25. April 2023 | Studie zu Flugreisen im Sommer 2023

Luftverkehr geht in Deutschland um rund 24,5 Prozent zurück

Start in den Sommer
Der Luftverkehr Deutschlands wird in diesem Sommer voraussichtlich um 24,5 Prozent unter dem Wert von 2019 liegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).
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Peter Freitag / pixelio.de

  • DLR-Wissenschaftler erwarten Rückgang des Flugverkehrs.
  • Aktuelle Studie zeigt Entwicklung des Luftverkehrs nach der Pandemie.
  • Schwerpunkte: Entwicklung des Flugverkehrs, Reisen

Der Luftverkehr Deutschlands wird in diesem Sommer voraussichtlich um 24,5 Prozent unter dem Wert von 2019 liegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Nachdem die pandemiebedingten Reisebeschränkungen global aufgehoben worden sind, haben Wissenschaftler des DLR-Instituts für Luftverkehr die Entwicklung der nationalen und internationalen Flugbewegungen von den deutschen Flughäfen aus analysiert. Aufgrund der Beschränkungen der Jahre 2020 und 2021 wurden diese Jahre ausgeklammert und das Jahr 2019 als Referenz genutzt. Die Studie geht nicht auf mögliche Gründe für den Rückgang der Flugreisen ein, da diese sehr individuell sind und sich nicht gesichert erfassen lassen. Als Basis dienen die Flugplandaten (Stand März 2023).

Für den Sommer (Juli) 2023 sind nach derzeitigem Stand weltweit rund 3,1 Millionen Flüge geplant, was rund 90 Prozent des Vor-Corona-Aufkommens von 2019 entspricht. Auch Westeuropa wird mit rund 584.000 geplanten Starts rund 90 Prozent des Aufkommens von 2019 erreichen. Eine Analyse der voraussichtlichen deutschen Flugangebote für Juli 2023 zeigt im Vergleich zum Jahr 2019, unabhängig vom jeweiligen Reisezweck, jedoch einen Rückgang von rund 24,5 Prozent. Dies kann an den einzelnen Flughäfen deutlich variieren, dabei kann es sowohl zu Rückgängen wie auch zu Steigerungen der Angebote kommen.

Stärkere Zuwächse sind besonders an kleineren Flughäfen, wie beispielsweise Dortmund, Niederrhein und Memmingen zu erwarten. An den beiden Hubs Frankfurt und München wird ein Aufkommen von 85 Prozent beziehungsweise 72 Prozent der Flüge von 2019 erwartet. Auch das Flugangebot an den anderen deutschen Großflughäfen, wie Düsseldorf, Köln und Hamburg wird noch 20-30 Prozent unter dem Wert von 2019 liegen.

Reiseziele

Im Sommer 2023 werden mit rund 89 Prozent die meisten Flüge zu Zielen innerhalb Europas, einschließlich Deutschland angeboten, ein ähnlicher Wert wie 2019. Während der innerdeutsche Verkehr voraussichtlich rund 47 Prozent unter dem Wert von 2019 liegen wird, geht der Verkehr zu den europäischen Zielen nur um rund 19 Prozent zurück.

Eine Betrachtung auf Länderebene zeigt, dass die meisten Starts im innerdeutschen Verkehr stattfinden. Es folgen die aufkommensstärksten Zielländer in Europa: Spanien und die Türkei. Aufkommensstärkstes nicht europäisches Zielland sind die USA. Dabei wird es allerdings deutliche Unterschiede in der Entwicklung zwischen Sommer 2019 und Sommer 2023 geben. Das Flugangebot in 60 der rund 100 von Deutschland aus angeflogenen Länder, wird reduziert werden.

