30. Oktober 2020
Der Deutsche ESA-Astronaut Matthias Maurer im DLR-Interview

Weg­be­rei­ter für das, was wir 20 Jah­re spä­ter fort­füh­ren

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Dr. Matthias Maurer will auch zur ISS
Dr. Mat­thi­as Mau­rer will auch zur ISS
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Dr. Matthias Maurer will auch zur ISS

Vor 20 Jah­ren hat mit der Ex­pe­di­ti­on 1 die ers­te Lang­zeit­crew die ISS in Be­trieb ge­nom­men. Für den deut­schen ESA-Astro­nau­ten Dr. Mat­thi­as Mau­rer sind Wil­liam Mc­Mi­cha­el She­pherd (NA­SA/USA), Ju­ri Paw­lo­wi­tsch Gid­zen­ko und Ser­gei Kon­stan­ti­no­witsch Kri­ka­lev (bei­de Ro­skos­mos/Russ­land) „Weg­be­rei­ter“, denn auch er möch­te bald zur In­ter­na­tio­na­len Raum­sta­ti­on auf­bre­chen.

Als sich am 2. November des neuen Jahrtausends die Luke der Internationalen Raumstation ISS zum ersten Mal öffnete, zog mit dem ersten ISS-Kommandanten William McMichael Shepherd (NASA/USA) und den Kosmonauten Juri Pawlowitsch Gidzenko und Sergei Konstantinowitsch Krikalev (beide Roskosmos/Russland) vor 20 Jahren die erste ISS-Crew in ihr neues Zuhause im All ein. Ihr 136-tägiger Aufenthalt endete am 19. März 2001 und markierte den Beginn des astronautischen Dauerbetriebes der Raumstation. Wie erinnert sich ein aktueller deutscher ESA-Astronaut an diese historische Mission? DLR-Redakteur Martin Fleischmann hatte die Gelegenheit, mit Dr. Matthias Maurer über die ersten drei Raumfahrer auf der ISS zu sprechen.

Interview von Martin Fleischmann

Herr Maurer, die ISS feiert am 2. November 2020 mit der ersten Langzeitbesatzung ihren 20jährigen astronautischen Dauerbetrieb. Haben Sie den Start der Expedition 1 damals mitverfolgt? Können Sie sich noch daran erinnern, was Sie damals am 2. November 2000 gemacht haben?

Den Start der ersten Langzeitbesatzung zur ISS Ende Oktober 2000 habe ich leider verpasst. Damals steckte ich in Aachen mitten in meiner Doktorarbeit. Ich war ganz in mein werkstoffwissenschaftliches Thema "Aluminiumschaum-Spritzschichtverbunde für den Leichtbau" vertieft. Da es damals weder soziale Medien noch Smartphones gab ist dieser Start leider an mir vorüber gegangen.

William McMichael "Bill" Shepherd, Juri Pawlowitsch Gidzenko und Sergei Konstantinowitsch Krikalev sind ja als Expedition 1 sozusagen auch die Wegbereiter Ihrer Mission. Welche Rolle spielt für Sie und Ihre Mission die Expedition 1?

Diese ersten Astronauten der ISS haben sie in Betrieb genommen. Sie haben wichtige Systeme installiert, beispielsweise für die Bereitstellung von Atemluft oder die Inbetriebnahme der Sanitärsysteme. Sie haben mit den ersten wissenschaftlichen Experimenten begonnen, die wir heute noch weiterverfolgen, zum Beispiel die Herstellung von Proteinkristallen. Aber auch die Motivation der jungen Generation, beispielsweise von Studentinnen und Studenten mithilfe von Amateurfunk beziehungsweise des ARISS-Projekts, wurde bereits von der Crew der Expedition 1 wahrgenommen. Das heißt die ersten Astronauten auf der ISS waren Wegbereiter für das, was wir jetzt, 20 Jahre später, fortführen. Heute natürlich viel zeitgemäßer, moderner und mit ausgereifteren Experimenten. Wir haben mittlerweile sehr viel dazugelernt.

Die drei durften ja damals vom Startplatz von Juri Gagarin zur ISS aufbrechen, was eine große Ehre war. Wie würden Sie die Mission insgesamt geschichtlich einordnen?

Die Expedition 1 war für die Raumfahrt sicher ein großer Meilenstein. Nicht nur für die USA, Russland und Europa, sondern für die Raumfahrt allgemein – und Wegbereiter für internationale Kooperationen und Langzeitmissionen.

Was fällt Ihnen spontan als Erstes ein, wenn Sie an diese Zeit zurückdenken und welche Erinnerungen haben Sie an die Expedition 1?

Meine Gedanken damals waren sicher "Mensch, Astronaut sein, das ist für mich so unglaublich weit weg." Mich hat Raumfahrt schon immer fasziniert, aber das ich selbst einmal in diese Rolle schlüpfen könnte, das hätte ich mir damals im Jahr 2000 mit Sicherheit nicht vorstellen können. Rückblickend muss ich darüber ein wenig schmunzeln, da ich in einem Jahr voraussichtlich auch dort sein werde.

Die ISS hat sich ja in 20 Jahren erheblich erweitert. Wie schätzen Sie die Forschungsmöglichkeiten heute im Vergleich zu damals ein?

In diesen 20 Jahren ist die Station unglaublich gewachsen. Die Experimente sind ausgereifter als damals. Die Experimentatorinnen und Experimentatoren wissen nun viel besser, wie man auch unter Bedingungen der Schwerelosigkeit Experimente ideal durchführt. Von daher ist die Qualität der Experimente heute eine ganz andere. Aber auch damals wurde schon erstklassige Forschung im Weltraum betrieben und die Experimente waren Wegbereiter für die herausragende Wissenschaft, die wir heute im Weltraum betreiben.

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