BEXUS 38/39: Ballonexperimente von Studierenden in der Stratosphäre erfolgreich abgeschlossen



- REXUS/BEXUS ist das Forschungsprogramm für Studierende der Deutschen Raumfahrtagentur im DLR und der schwedischen Raumfahrtagentur SNSA.
- Während der Projektzeit durchlaufen die Studierenden den gesamten Zyklus eines echten Raumfahrtprojekts.
- Mit an Bord waren fünf Experimente von deutschen Hochschulen.
- Schwerpunkte: Raumfahrt, Forschung unter Weltraumbedingungen, Forschung und Transfer, Karriere und Nachwuchs
Nach elf Monaten Vorbereitung war es so weit: Am 14. und 17. Oktober 2026 sind die beiden Forschungsballons BEXUS 38 und 39 vom Raumfahrtzentrum Esrange in Nordschweden gestartet. BEXUS (Ballon-Experimente für Universitäts-Studierende) ist das Forschungsprogramm für Studierende der Deutschen Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Schwedischen Raumfahrtagentur SNSA (Swedish National Space Agency).
Während der Projektzeit durchlaufen die Studierenden den gesamten Lebenszyklus eines Raumfahrtprojekts. Sie werden dabei von Fachleuten aus der deutschen und europäischen Raumfahrt begleitet. Die BEXUS-Stratosphärenballons können eine Höhe von bis zu 35 Kilometern erreichen. Ihre Flug- und damit die Experimentzeit betragen windabhängig zwei bis fünf Stunden. Insgesamt konnten elf Teams aus Deutschland, Spanien, Dänemark, Rumänien, dem Vereinigten Königreich, Schweden und Portugal einen der Startplätze erhalten. Fünf Teams kamen dabei von deutschen Hochschulen – so viele wie noch nie.
ALBEDO: Wie viel Sonnenstrahlung reflektiert die Erde?
Die Erdatmosphäre ist in der Lage, einen gewissen Teil der Sonneneinstrahlung zu reflektieren. Das Verhältnis von reflektierter zu einfallender Strahlung wird als Albedo bezeichnet. Im gleichnamigen Experiment der Hochschule Nordhausen wurden sowohl das sichtbare Sonnenlicht als auch dessen Infrarotstrahlung gemessen, um die Albedo der Erde abschätzen zu können. Das Experiment zeigte zudem die Möglichkeit, kosteneffiziente Sensorsysteme für die Atmosphärenforschung zu nutzen.
CLOUDS: Kalkaerosole für das Strahlungsmanagement
Calciumcarbonat-Aerosol, also Staub aus Kalk, kann Licht reflektieren. Das Experiment CLOUDS (Calcium Carbonate Light Observation Under Stratospheric Dynamics and Scattering) der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Technischen Hochschule Mittelhessen untersucht, wie diese Aerosole in der Stratosphäre die Sonnenstrahlung verändern. Ziel ist herauszufinden, ob die Partikel für das sogenannte Solar Radiation Management (SRM) geeignet wären. SRM umfasst technologische Ansätze, die darauf abzielen, einen Teil der einfallenden Sonnenstrahlung ins All zu reflektieren und die Erde künstlich abzukühlen. Einer der am meisten diskutierten Ansätze ist, in der Stratosphäre reflektierende Partikel auszubringen.
DOPAMINS: Positronen aus der kosmischen Strahlung auf der Spur
Die Erde ist ständiger kosmischer Strahlung ausgesetzt. Trifft diese auf die obere Atmosphäre der Erde, entstehen verschiedene Teilchen, darunter auch Positronen. Dabei handelt es sich um die Antiteilchen von Elektronen. Treffen Positronen auf Elektronen, vernichten sich beide gegenseitig. In der Natur „überleben“ Positronen nur ein Billionstel einer Sekunde, da das Universum voll von Elektronen ist und sie in dieser kurzen Zeit schon auf ihren Gegenpart getroffen sind. Das Experiment DOPAMINS (Detection of Positron Annihilation Mission in Near Space) der Technischen Universität Berlin untersucht, wie diese Positronen in der Stratosphäre vernichtet werden. DOPAMINS dient als Vorbereitung für die zukünftige Erfassung von Antiteilchen im Weltraum, indem das Messkonzept erprobt wird.
PHILEAS: Mikroplastik in der Stratosphäre aufspüren
Mikroplastik befindet sich nicht nur am tiefsten Punkt des Meeres, sondern auch in der Erdatmosphäre. Das Experiment PHILEAS (Project for High Altitude Identification of Lightweight Exogenic Airborne Specimens) der Technischen Universität München sammelt und analysiert Mikroplastikpartikel in hohen Atmosphärenschichten, um ein Modell zur Verbreitung dieser Schadstoffe zu erstellen. Die Elektronik und die Software des Experiments basieren auf dem System MOVE Beyond (Munich Orbital Verification Experiment), das von Studierenden der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt (WARR) entwickelt wurde.
SHROOM: Pilze als Strahlenschutz für Weltraumflüge
Die schon genannte kosmische Strahlung ist auch eine Gefahr für Astronautinnen und Astronauten auf Weltraumflügen. Herkömmliche Materialien zur Abschirmung sind schwer und sorgen dafür, dass Raketen mehr Treibstoff benötigen, um sie ins Weltall zu befördern. Das Experiment SHROOM (Stratospheric High-Altitude Radiation Observation of Organismic Mycology) der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Technischen Universität München untersucht, ob biotechnologische Schutzschilde aus Pilzen eine Lösung darstellen könnten. Radiotrophe Pilze – also Pilze, die radioaktive Strahlung als Energiequelle nutzen – besitzen ein spezielles Pigment, das Strahlung in chemische Energie umwandelt und zugleich das Erbgut der Pilze schützt. SHROOM soll zeigen, ob diese Pilze als selbstwachsende Strahlungsabschirmung geeignet sein könnten.
Nach dem erfolgreichen Flug und der Bergung werden die Daten der Experimente nun von den Teams ausgewertet.