Deut­sche Astro­nau­ten und ih­re Missio­nen

Deutsche im All

Im August 1978 startete Sigmund Jähn als erster Deutscher ins All. Seitdem sind bis heute elf weitere deutsche Astronauten zu Missionen aufgebrochen, um unter Weltraumbedingungen neue Technologien zu erproben. In grundlagen- und anwendungsorientierten Forschungsbereichen wie Lebens- und Materialwissenschaften, Physik, Biologie, Medizin und Erdbeobachtung gewannen sie Erkenntnisse, die das Leben auf der Erde verbessern. Darüber hinaus waren sie am Ausbau der Internationalen Raumstationen ISS beteiligt und montierten in anspruchsvollen Außenbordeinsätzen Module wie das europäische Weltraumlabor Columbus.

Auf der Internationalen Raumstation ISS waren die deutschen Raumfahrer unter anderem verantwortlich für das Andocken von Raumfrachtern, um die Versorgung der ISS-Crew zu gewährleisten. In Kontrollzentren auf der Erde nahmen sie als Nutzlastspezialisten eine wichtige Rolle bei der Kommunikation zwischen Boden- und Raumstation ein.

Mit ihren atemberaubenden Bildern aus der ISS-Aussichtskuppel „Cupola“ machten sie die Schönheit und Verletzlichkeit unseres Heimatplaneten auf eindrucksvolle Weise sichtbar und begeisterten durch zahlreiche Aktionen und Mitmachexperimente junge Menschen für die Raumfahrt und damit verbunden für Naturwissenschaften und Technik. Auf den nachfolgenden Seiten sind Informationen zu den deutschen Raumfahrern und ihren Missionen zusammengefasst

„Erst als ich meinen Helm abnehme, merke ich, dass etwas anders ist: Der Helm schwebt, gerade da wo ich ihn losgelassen habe. Wir sind in unserer Erdumlaufbahn angekommen“, schrieb Astronaut Gerhard Thiele in seinem Bordtagebuch, als er im Februar 2000 im Rahmen der Shuttle Radar Topography Mission ins All flog. Auch Astronaut Thomas Reiter geriet ins Schwärmen, nachdem er seinen Außenbordeinsatz erfolgreich durchgeführt hatte: „Wer lange Zeit in einer Raumstation arbeitet, ist natürlich froh wenn er auch mal nach draußen darf. Näher konnte ich dem Weltall nicht sein. Man arbeitet am Äußeren der Station, bewegt sich mit 28.000 Stundenkilometern und hat einen Blick, der sich durch ein Fenster nie bietet. Das ist ein überwältigendes Erlebnis, ein fast unbeschreibliches Gefühl“, sagte er.

Das Gefühl der Schwerelosigkeit erlebten bis heute zwölf Deutsche, die sich als Astronauten und Kosmonauten auf den Weg ins All machten. Bei manchen blieb es bei einem Flug, andere flogen mehrmals. Thomas Reiter kann mit zwei Langzeitmissionen auf den längsten Aufenthalt im All zurückblicken, Ulf Merbold war mit drei Missionen in elf Jahren am häufigsten im Orbit. Nicht jeder, der in das Europäische Astronautenkorps aufgenommen wurde, startete tatsächlich - Eberhard Köllner, Renate Brümmer und Heike Walpot blieben als Ersatzastronauten am Boden. Alexander Gerst war zweimal auf der Internationalen Raumfahrtstation ISS. Am 28. Mai 2014 startete er zu seinem ersten und sechsmonatigen Aufenthalt an Bord der Internationalen Raumstation ISS und am 6. Juni 2018 zu seinem zweiten Einsatz.

„Neue Horizonte zu erreichen und auch zu überwinden, treibt uns an. Mit der ISS sind wir zum ersten Mal in der Lage, unser Raumschiff Erde zu verlassen. Denn die Raumstation ist nicht nur ein einzigartiges Labor, sondern auch ein erstes Schiff, das uns in einer kontinenteübergreifenden Gemeinschaft zeigt, wie wir außerhalb der Erde zusammenleben können. horizons ist für mich auch eine ziemlich perfekte Fortführung meiner Blue-Dot-Mission. Dort lag der Fokus auf unserem blauen Planeten, jetzt freue ich mich, mit horizons den Blick noch zu erweitern“, sagte Gerst.

Im November 2021 brach als nächster deutscher Astronaut Matthias Maurer zur Internationalen ISS auf. Maurer verbrachte sechs Monate auf der Raumstation und führte während seiner Mission Cosmic Kiss zahlreiche Experimente durch.

