DLR-Studie: So lohnen sich Lastenräder für Unternehmen
- Das DLR hat im Projekt „Ich entlaste Städte 2“ den Einsatz von Lastenrädern und elektrischen Leichtfahrzeugen durch Unternehmen umfassend untersucht.
- Dazu werteten sie die Daten von über 100.000 gefahrenen Kilometern, die Unternehmen mit diesen Fahrzeugen zurückgelegt haben.
- Das Ergebnis: Diese Fahrzeuge rechnen sich für Geldbeutel und Klima – wenn sie von Unternehmen richtig eingesetzt werden.
- Die Forschenden identifizierten sechs Punkte, die in der Praxis ausschlaggebend für den Erfolg sind.
- Online stehen eine Checkliste für die Einführung und ein Tool bereit, um die Rentabilität zu berechnen.
- Schwerpunkte: Verkehr, Elektromobilität, Lastenräder, LEV
Lohnt sich der Einsatz von Lastenrädern und elektrischen Leichtfahrzeugen (LEV) für Unternehmen? Das hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der Langzeitstudie „Ich entlaste Städte 2“ untersucht. Nach einer Projektlaufzeit von vier Jahren ist die Antwort ein klares Ja. Sowohl wirtschaftliche Gründe als auch Vorteile für die Menschen in Städten, das Klima und die Umwelt sprechen für den Einsatz dieser Fahrzeuge. Wichtig ist dabei, dass die eingesetzten Fahrzeuge den individuellen betrieblichen Anforderungen entsprechen und die Einsatzplanung der Fahrzeuge angepasst wird.
Für das Projekt begleitete das DLR mehr als 40 Unternehmen aus Handwerk, Gewerbe und Logistik. Die Firmen nutzten dafür bereitgestellte Lastenräder und LEV in ihrem betrieblichen Alltag. Insgesamt wurden im Projekt mehr als 100.000 Kilometer gefahren. Das DLR-Team trackte die Lastenräder mit der Großanlage „MovingLab“ und führte zahlreiche Interviews mit den Nutzenden. So konnten die Forschenden detaillierte Erkenntnisse darüber gewinnen, wann und warum der Einsatz dieser Fahrzeuge erfolgreich ist – und welche Hürden es gibt.
Erstmals umfangreiche wissenschaftliche Datengrundlage
„Unsere Daten zeigen, dass solche Fahrzeuge für Unternehmen wirtschaftlich sehr interessant sein können. Gleichzeitig haben sie großes Potenzial, unsere Städte von Verkehrslärm, schädlichen Emissionen und Überlastung zu befreien. Sie sind aber keine Selbstläufer und müssen für jedes Unternehmen individuell ausgewählt und eingesetzt werden“, fasst Dr. Johannes Gruber, Leiter des Projekts am DLR-Institut für Verkehrsforschung in Berlin zusammen. „Zum ersten Mal haben wir wissenschaftlich fundiert herausgearbeitet, was dabei die Erfolgsfaktoren sind, um Lastenräder und elektrische Leichtfahrzeuge dauerhaft in die Flotten von Unternehmen zu integrieren und zum Beispiel Pkw oder kleine Transporter zu ersetzen.“
Sechs Punkte für den erfolgreichen Umstieg
Die Auswertung der Fahrtdaten und Interviews mit den Unternehmen ergab ein klares Muster: Firmen, die auch nach dem Test weiter auf Lastenräder und LEV setzten, haben einiges ähnlich gemacht. Aus diesen „Best Practice“-Beobachtungen hat das DLR eine Praxis-Checkliste mit sechs Punkten entwickelt. Diese können vor allem Unternehmen aus den Branchen Dienstleistungen, Handwerk und Logistik, aber auch kommunale Betriebe nutzen. Zu den ausschlaggebenden Erfolgsfaktoren zählen:
1. Umstellung der Fahrzeugflotte als Transformationsprojekt verstehen
Lastenräder und LEV sind für die meisten Unternehmen neue Fahrzeugkategorien. Ihre Integration in die Fahrzeugflotte benötigt die Bereitschaft zu Veränderungen und Lernen. Denn viele Prozesse müssen angepasst werden. Diesen Wandel müssen Unternehmen aktiv gestalten.
2. Konkrete Szenarien für Nutzung festlegen und optimieren
Im Projekt erfolgreiche Unternehmen hatten sich genau überlegt, für welche Fahrten sie die Testfahrzeuge nutzten – oder waren kreativ, neue Einsatzbereiche im laufenden Betrieb zu entdecken. Dabei half die Analyse der Fahrtprofile: Entweder konnten bestehende Fahrten eins zu eins auf Lastenräder und LEV verlagert werden oder sie wurden geschickt mit vorhandenen Transportern kombiniert. Lastenräder sind sehr gut bei immer wieder vorkommenden, gleichen Transportaufgaben – wie es sie in vielen Dienstleistungsbranchen und Gewerken gibt. Eine Distanz von bis zu 30 Kilometern am Tag ist dank Elektroantrieb auch für Lastenrad-Neulinge machbar. Der Bereich zwischen acht und 18 Tages-Kilometer war besonders häufig vertreten.
