BDL | DLR Wirtschaftsreport Luftverkehr
Entwicklung wesentlicher Kennzahlen und deren Bedeutung für Luftverkehrsstandort und Volkswirtschaft

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Der globale Luftverkehr hat sich nach der Coronakrise schneller erholt als vielfach erwartet. Aber: Gleichzeitig zeigen sich insbesondere in Europa deutliche strukturelle Veränderungen im Luftverkehrsmarkt. Das ist ein Ergebnis aus dem Wirtschaftsreport zum Luftverkehrsstandort Deutschland, den das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) erstmals gemeinsam veröffentlicht haben. Der Bericht untersucht unter anderem die Entwicklung von Konnektivität und Passagierströmen sowie Herausforderungen bei Klimaschutz und Regulierung.
Der am 5. Oktober 2026 in Berlin vorgestellte Bericht analysiert zentrale Entwicklungen im Luftverkehr über einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren und ordnet deren Bedeutung für Wirtschaft, Mobilität, Klimaschutz und internationale Wettbewerbsfähigkeit ein.
„Der Luftverkehr ist ein zentraler Bestandteil eines leistungsfähigen Mobilitätssystems und unverzichtbar für einen international wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort Deutschland. Mit dem gemeinsamen Wirtschaftsreport schaffen wir eine faktenbasierte Grundlage für die Diskussion über die Zukunft unseres Luftverkehrsstandorts. So lassen sich Entwicklungen langfristig und auf Basis belastbarer Daten bewerten“, sagt Dr. Markus Fischer, DLR-Bereichsvorstand Luftfahrt.
„Der Report zeigt eine schleichende Abkopplung Deutschlands vom internationalen Luftverkehr“, ergänzt Dr. Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des BDL. „Verbindungen fallen weg, Passagiere und Fracht weichen auf Drehkreuze außerhalb Europas aus. Für eine Exportnation ist das ein Standortproblem. Und für das Klima ist nichts gewonnen, wenn Emissionen nur verlagert werden. Wir brauchen niedrigere Standortkosten und ein Level-Playing-Field bei Klimaschutzregeln, damit für alle Wettbewerber die gleichen Bedingungen gelten.“
Nach den Auswertungen des Reports generierten Luftverkehrswirtschaft und Luftfahrtindustrie im Jahr 2024 in Deutschland eine Bruttowertschöpfung von 58,4 Milliarden Euro. Rund 536.900 Arbeitsplätze standen direkt oder indirekt mit der Luftfahrt in Zusammenhang. Damit trug die Branche etwa 1,3 Prozent zum deutschen Bruttoinlandsprodukt bei.
Der Report zeigt: Für international vernetzte Wirtschaftsstandorte ist die Qualität der Luftverkehrsanbindung entscheidend. Bewertet werden unter anderem direkt erreichbare Ziele, Flugfrequenzen und Tagesrandverbindungen für Geschäftsreisen – also Verbindungen am frühen Morgen und späten Abend.
Zwischen 2014 und 2019 stieg an vielen deutschen Flughäfen die Zahl der direkt erreichbaren Ziele stärker als die Anzahl der Abflüge. Das Streckennetz wurde damit breiter. Nach der Corona-Pandemie entwickelten sich die Flughäfen unterschiedlich. Frankfurt lag 2024 bei den Direktzielen wieder annähernd auf Vorkrisenniveau, während die anderen großen Standorte mit bis zu rund 18 Prozent weniger Zielflughäfen als 2019 deutlich darunter lagen. Auch Flugfrequenzen und Tagesrandverbindungen gingen vielerorts zurück.
Im interkontinentalen Luftverkehr zeigen sich seit 2010 deutliche Verschiebungen bei den Umsteigemustern und den Drehkreuzen. So verlagern sich Passagierströme im Langstreckenverkehr zunehmend auf Drehkreuze außerhalb der Europäischen Union, insbesondere in der Türkei und der Golfregion. Zwischen Deutschland und Fernost-/Südostasien stieg der Anteil der Verbindungen über Nicht-EU-Drehkreuze von 34 auf 54 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil von Umsteigeverbindungen über deutsche Drehkreuze von 56 auf 36 Prozent. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich im Luftverkehr nach Afrika.
Der Report untersucht auch den Einfluss durch regulatorische Rahmenbedingungen und steigende Standortkosten. Die staatlich festgelegten Kosten des Luftverkehrs in Deutschland – darunter Luftverkehrsteuer, Luftsicherheitsabgaben und Flugsicherungsgebühren – haben sich seit 2019 in der Spitze mehr als verdoppelt. Im Durchschnitt summieren sie sich inzwischen auf rund 30 Euro pro Passagier.
Parallel dazu haben sich die durchschnittlichen Ticketpreise für Flüge ab und in Deutschland von 2010 bis 2024 von knapp unter 150 Euro auf zuletzt rund 300 Euro verdoppelt. Neben staatlichen Abgaben wirken sich dabei unter anderem höhere Personal- und Betriebskosten aus.
Der Report verweist zudem auf die Bedeutung wettbewerbsneutraler regulatorischer Rahmenbedingungen für den Klimaschutz. Unterschiedliche Anforderungen und Kostenstrukturen führen zum Teil dazu, dass Verkehrsströme und Emissionen in Regionen außerhalb Europas verlagert werden („Carbon Leakage“), ohne dass global Emissionen eingespart werden.
Nach Prognosen des DLR wird die weltweite Zahl der Flugreisenden bis 2034 auf 154 Prozent des Vor-Corona-Niveaus steigen. Die Zahl der Passagiere wächst dabei deutlich schneller als die Zahl der Flüge. Der Grund dafür sind größere und effizientere Flugzeuge mit höherer Sitzplatzkapazität.
Der Luftverkehr verursacht derzeit rund drei Prozent der weltweiten CO2-Emissionen. Wenn Nicht-CO2-Effekten wie Kondensstreifen und Stickoxiden einbezogen werden, liegt der Anteil an den globalen Klimaeffekten bei rund fünf Prozent.
Der Report betrachtet verschiedene Ansätze, die diese Effekte verringern können. Dazu zählen effizientere Flugzeuge, nachhaltige Flugkraftstoffe (im Englischen Sustainable Aviation Fuels, kurz SAF), optimierte Flugrouten und die Reduktion langlebiger Kondensstreifen. Erste Auswertungen deuten darauf hin, dass sich solche Klimaeffekte in einzelnen Fällen durch angepasste Flugplanung verringern lassen.
„Die weltweite Nachfrage nach Luftverkehr wird weiterwachsen. Effizientere Flugzeuge, höhere Auslastungen, nachhaltige Kraftstoffe und optimierte Flugrouten sind zentrale Hebel, um Mobilität und Klimaschutz miteinander zu verbinden“, so Dr. Florian Linke, Direktor des DLR-Instituts für Luftverkehr.