8. Juli 2021
Hamburg macht die Luftfahrt fit für Wasserstoff

Er­pro­bung der War­tungs- und Bo­den­pro­zes­se zu­künf­ti­ger Flug­zeug­ge­ne­ra­tio­nen

Mögliche Anwendungsfelder für flüssigen Wasserstoff in zukünftigen Flugzeugen sowie am Flughafen und seiner Peripherie
Mög­li­che An­wen­dungs­fel­der für flüs­si­gen Was­ser­stoff in zu­künf­ti­gen Flug­zeu­gen so­wie am Flug­ha­fen und sei­ner Pe­ri­phe­rie
Credit: Hamburg Marketing

Mögliche Anwendungsfelder für flüssigen Wasserstoff in zukünftigen Flugzeugen sowie am Flughafen und seiner Peripherie

Die blau­en Pfei­le skiz­zie­ren po­ten­zi­el­le An­wen­dungs­fel­der im Flug­zeug: So könn­ten zu­künf­tig zum Bei­spiel die Sa­tel­li­ten­kom­mu­ni­ka­ti­on so­wie Gal­leys, Ka­bi­nen- oder IFE-Sys­te­me mit Elek­tri­zi­tät aus ei­ner Brenn­stoff­zel­le be­trie­ben wer­den. Wel­che An­wen­dungs­fel­der tat­säch­lich in der prak­ti­schen Eva­lua­ti­on ge­nau­er un­ter­sucht wer­den sol­len, le­gen die Pro­jekt­part­ner in den kom­men­den Mo­na­ten fest.
  • Hansestadt Hamburg fördert Aufbau eines Wasserstofftank-Demonstrators.
  • In den nächsten Jahren sollen Wartungsprozesse im Flugzeug im Zusammenspiel mit der Infrastruktur am Boden erforscht werden.
  • DLR arbeitet gemeinsam mit Lufthansa Technik, dem ZAL und dem Hamburg Airport.
  • Schwerpunkte: Luftfahrt, Digitalisierung, Wasserstoff, klimafreundliches Fliegen

Die Luftfahrtbranche in Hamburg bereitet sich auf das Fliegen mit Wasserstoff vor. Dazu ist nun der Startschuss für den Aufbau einer neuen Entwicklungsplattform gefallen. Gefördert von der Hansestadt wird das DLR zusammen mit Lufthansa Technik, dem ZAL sowie dem Hamburg Airport in den kommenden zwei Jahren umfangreiche Wartungs- und Bodenprozesse im Umgang mit der Wasserstofftechnologie konzipieren und erproben. Dazu wird auf der Hamburger Lufthansa-Technik-Basis ein Flugzeug der Airbus-A320-Familie zum stationären Labor umgebaut.

Flüssiger Wasserstoff (LH2) wird in den Entwicklungsabteilungen der großen Flugzeughersteller immer konkreter als nachhaltig produzierbarer Kraftstoff für zukünftige Generationen von Verkehrsflugzeugen ins Auge gefasst. Um die Auswirkungen des Einsatzes von LH2 auf Wartungs- und Bodenprozesse schon frühzeitig zu untersuchen, bündeln Lufthansa Technik, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung (ZAL) und der Hamburg Airport nun ihre umfangreiche praxisnahe und wissenschaftliche Expertise. Ziel ist es, gemeinsam einen zukunftsweisenden Demonstrator zu entwickeln und ab 2022 zu betreiben.

Als drittgrößter Luftfahrtstandort der Welt fördert die Freie und Hansestadt Hamburg das Forschungsvorhaben mit dem größten einzelnen Posten aus ihrem Sonderprogramm zur Dämpfung der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Luftfahrtbranche.