Deutsche Astronauten und ihre Missionen in rückwärts-chronologischer Reihenfolge

Astronaut

Mission

Start

Landung

Missionsziele/-einheiten

Matthias Maurer

Cosmic Kiss

11. November 2021

6. Mai 2022

Erster Flug eines deutschen Astronauten mit einer Dragon-Raumkapsel des kommerziellen NASA­-Crew-Programms zur ISS.

Alexander Gerst

horizons

6. Juni 2018

20. Dezember 2018

Lösungen für die globalen Herausforderungen "Gesundheit, Umwelt und Klimawandel" sowie "Digitalisierung, Industrie 4.0, Energie und Mobilität von Morgen" finden (ab dem 3. Oktober auch erster deutscher Kommandant auf der ISS).

Alexander Gerst

Blue Dot

28. Mai 2014

10. November 2014

Gerst führte Experimente in den Bereichen Materialphysik, Humanphysiologie, Strahlenbiologie und Astrophysik durch und war verantwortlich für das Andocken des europäischen Raumfrachters ATV-5. Außerdem hatte er einen Außenbordeinsatz.

Hans Schlegel

STS-122

7. Februar 2008

20. Februar 2008

Columbus wurde an der Internationalen Raumstation ISS montiert.

Thomas Reiter

Astrolab (STS-121/-116)

4. Juli 2006

22. Dezember 2006

Diese Mission legte den Grundstein für die künftige Nutzung des Columbus-Labors auf der Internationalen Raumstation ISS.

Gerhard Thiele

SRTM/STS-99

11. Februar 2000

22. Februar 2000

Die Mission hatte zum Ziel, Daten für die erste dreidimensionale digitale Karte der gesamten Erdoberfläche zu sammeln, und ist auch unter dem Namen Shuttle Radar Topography Mission (SRTM) bekannt.

Reinhold Ewald

Mir 97 (Sojus TM-25/-24)

10. Februar 1997

2. März 1997

Ziel war die Fortführung des Wissenschaftsprogramms früherer Mir-Missionen.

Thomas Reiter

Sojus TM-22

3. September 1995

29. Februar 1996

Diese Mission war die zweite ESA-Mission zur Raumstation Mir im Rahmen einer Reihe von Vorbereitungsflügen für das europäische Weltraumlabor Columbus.

Ulf Merbold

Euromir 94 (Sojus TM-20/-19)

3. Oktober 1994

4. November 1994

Die erste ESA-Mission zur russischen Raumstation Mir diente der Vorbereitung auf die Ära des europäischen Weltraumlabors Columbus.

Ulrich Walter/Hans Schlegel

D2 (STS-55)

26. April 1993

6. Mai 1993

Das Space Shuttle Columbia brachte das zweite mehrfach nutzbare deutsche Raumlabor (Spacelab) in den Orbit. Auf der multidisziplinären Mission führte die Crew fast 90 Experimente auf den Gebieten Material- und Lebenswissenschaften sowie Technologie, Automatisierung, Robotik, Erd- und Weltraumbeobachtung durch.

Ulf Merbold

STS-42

22. Januar 1992

30. Januar 1992

Mit Hilfe des Mikrogravitations-Laboratorium-1 (IML-1) erforschten die Astronauten die komplexen Auswirkungen der Schwerelosigkeit auf lebende Organismen und andere Materialien.

Klaus-Dietrich Flade

Mir 92 (Sojus TM-14/-24)

17. März 1992

25. März 1992

Auf der Mission führten die Kosmonauten biologische, medizinische und materialwissenschaftliche Experimente durch.

Reinhard Furrer/Ernst Messerschmid

D1 (STS-61A)

30. Oktober 1985

6. November 1985

In nur sieben Tagen führten die Astronauten 76 Experimente durch. Furrer und Messerschmidt untersuchten unter anderem die Auswirkungen der Schwerelosigkeit bei der Materialverarbeitung und auf den menschlichen Körper.

Ulf Merbold

STS-9

28. November 1983

8. Dezember 1983

Wichtiger Teil dieser Mission war es, das von der Europäischen Weltraumorganisation ESA gebaute Weltraumlabor Spacelab in Betrieb zu nehmen.

Sigmund Jähn

Sojus-31/-29

26. August 1978

3. September 1978

Die Kosmonauten führten unter anderem Experimente mit der Multispektralkamera MFK 6 zur Fernerkundung der Erde sowie materialwissenschaftliche und medizinische Experimente durch.

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