3. März 2015

Viel Licht und wenig Schatten auf Churyumov-Gerasimenko

Die Sonne exakt im Rücken blickte die OSIRIS-Kamera am 14. Februar 2015 auf die Oberfläche von Komet Churyumov-Gerasimenko – und so stammt der einzige Schatten auf dieser Aufnahme auch vom Fotografen, der Rosetta-Sonde, selbst. "Bei Aufnahmen mit einer solchen Konstellation erkennt man vor allem die echten Helligkeitsunterschiede auf der Kometenoberfläche, die nicht durch einen Schattenwurf entstehen, sondern durch Streuung an den Staubkörnern an der Kometenoberfläche", erläutert Dr. Ekkehard Kührt, Kometenforscher am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Wissenschaftler im OSIRIS-Team. "Man kann so beispielsweise gut die Größe der Staubkörner auf der Oberfläche weit unterhalb der Auflösung der Kamera bestimmen." Die Aufnahme entstand bei einem Vorbeiflug der Raumsonde aus sechs Kilometern Höhe.

Von eben bis zerklüftet

Auf dem 228 mal 228 Meter großen Terrain sind ebenes Gelände, aber auch zerklüftete Strukturen zu sehen, getrennt von schroffen Terrassen. "Die Höhe dieser Terrassen ist nur schwer abzuschätzen, weil wir exakt von oben auf die Oberfläche blicken." Imhotep haben die Wissenschaftler die Region getauft, die am "Bauch" des größeren Kometenkörpers in der Nähe des Äquators liegt. Sie befindet sich der Landestelle von Philae entgegengesetzt – so war auch keine Gelegenheit, mit etwas Glück den Lander im Vorbeiflug zu entdecken. In der unteren Bildhälfte ist der Schatten der Raumsonde Rosetta als etwa 20 mal 50 Quadratmeter großer verwaschener Fleck zu sehen. Die angrenzende Kometenoberfläche ist heller als der Rest, da hier Komet, Orbiter und Sonne genau auf einer Achse lagen.

Der nahe Vorbeiflug an Churyumov-Gerasimenko dauerte nur kurz - die Rosetta-Sonde flog am 17. Februar 2015 bereits wieder in einer Entfernung von 253 Kilometern von Churyumov-Gerasimenko, näherte sich ihm am 25. Februar wieder auf 76 Kilometer und wurde am 28. Februar aus 110 Kilometern Entfernung auf den Kometen blicken.

Ganz nah am Kometen

Die OSIRIS-Aufnahme vom 14. Februar - dem Tag, an dem die Sonde dem Kometen am nächsten kam - hat eine Auflösung von elf Zentimetern pro Pixel. Höher aufgelöste Aufnahmen der Kometenoberfläche konnte bisher nur die ROLIS-Kamera machen, die an der Unterseite des Landers Philae sitzt. Bereits beim Abstieg auf Churyumov-Gerasimenko fotografierte sie den Kometen mit einer Auflösung von vier Zentimetern pro Pixel. Aufnahmen, die nach der Landung direkt über der Kometenoberfläche mit Hilfe künstlicher Beleuchtung entstanden, werden zurzeit ausgewertet. Sie haben eine Auflösung von weniger als einem Millimeter pro Pixel und sollen Aufschluss über die Feinstruktur des Himmelskörpers geben. Erste Ergebnisse werden im April 2015 erwartet.

Die Mission

Rosetta ist eine Mission der ESA mit Beiträgen von ihren Mitgliedsstaaten und der NASA. Rosettas Lander Philae wird von einem Konsortium unter der Leitung von DLR, MPS, CNES und ASI beigesteuert.

Die Kamera OSIRIS wurde von einem Konsortium gebaut unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (Deutschland) in Zusammenarbeit mit CISAS, Universität Padova (Italien), dem Laboratoire d’Astrophysique de Marseille (Frankreich), dem Instituto de Astrofísica de Andalucia, CSIC (Spanien), ESAs Scientific Support Office, dem Instituto Nacional de Técnica Aeroespacial (Spanien), der Universidad Politéchnica de Madrid (Spanien), des Department of Physics and Astronomy of Uppsala University (Schweden) und dem Institute of Computer and Network Engineering der TU Braunschweig (Deutschland). OSIRIS wurde finanziell gefördert durch die nationalen Agenturen von Deutschland (DLR), Frankreich (CNES), Italien (ASI), Spanien (MEC) und Schweden (SNSB) sowie dem ESA Technical Directorate.

ROLIS (ROsetta Lander Imaging System) wurde vom DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin entwickelt.

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