„Hamburg ist nicht nur einer der drei größten Luftfahrtstandorte der Welt, im vergangenen Jahr hat die Hansestadt auch die klare Vision entwickelt, zu einer bedeutenden Wasserstoff-Metropole zu werden“, erklärte Michael Westhagemann, Senator für Wirtschaft und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg. „Ich sehe es daher als einen ebenso logischen wie erfreulichen Schritt an, diese beiden Kernkompetenzen der Hansestadt miteinander zu kombinieren. Der Hafen, die Energiewirtschaft, die Industrie und der gesamte Mobilitätssektor sind eingebunden und bereiten sich auf diese wegweisende Technologie vor. Mit diesem Vorhaben leisten wir nun auch einen essentiellen Beitrag zur Transformation der Luftfahrt zu einer klimaneutralen Mobilitätslösung der Zukunft. Klares Ziel ist der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft am Standort Hamburg, die international eine Spitzenposition einnimmt.“   

Planung detaillierter Entwicklungsschritte beginnt

Ziel der Partner ist es, in der ersten Phase des Projekts bis Ende 2021 die dringendsten Entwicklungsfelder für die genauere wissenschaftliche Betrachtung zu identifizieren und auf dieser Basis das Konzept für die anschließende praktische Erprobung auszuarbeiten.  Die praktische Umsetzung des Konzepts beginnt ab Anfang 2022 und sieht die Modifikation eines ausgemusterten Flugzeugs der Airbus-A320-Familie vor. Dieses wird mit einer LH2-Infrastruktur ausgestattet, um auf der Hamburger Lufthansa-Technik-Basis als voll funktionsfähiges Reallabor zu fungieren. Parallel dazu entsteht beim DLR eine virtuelle Umgebung, mittels der eine digitale und hochgenaue Abbildung der zuvor festgelegten Entwicklungsfelder erreicht werden soll. Die neue Entwicklungsplattform soll durch parametrierte und hochgenaue virtuelle Modelle Impulse für den Design-Prozess der nächsten Flugzeuggeneration liefern.

Lufthansa Technik wird vor diesem Hintergrund vor allem seine große operative Expertise bei der Instandhaltung und Modifikation von Verkehrsflugzeugen in das Vorhaben einbringen und kann durch den engen Kontakt zu Airlines auf der ganzen Welt auch die Kundenperspektive einfließen lassen. Das DLR wird seine langjährige und sektorübergreifende Erfahrung mit Wasserstoff ergänzen und den Schwerpunkt auf die Entwicklung der virtuellen Umgebung legen. Das ZAL beteiligt sich darüber hinaus mit seinem großen Know-how auf dem Gebiet der Brennstoffzellentechnik und deren digitaler Prozessabbildung. Der Hamburg Airport als assoziierter Partner wird vor allem seine Erfahrungen aus der Betreibersicht beisteuern, beispielsweise in der Definition von Anforderungen an den Bodenabfertigungsprozess zukünftiger LH2-betriebener Flugzeuge.

„Die Transformation unserer Branche hin zum klimaneutralen Fliegen ist alternativlos. Mit diesem Projekt wollen wir diese enorme technologische Herausforderung, auch für die MRO-Industrie, schon frühzeitig angehen. Damit betreiben wir aktive Zukunftssicherung, weil wir schon heute Know-How für die Wartungs- und Bodenprozesse von übermorgen aufbauen“, erklärte Dr. Johannes Bußmann, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Technik AG. „Ich bin daher froh, dass uns bei diesem Vorhaben ein Schulterschluss mit starken Partnern gelungen ist. Für die Weitsicht der Stadt Hamburg und die großzügige Förderung dieses Vorhabens bin ich sehr dankbar.“

„Die Flugzeuge der Zukunft sind leichter, effizienter und fliegen mit alternativen Antriebskonzepten. Wasserstoff wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Wir müssen rechtzeitig detailliert lernen, welche Anforderungen der Realbetrieb mit Wasserstoff am Boden für Flugzeuge und Wartung bereithält“, sagte Dr. Markus Fischer, DLR-Bereichsvorstand Luftfahrt. „Mit diesen Daten und Erfahrungen entwickeln wir im Projekt digitale Modelle für Bodenprozesse. Diese digitalen Prozess-Zwillinge können dann direkt im Entwurf zukunftsweisender und gleichzeitig praktikabler Flugzeugkonfigurationen eingesetzt werden.“

 „Die Entwicklung eines Reallabors und digitalen Zwillings ist ein wichtiger Baustein von Hamburgs Green Aviation Technology Roadmap. Diese wurde gemeinsam mit den Mitgliedern des Hamburg Aviation Clusters im letzten Jahr entwickelt, um Hamburgs Kompetenzen in Forschung und Entwicklung im europäischen Kontext zu stärken“, sagte Roland Gerhards, Chief Executive Officer der ZAL GmbH. „Wir danken der Stadt Hamburg für die Unterstützung, nun gemeinsam diese Standortstrategie zur Entwicklung zukünftiger LH2-betriebener Luftfahrzeuge umzusetzen.“

