Schiaparelli aus der Vogelperspektive: Rundflug um Riesenkrater auf dem Mars
19. August 2026 | Mission Mars Express
Schiaparelli aus der Vogelperspektive: Rundflug um Riesenkrater auf dem Mars
Von Ablagerungen verfülltes Schiaparelli-Einschlagbecken auf dem Mars
Gerade mal rund zwei Kilometer hoch ist der Rand des 450 Kilometer großen Einschlagbeckens des Kraters Schiaparelli. In der Regel beträgt das Verhältnis von Kraterdurchmesser zu Kratertiefe etwa 10:1, was bedeutet, dass Schiaparelli nach dem Einschlag eines bis zu 40 Kilometer großen Asteroiden zunächst eine rund vier bis fünf Kilometer tiefe Senke war. Vulkanische Ablagerungen, Seesedimente und vom Wind eingebrachtes Material dürften das Becken in den vergangenen drei bis vier Milliarden Jahren aufgefüllt haben. Unter anderem ist das an den bis fast zum Rand durch Ablagerungen gefüllten kleinen Kratern im Innern der Kratermulde zu erkennen. Auch ist der Kraterrand bereits stark erodiert.
Route des virtuellen Flugs über Schiaparelli und angrenzende Marsregionen
Der auf Grundlage von digitalen HRSC-Geländemodellen animierte Flug beginnt im Südwesten des Impaktbeckens nahe dem Evros Vallis – einem verzweigten, mehr als drei Milliarden Jahre alten Talsystem. Die Route überquert weitere ausgetrocknete Flusstäler, ehe es in weitem Bogen am westlichen Rand des Kraters Schiaparelli und schließlich über dessen Nordrand zum Ostrand geht. Dieser erhebt sich rund 2.000 Meter über das angefüllte Becken. Der virtuelle Flug endet an den Brazos Valles, einem Netzwerk von Tälern, das sich über fast 400 Kilometer am südlichen Rand von Schiaparelli erstreckt.
Vulkansande am Südrand des Mars-Kraters Schiaparelli
Das 450 Kilometer große Schiaparelli-Becken müsste eigentlich viel tiefer als die heute gemessenen zwei Kilometer sein. Vermutlich haben Laven, von Flüssen eingetragene Sedimente und Ablagerungen von Wind das Becken angefüllt. Ein deutliches Zeichen vulkanischer Aktivität sind die in der linken Bildhälfte sichtbaren „Runzelrücken“, die entstehen, wenn dünnflüssige Lava beim Abkühlen zu solchen, mehrere Zehnermeter hohen Gesteinsbarrieren aufgeschoben wird. Im Hintergrund ein auffallendes Band aus schwarzen Vulkansanden, die der Wind an die Luvseite des Kraterrandes von Schiaparelli abgelagert hat.
Ein neues Video auf Basis von Bilddaten der deutschen Stereokamera HRSC zeigt einen Überflug über den Krater Schiaparelli und angrenzende Gebiete auf dem Mars.
Der Krater weist trotz seines großen Durchmessers von 450 Kilometern eine geringe Tiefe auf.
Ablagerungen durch Wind und Wasser sowie vulkanische Aktivität kommen als Ursache für die Verfüllung in Frage.
HRSC ist ein vom DLR entwickeltes Kameraexperiment an Bord der europäischen Mission Mars Express.
Seit 2004 schickt HRSC hochaufgelöste Bilddaten des Mars zur Erde, aus denen digitale Geländemodelle generiert werden.
Schwerpunkte: Raumfahrt, Exploration, Mars
Ein ausgedehnter Flug rund um einen der größten Einschlagskrater auf dem Mars: Dieses neue Video ist eine virtuelle Reise über das südliche Hochland unseres Nachbarplaneten. „Hauptdarsteller“ ist dabei der Krater Schiaparelli. Realisiert wurde der Film mit Daten der Stereokamera HRSC, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt hat und betreibt. Die Abkürzung HRSC steht für „High Resolution Stereo Camera“. Sie befindet sich an Bord der europäischen Mission Mars Express und schickt bereits seit über zwanzig Jahren Daten von der Marsoberfläche und seiner Atmosphäre zur Erde. Aus den Bilddaten werden Farbbilder und digitale Geländemodelle generiert, mit denen der Rote Planet kartiert und seine Oberfläche dreidimensional dargestellt werden. Geologische Prozesse in der Frühzeit des Mars können auf diese Weise rekonstruiert werden.
Dieses Video nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise über das südliche Mars-Hochland zum Schiaparelli-Krater. Der virtuelle Flug beginnt im Evros Vallis, führt nach Norden zu einem Verbundkraterkomplex und anschliessend über den südlichen Teil des ausgedehnten Talnetzes von Schiaparelli. Das Video wurde mit Daten der deutschen HRSC-Kamera an Bord der europäischen Mission Mars Express erstellt.
Animation: HRSC-Kamera – Flug über den Schiaparelli-Krater
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Animation: HRSC-Kamera – Flug über den Schiaparelli-Krater
Dieses Video nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise über das südliche Mars-Hochland zum Schiaparelli-Krater. Der virtuelle Flug beginnt im Evros Vallis, führt nach Norden zu einem Verbundkraterkomplex und anschliessend über den südlichen Teil des ausgedehnten Talnetzes von Schiaparelli. Das Video wurde mit Daten der deutschen HRSC-Kamera an Bord der europäischen Mission Mars Express erstellt.
