25. September 2019
DLR Global Aviation Monitor

Rückläufige Flugbewegungen in Deutschland, verhaltenes Wachstum in der Welt bis Ende 2019

Flugzeuge am Flughafen München
Flugzeuge am Flughafen München
Bild 1/1, Quelle: Flughafen München GmbH

Flugzeuge am Flughafen München

Flugzeuge reihen sich hintereinander auf der Rollbahn vor dem Start am Flughafen München.

  • Die langjährigen hohen Wachstumsraten bei den Flugbewegungen im europäischen Luftverkehr sind im September 2019 zum Stillstand gekommen und erreichen damit den niedrigsten Wachstumswert seit 2013.
  • In Deutschland schrumpft der Luftverkehr mit einem Rückgang von zwei bis drei Prozent der Flugbewegungen auch in den kommenden Monaten.
  • Prognose: Global weiter verhaltenes Wachstum im vierten Quartal 2019.
  • Schwerpunkte: Luftfahrt, Verkehr

Seit Juni 2019 liegt das Flugbewegungsaufkommen in Deutschland unter den Werten von 2018. Lufthansa, Ryanair, Easyjet und Condor reduzierten im Vergleich zum Vorjahr ihr Angebot. Für diesen September bedeutet das bei 91.000 Starts ab Deutschland ein Minus von zwei Prozent. Bereits Anfang 2019 gingen die Wachstumsraten der Flugbewegungen in Deutschland rapide zurück und erreichten ab April ihren Nullpunkt. "Mögliche Gründe für diese Entwicklung sind die schrumpfende Wirtschaft oder mögliche Überkapazitäten bei den Airlines", sagt Dr. Peter Berster vom Kölner Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Nachdem der Luftverkehr in Deutschland lange Zeit von hohen Wachstumsraten geprägt war, gab es mit dem Ausscheiden von Air Berlin Ende 2017 einen kurzfristigen Rückgang bei den Flugbewegungszahlen. Aber schon Anfang 2018 konnte das Niveau des Vorjahres wieder erreicht werden. Danach setzte bis Ende 2018 ein rasanter Aufholeffekt ein, der sich 2019 nicht fortsetzte.

Golf-Airlines auf dem Rückzug

Der DLR Global Aviation Monitor 3/2019 verzeichnet zudem europaweit einen Stillstand. So werden mit rund einer Million Starts im September 2019 in Europa ähnlich viele Flüge abgewickelt wie im Vergleichsmonat 2018. "Auf globalem Niveau sehen wir mit insgesamt 3,35 Millionen Starts noch ein Plus von ein bis zwei Prozent bei den Flügen, das sich in der nächsten Zeit auch so fortsetzen wird", erklärt Berster. "Aber auch hier gehören Wachstumsraten von vier bis fünf Prozent, wie sie in den Jahren 2017 und 2018 üblich waren, mittlerweile der Vergangenheit an." Das größte Wachstum im Luftverkehr ist aktuell und in naher Zukunft mit drei bis vier Prozent noch in Asien und Südamerika zu finden, wobei der asiatische Luftverkehrsmarkt in den beiden Jahren zuvor mit teils überragenden Zuwächsen von zehn bis zwölf Prozent glänzte. Hohe Rückgänge sind besonders im mittleren Osten zu verzeichnen. So liegt die Anzahl der Flüge, zu denen unter anderem die bekannten Golf-Airlines Etihad, Emirates und Quatar beitragen, mit rund 106.000 Starts ganze sechs Prozent unter dem Vorjahreswert.

Mehr als 20 Prozent weniger Flüge in Dresden, Hahn und Memmingen

In Deutschland ist der Negativtrend besonders an einigen kleineren Flughäfen wie Weeze oder Hahn festzustellen. Der Rückzug der Ryanair von den kleineren Standorten führt hier zu deutlich schrumpfenden Flugbewegungen. Beispielsweise kürzt Ryanair in Hahn das Angebot um 40 Prozent, womit der Flughafen insgesamt ein Minus von 26 Prozent verkraften muss. "Wir bemerken verstärkt, dass sich einige Low Cost Carrier deutlicher als in den vergangenen Jahren auf größere Standorte konzentrieren und sich von den kleinen Flughäfen mehr und mehr zurückziehen", erklärt Berster. In einzelnen Fällen springen andere Low Cost Carrier in diese Lücken. So hat Eurowings das Angebot in Dortmund um zwölf Prozent reduziert, gleichzeitig hat Wizz das Angebot dort um 30 Prozent auf über 500 Flüge gesteigert. Ähnliches ist auf den Flughäfen Bremen oder Berlin-Schönefeld zu erkennen, wo Ryanair reduziert und Wizz das Angebot ausbaut oder neu anbietet. In Dresden macht sich mit dem drastischen Rückgang besonders der Konkurs von Germania bemerkbar. Dafür versucht Corendon einzelne ehemalige Strecken von Germania zu übernehmen etwa Rostock-Antalya oder Münster-Antalya oder wie bei Düsseldorf-Antalya auszubauen. Dazu bietet die Airline auch verstärkt von kleineren Flughäfen Flüge an.

Einige größere Flughäfen in Deutschland entwickeln sich entgegen dem negativen Trend: Im September 2019 haben die Flughäfen Düsseldorf und Stuttgart zwischen zwei und fünf Prozent mehr Flüge im Angebot als noch im Vorjahr. In Düsseldorf geht dieser starke Ausbau vor allem auf die Eurowings (+9%), Ryanair/Lauda (+14%) und Easyjet (+32%) zurück und in Stuttgart steigert Ryanair/Lauda um mehr als hundert Prozent das Angebot.

Low Cost Carrier sind global weiter auf dem Vormarsch

Während die größten Anbieter in Deutschland wie Lufthansa (-0,6%), Ryanair (-1,7%), Easyjet (-4,5%) oder Condor (-3,9%) ihr Flugangebot im September reduziert haben, konnten im weltweiten Markt die acht größten Fluggesellschaften die Anzahl der Flüge noch steigern. Dabei bleiben die drei großen allianzgeprägten amerikanischen Airlines, angeführt von American Airlines mit über 192.000 Starts, an der Spitze, vor Delta Air Lines und United Airlines. Es folgen die beiden Low Cost Carrier Southwest Airlines und Ryanair (+6% gesamt) vor den beiden chinesischen Airlines China Eastern und China Southern. Ein besonders hohes Wachstum bei den 25 weltweit größten Fluggesellschaften (nach Flügen) ist bei den Low Cost Carriern IndiGo aus Indien (+15%) und Azul aus Brasilien (+21%) zu finden.

Global Aviation Monitor

Der Global Aviation Monitor (GAM) wird vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr quartalsweise herausgegeben. In dem Bericht wird die aktuelle Situation des weltweiten, europäischen und deutschen Luftverkehrs erfasst und eine Kurzfristprognose für die nächsten drei Monate erstellt. Relevanten Akteuren im Luftverkehrsmarkt werden so frühzeitig Veränderungen im weltweiten Luftverkehr aufgezeigt. Eine neue Ampeldarstellung in dem Bericht zeigt auf den ersten Blick, wie sich die einzelnen Märkte in den kommenden Monaten entwickeln werden.

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  • Dr. Peter Berster
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
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