Einen erheblichen Rückgang von mehr als 1.000 Flügen im Juli wird es im innerdeutschen Verkehr geben, sowie nach Italien, Russland, England, die Schweiz, Österreich und Spanien. Dafür gibt es Zuwächse von mehr als 100 Starts u.a. in die Türkei und nach Albanien, aber auch nach Griechenland wird das Angebot stark erhöht. Auffallend ist dabei, dass die aufkommensstarken Ziele in Europa wie Deutschland, Italien, England und Spanien allesamt Verkehre verloren haben, lediglich Griechenland und die Türkei können Zuwächse verzeichnen.

Touristik

Abhängig von dem Reiseziel gibt es unterschiedliche Motivationen der Reisenden, dorthin zu fliegen. In Gebiete mit einer hohen touristischen Attraktion und Infrastruktur sind es eher Privat- und Urlaubsreisende, in Städte mit einem hohen Dienstleistungs- und Bankensektor eher Geschäftsreisende.

In Deutschland wurden bis zur Coronapandemie über 50 Prozent aller Flugreisen wegen einer längeren Urlaubsreise durchgeführt. Zusätzlich gab es noch rund 15 Prozent private Kurzreisen. Die restlichen gut 30 Prozent waren Geschäftsreisen. Aktuelle Differenzierungen liegen leider nicht vor. Während innerdeutsch die Geschäftsreisen deutlich dominierten, waren es ins Ausland die Urlaubsreisen. So lag der Anteil der Urlaubsreisen auf Flügen ins europäische Ausland bei knapp 60 Prozent und im interkontinentalen Verkehr bei über 70 Prozent. Je nach Zielgebiet/Zielflughafen kann es Abweichungen von dieser durchschnittlichen Verteilung geben, so wurden die Kanarischen Inseln fast ausschließlich von Touristen besucht, während Flugreisen nach Österreich vorwiegend einen geschäftlichen Hintergrund hatten.

Fluggesellschaften und Strecken

Ein Blick auf die Anbieter der Flüge zeigt, dass Lufthansa und Eurowings in diesem Jahr rund 50 Prozent Marktanteil haben. Nach Lufthansa und Eurowings werden Ryanair und Sun Express die aufkommensstärksten Fluggesellschaften im Sommer in Deutschland sein.

Eine besondere Bedeutung kommt der Betrachtung einzelner Strecken unter dem Blickwinkel der Vielfältigkeit des Flugangebots zu. Was hat sich verändert? Wie hoch ist die Bedienungshäufigkeit, gibt es Wettbewerb bei den Fluggesellschaften oder gibt es Alternativen?

So zeigt sich beispielsweise auf den Strecken im innerdeutschen Verkehr im Juli 2023, dass auf 92 Strecken 10.767 Flüge angeboten werden. Davon sind 77,5 Prozent Lufthansa-Flüge und 18 Prozent Flüge der Eurowings, so dass beide Gesellschaften zusammen im innerdeutschen Verkehr auf einen Anteil von über 95 Prozent kommen. Auf Streckenebene betrachtet bedeutet das, dass von den 92 Strecken in diesem Sommer 72 nur von Lufthansa/Eurowings bedient werden, 18 weitere werden ausschließlich von anderen Gesellschaften angeboten und 2 werden im Wettbewerb beflogen.

Anders sieht dies auf mehr oder weniger touristischen Strecken aus. Hier arbeiten Reiseveranstalter mit unterschiedlichen Airlines zusammen. So treten hier Ferienfluggesellschaften untereinander, aber auch mit Low Cost Carriern in Wettbewerb.

Ob sich der Trend zu weniger Flugreisen innerhalb Deutschlands weiter fortsetzt oder sich in Höhe der Werte des europäischen Luftverkehrs einpendelt, wird der Gegenstand von Folgestudien sein.

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Kontakt

Michel Winand

Kommunikation Köln, Bonn, Jülich, Aachen, Rheinbach und Sankt Augustin
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Kommunikation
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Tel: +49 2203 601-2144

Dr. Peter Berster

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Institut für Luftverkehr
Linder Höhe, 51147 Köln