattformen fungieren – von Flugschulen und Segelflugvereinen bis hin zu speziellen Einsatzfeldern wie Organtransporten. Durch den direkten Austausch mit den späteren Anwenderinnen und Anwendern können Hard- und Software praxisnah weiterentwickelt und auf die Anforderungen der allgemeinen Luftfahrt abgestimmt werden.

Neue Sensorsysteme für unbemannte Luftfahrtsysteme

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Nutzung unbemannter Flugsysteme (UAS). Gemeinsam wollen DLR und VLP UAS-Daten erfassen, verarbeiten und auswerten sowie Messkampagnen zur Kalibrierung und Validierung neuer Sensorsysteme unter realen Bedingungen durchführen. Dabei sollen unter anderem Algorithmen entwickelt werden, die Wetterparameter wie Wind, Sichtweite und Wolkenformationen automatisiert aus den gewonnenen Daten ableiten. Die Kombination stationärer Bodenmessungen mit luftgestützten Daten ermöglicht zudem eine detaillierte Analyse lokaler Wetter- und Mikroklimabedingungen.

Langfristig sollen aus der Zusammenarbeit neue Anwendungen für die Luftfahrt entstehen. Dazu gehören unter anderem Verfahren zur Verbesserung der Wetterbeobachtung und zur Erhöhung der Sicherheit in der allgemeinen Luftfahrt. Auch eine Weiterentwicklung der Sensorik für den Einsatz auf Drohnen ist vorgesehen. Der gegenseitige Erfahrungsaustausch und gemeinsame Fördermittelanträge sollen die Kooperation weiter vertiefen und zusätzliche Forschungs- und Entwicklungsvorhaben ermöglichen.

Weiterführende Links

Kontakt

Melanie-Konstanze Wiese

Kommunikation Berlin, Cottbus, Dresden, Jena, Neustrelitz und Zittau
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Kommunikation
Rutherfordstraße 2, 12489 Berlin-Adlershof
Tel: +49 30 67055-639