Michael Eggenschwiler, Vorsitzender der Geschäftsführung am Hamburg Airport, sagte: „Klimafreundliches Fliegen mit Wasserstoff-Technologie ist nur möglich, wenn auch die Infrastruktur am Boden optimal passt. Hier ist eine enge Abstimmung gefragt, und wir als Flughafen freuen uns, unser Know-how in diesem wichtigen Projekt beisteuern zu können: von Fragen der Lagerung über die Distribution bis hin zum Betankungsprozess auf dem Vorfeld. Auch am Flughafen setzen wir bei unseren Bodenverkehren auf Wasserstoff als Technologie der Zukunft. Dieses Projekt bietet uns die Chance, Synergieeffekte zwischen gasförmigem Wasserstoff, wie er beispielsweise für die Betankung unserer Gepäckschlepper genutzt wird, und flüssigem Wasserstoff für die Flugzeug-Betankung zu  identifizieren und bestmöglich zu nutzen.“

Lufthansa Technik:

Der Lufthansa Technik-Konzern ist mit rund 35 Tochter- und Beteiligungsunternehmen einer der weltweit führenden Anbieter flugzeugtechnischer Dienstleistungen. Mehr als 22.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für den international zertifizierten Instandhaltungs-, Herstellungs- und Entwicklungs-betrieb tätig. Das Angebot von Lufthansa Technik umfasst das gesamte Service-Spektrum für Verkehrs-, VIP- und Special Mission-Flugzeuge. Dazu gehören die Wartung, Reparatur, Überholung und Modifikation von Triebwerken, Komponenten sowie Fahrwerken, aber auch die Herstellung von innovativen Kabinen-produkten und eine digitale Flottenbetreuung.

ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung:

Das ZAL Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung in Hamburg ist eine der modernsten Forschungseinrichtungen der zivilen Luftfahrt weltweit. Auf 26.000 m² bietet das Forschungszentrum 600 Mitarbeitern modernste Einrichtungen für gemeinsame Forschung und Entwicklung. Nach dem Konzept der "Open Innovation" arbeiten hier ca. 30 Partnerinstitutionen aus Industrie und Wissenschaft an den Innovationen von morgen. In diesem einzigartigen Umfeld arbeitet die ZAL GmbH mit rund 30 Wissenschaftlern und Ingenieuren. Sowohl partnerschaftlich als auch an eigenen Forschungsprojekten treiben die Luftfahrtexperten Technologietrends wie Robotik, 3D-Druck, Kabinennetze oder Brennstoffzelle voran.

Hamburg Airport:

Hamburg Airport ist der fünftgrößte Flughafen in Deutschland und rüstet sich mit einer modernen Infrastruktur für alle Herausforderungen im Flugverkehr der Zukunft. Rund 15.000 Beschäftigte sind in fast 250 Firmen auf dem Flughafen-Gelände tätig (allein bei der Hamburg Airport Gruppe: rund 2.000). Gesellschafter des teilprivatisierten Flughafens sind die Freie und Hansestadt Hamburg mit 51 Prozent sowie die AviAlliance GmbH mit 49 Prozent. Mit den Regionen Hamburg, Schleswig-Holstein sowie Teilen Niedersachsens, Mecklenburg-Vorpommerns und Dänemarks verfügt Hamburg Airport über ein großes Einzugsgebiet und ist der größte Flughafen Norddeutschlands. 2019 zählte Hamburg Airport über 17 Millionen Passagiere pro Jahr sowie rund 140 Direktziele von 70 Airlines.

Kontakt
  • Jana Hoidis
    Kom­mu­ni­ka­ti­on Bre­men, Bre­mer­ha­ven, Ham­burg, Ol­den­burg, Geest­hacht
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)

    Kom­mu­ni­ka­ti­on und Pres­se
    Telefon: +49 421 24420-1908
    Am Fallturm 9
    28359 Bremen
    Kontaktieren
  • Jörn Biedermann
    Deut­sches Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt (DLR)
    In­sti­tut für System­architekturen in der Luft­fahrt
    Hein-Saß-Weg 22
    21129 Hamburg
    Kontaktieren
Neueste Nachrichten

Hauptmenü