3. Vorteile von Lastenrädern gezielt nutzen
Dazu gehören: das Vorbeifahren am Stau, das Nutzen von Abkürzungen, der Wegfall der Parkplatzsuche und kürzere Fußwege am Zielort. Die daraus resultierende Zeitersparnis hat es einigen der teilnehmenden Unternehmen ermöglicht, mehr Aufträge pro Tag zu erledigen, als wenn sie mit dem Pkw unterwegs gewesen wären. Auch Mitarbeitende ohne Führerschein können so allein unterwegs sein.
4. Alle Ebenen des Unternehmens einbinden
Neben einer vom Einsatz von Lastenrädern überzeugten Leitung ist die Begeisterung der Mitarbeitenden für diese Fahrzeuge ein elementarer Faktor. Dafür sollten sie möglichst früh eingebunden werden und Mitsprache bei der Auswahl der Fahrzeuge haben. In größeren Unternehmen ist ein aktives Fuhrpark- und Projektmanagement von Vorteil.
5. Probefahrten im Berufsalltag
Ob ein konkretes Fahrzeugmodell passt, hängt von vielen Faktoren ab: zum Beispiel den zu transportierenden Gütern, der Reichweite der Batterie oder dem Fahrgefühl. Nur mit Probefahrten im Berufsalltag lässt sich die Eignung herausfinden. Als hilfreich stellte es sich ebenfalls heraus, bei der Beschaffung der Fahrzeuge lokale Handels- und Servicebetriebe zu nutzen und für spätere Wartungsaufträge einzubinden.
6. Wirtschaftliche Vorteile individuell berechnen mit DLR-Online-Tool
Aufgrund ihrer niedrigen Betriebskosten – im Vergleich zu konventionellen Kraftfahrzeugen – eignen sich Lastenräder dazu, eine bestehende Flotte zu ergänzen, vor allem aber als Ersatz für gering ausgelastete kleinere Transporter oder Pkw. Wenn ein Bestandsfahrzeug durch ein Lastenrad ersetzt wird, sind jährliche Einsparungen im drei- bis vierstelligen Bereich möglich. Die Gründe dafür sind: Energiekosten von rund 50 Cent pro 100 Kilometer, Wartungs- und Reparaturkosten von 10 bis 20 Cent je Kilometer sowie niedrige Versicherungsprämien.
Vielfalt an erfolgreichen Einsatzszenarien
„Was uns überrascht hat, war die große Bandbreite an Faktoren, wann für ein Unternehmen ein Nutzungsszenario ein voller Erfolg war: Manche Unternehmen nutzten das Lastenrad täglich mit Fahrleistungen von 30 Kilometern und mehr. Andere Betriebe waren mit vier Kilometern am Tag oder auch nur einem Einsatztag pro Woche bereits vollauf begeistert“, schildert DLR-Forscher Gruber die Erfahrungen. Auch in eher unerwarteten Branchen fanden sich wirtschaftliche Einsatzzwecke: So setzte ein Tiefbau-Unternehmen ein Lastenrad mit Anhänger ein, um Verkehrsschilder an Baustellen aufzustellen.
Aus der DLR-Forschung in die Praxis: Checkliste und Online-Rechner
Für Unternehmen stellt das DLR umfassendes Material zur Verfügung, um wirtschaftlich tragfähige Entscheidungen bei Anschaffung und Einsatz von Lastenrädern und LEV zu treffen: Ein Online-Rechner ermöglicht es, die Kosten von Lastenrädern und LEV mit konventionellen Fahrzeugen zu vergleichen. Dieses Tool berücksichtigt auch Unterschiede bei Geschwindigkeiten, Betriebskosten, Lohnkosten und den CO2-Ausstoß. Leitfäden und weitere Materialien zum Herunterladen vermitteln praxisnahe Prüfkriterien und Handlungsempfehlungen.
Weiterführende Links
Über die Studie „Ich entlaste Städte 2“
Das DLR-Forschungsprojekt „Ich entlaste Städte 2" begleitete von 2022 bis 2025 mehr als 40 Unternehmen aus Handwerk, Gewerbe und Logistik sowie öffentliche Einrichtungen beim Praxistest von Lastenrädern und Leichtelektrofahrzeugen. Das Ziel war eine dauerhafte Umstellung der Fahrzeugflotte. Das Projekt wurde gefördert im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit unter dem Förderkennzeichen 67KF0154.
„Ich entlaste Städte 2“ baut auf den Erkenntnissen des ersten Projekts „Ich entlaste Städte“ auf, das von 2017 bis 2020 als größter Lastenrad-Test Europas Erkenntnisse aus vielfältigen Einsatzszenarien sammelte.

