21. November 2022
Mission FireBIRD

Ab­schied vom Tech­no­lo­gie-Er­pro­bungs­trä­ger (TET-1)

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Raumfahrt
Kleinsatellit BIROS und TET-1: Die "Feuerlupen" der FireBIRD-Mission
Klein­sa­tel­lit BI­ROS und TET-1: Die "Feu­er­lu­pen" der Fi­re­BIRD-Missi­on
Credit: DLR (CC-BY 3.0).

Kleinsatellit BIROS und TET-1: Die "Feuerlupen" der FireBIRD-Mission

BI­ROS ist der zwei­te Sa­tel­lit der Missi­on Fi­re­BIRD. Die Haupt­nutz­last ist ein hoch­sen­si­bles In­fra­rot-Ka­me­ra­sys­tem, mit dem der "Fi­re Ma­gni­fier" - ge­nau wie sein "Bru­der" TET-1 - als Feu­er­früh­warn­sys­tem und zur Kli­ma­for­schung aus dem Welt­raum im Ein­satz ist.
  • Der Technologie-Erprobungsträger (TET-1) trat am 18. November 2022 in die Erdatmosphäre ein und verglühte vollständig.
  • Forschung und Industrie nutzten TET-1 seit dem Start 2012 ein Jahr lang im Rahmen der OOV-TET-1 Mission, um neue Produkte unter Weltraumbedingen zu erproben.
  • Der Kleinsatellit wurde im November 2013 Teil der Mission FireBIRD und lieferte Daten zur Analyse von Hochtemperaturereignissen an der Erdoberfläche. Insgesamt wurden etwa 7.600 Aufnahmen durchgeführt. Innerhalb der Gesamtmission sind circa 150 wissenschaftliche Publikation sowie Bachelor-, Masterarbeiten und Dissertationen entstanden.
  • Schwerpunkte: Raumfahrt, Kleinsatellitentechnologie, Erdbeobachtung

Nach zehn Jahren im Orbit trat der Technologie-Erprobungsträger (TET-1) am 18. November 2022 in die Erdatmosphäre ein und verglühte dabei vollständig. Als Teil der Kleinsatelliten-Mission FireBIRD des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erfassten TET-1 und BIROS Hochtemperaturereignisse an der Erdoberfläche.

TET-1 lieferte wichtige Beiträge für die Forschung

Besondere Bedeutung hat TET-1 als Technologie-Erprobungsträger. Seine Aufgabe bestand zunächst darin, ein Jahr lang elf Experimente im Rahmen des Programms „On-Orbit-Verifikationen von neuen Techniken und Technologien" (kurz OOV) durchzuführen. „TET-1 hat zu vielen wertvollen Erfahrungen in der Forschung beigetragen“, blickt Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, DLR-Vorstandsvorsitzende, auf die erfolgreiche Laufzeit zurück. „Forschungseinrichtungen und Industrieunternehmen nutzten den Kleinsatelliten, um neue Raumfahrttechnologien, die bis dahin nur in irdischen Laboren getestet wurden, unter Weltraumbedingungen zu erproben und deren Zuverlässigkeit sowie Verwendbarkeit unter Beweis zu stellen. Für die Hersteller bedeuteten diese Tests ein neues Maß an Sicherheit.“ So wurden unter anderem ein Lithium-Polymer-Batteriesystem, ein GPS-Empfänger und neuartige Solarzellen getestet.

TET-1 als Feuerlupe

Nach seiner erfolgreichen Mission als Technologie-Erprobungsträger wurde TET-1 in die Mission FireBIRD integriert. Ab Juni 2016 flog er gemeinsam mit BIROS (Bi-spectral Infrared Optical System), einem weiteren DLR-Kleinsatelliten, als FireBIRD- Konstellation.

„Mit seinen sensiblen Wärmebildsensoren waren die Kleinsatelliten TET-1 und BIROS, ähnlich wie ihr Vorläufer BIRD, in der Lage, Brände zu erfassen und zu vermessen und zwar von kleinen bis zu sehr großen. Das war zuvor in dieser Präzision noch nicht möglich“, sagt Thomas Terzibaschian vom DLR-Institut für Optische Sensorsysteme. Nicht nur Brände ließen sich nun genauer bewerten, sondern auch „Wärmeunregelmäßigkeiten“ wie aktive Vulkane, brennende Schiffe, Industrie-Hotspots, Gasfackeln, chemische Hitzeentwicklungen oder Schwelfeuer. Diese Ereignisse konnten somit quantitativ erfasst und ihr Einfluss auf das Klima besser untersucht werden.

Hauptnutzlast von TET-1 und BIROS war das leistungsstarke Infrarotkamerasystem Hot Spot Recognition System (HSRS), mit dem diese Satelliten wie mit Adleraugen irdische Hochtemperaturereignisse „unter die Lupe“ nehmen können. So konnte TET-1 im heißen Sommer 2015 einen großen sowie mehrere kleine Brände im US-amerikanischen Oregon registrieren und vermessen. Im Oktober 2015 lieferte der DLR-Satellit präzise Aufnahmen zu den Feuerherden in großflächigen Wald- und Torfbränden in Indonesien.

Ein Kleinsatellit als Multitalent

Mit seinen Abmessungen von 670 x 580 x 880 Millimeter und seinem Gesamtgewicht von 110 Kilogramm, wovon etwa 50 Kilogramm Nutzlast-Segment wog, konnte TET-1 „huckepack“ zusammen mit einem größerem Hauptsatelliten kostengünstig starten. TET-1 startete am 22. Juli 2012 mit einer russischen Sojus/Fregat-Rakete von Baikonur in Kasachstan in den Erdorbit, in eine Höhe von rund 520 Kilometern. Während eines Erdumlaufes von circa 90 min Dauer war er 60 Minuten lang der Sonnenstrahlung ausgesetzt.

Der Kleinsatellit TET-1 wurde im Auftrag der DLR-Raumfahrtagentur vom den deutschen mittelständischen Firmen Kayser-Threde GmbH und Astro- und Feinwerktechnik Adlershof GmbH (kurz „Astrofein“) entwickelt und gebaut, wobei die Kayser-Threde GmbH als Projektleiter insbesondere für die Nutzlastintegration zuständig war. Der TET-Satellitenbus wurde von „Astrofein“ nach dem Vorbild von BIRD mit Unterstützung des DLR Institutes für Optische Sensorsysteme entwickelt. Er ist als sogenannter „Multimissionsbus“ konzipiert, wodurch er für weitere Kleinsatellitenmissionen, wie z. B. BIROS, nachnutzbar war und ist.

Anders als BIROS, hat TET-1 kein eigenes Antriebssystem. Bis zu seinem Wiedereintritt am 18. November 2022 war TET-1 noch immer aktiv, konnte Kommandos empfangen, Messwerte senden sowie seine Lage autonom kontrollieren. Der TET-1 Satellit verglühte beim Wiedereintritt in die Atmosphäre nach 10 Jahren im Orbit vollständig.

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