Credit:
ESA/DLR/FU Berlin CC BY-SA 3.0 IGO
Die Reise beginnt im Evros Vallis im Süden von Schiaparelli. Von hier aus geht es nach Norden zu einem Komplex mehrerer namenloser Krater. Ein weitverzweigtes, ehemaliges Flusstalnetz südlich von Schiaparelli rückt ins Blickfeld. Danach wird der Kraterrand von Westen her überquert. Es folgt eine Kurve im Uhrzeigersinn mit Blick in das Kraterinnere. Man kann hier mehrere sogenannte Runzelrücken vulkanischen Ursprungs und kleinere Krater erkennen. Die Videosequenz endet mit einem steilen Aufstieg über Brazos Valles, das direkt in den südlichen Kraterhang von Schiaparelli eingeschnitten wurde.
Um die Verdienste des italienischen Astronomen Giovanni Schiaparelli (1835 bis 1910) zu würdigen, wurde dieses Einschlagsbecken nach ihm benannt. Er hatte den Mars intensiv beobachtet und kartiert. Auf ihn geht unter anderem die Bezeichnung der Marskanäle („canali“) zurück, die er bei einer günstigen Marsopposition zur Erde 1877 entdeckte und in einer Marskarte darstellte. Diese war über einen langen Zeitraum die beste ihrer Art und galt als Referenzwerk.
Warum ist „Schiaparelli“ so flach?
Der gewaltige Durchmesser des Kraters Schiaparelli – etwa 450 Kilometer – entspricht in etwa der Strecke von Berlin nach Essen. Obwohl er einer der größten Krater auf dem Mars ist, weist er mit rund 2,5 Kilometern eine geringe Tiefe auf – dies erscheint zunächst überraschend: Der Körper, der einst hier eingeschlagen war, muss gewaltige Ausmaße von 30 bis 40 Kilometern gehabt und ein dementsprechend tiefes „Loch“ verursacht haben – Impakte dieser Dimension können fünf und mehr Kilometer tiefe Becken hinterlassen. Das dürfte auch bei Schiaparelli der Fall gewesen sein. Ein logischer Erklärungsansatz für die jetzige geringe Tiefe ist, dass Schiaparelli im Laufe der letzten Milliarden Jahre stark aufgefüllt wurde. Das ist erkennbar an vom Wind eingetragenen Sedimenten, Lavaablagerungen und auch an Material, das durch Flüsse hierhergebracht und in einem ehemaligen See innerhalb des Kraters niederging.
Auf dem Kraterboden befinden sich mehrere große, gewundene Grate, die auch als Runzelrücken – oder in der englischen Fachsprache als„wrinkle ridges“–bezeichnet werden. Sie geben einen Hinweis darauf, dass der Krater einstmals mit Lava verfüllt wurde, denn diese typischen Rücken entstehen, wenn Lavalagen abkühlen und dadurch schrumpfen. Das große schwärzliche wellenförmige Band nahe der südlichen Kraterwand ist höchstwahrscheinlich auch vulkanischen Ursprungs und besteht aus dunklen Sanden, die durch Winde hierher geweht und abgelagert wurden.
Hintergrundinfo
Dieser Film wurde auf Grundlage eines Bildmosaiks der High Resolution Stereo Camera an Bord von Mars Express erstellt. Der Datensatz aus dem HRSC Mars Chart 30 (HMC30; Quadrangle MC-20W) wurde mit topografischen Informationen aus dem digitalen Geländemodell (DGM) der Stereokamera kombiniert, um eine dreidimensionale Landschaft zu erzeugen. Die Ansicht ist auf 8 Grad Süd und 17 Grad Ost zentriert. Für jede Sekunde des Films werden 50 Einzelbilder gerendert, die einem vordefinierten Kamerapfad in der Szene folgen. Die für die Animation verwendete vertikale Überhöhung ist dreifach. Atmosphärische Effekte wie Wolken und Dunst wurden hinzugefügt, um die Grenzen des Geländemodells unsichtbar zu machen. Der Dunst beginnt sich in 250 Kilometer Entfernung aufzubauen.
Zu den HMC30-Produkten gehören Multi-Orbit-DGMs und orthorektifizierte Bildmosaike, die aus HRSC-Einzelbildern generiert wurden, sowie Folgeprodukte wie pan-geschärfte Farbmosaike. „Orthorektifizierung“ ist der Fachbegriff für die geometrische Korrektur eines Bildes. Hierzu werden Reliefverzerrungen, Sensorartefakte und sonstige Perspektivverzerrungen entfernt.
Die HMC30-Datenprodukte sind nach einer modifizierten Version des Kachelschemas USGS MC-30 des U.S. Astrogeology Science Center organisiert. Sie basieren auf einer Bündel-Block-Anpassung der Stereobilder und sind in der globalen MOLA-Referenz registriert. Dies ist der Höhen-Bezugsrahmen für die gesamte Marsoberfläche auf Basis des Mars Orbiter Laser Altimeters.
Die hochauflösende Stereokamera wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und in Zusammenarbeit mit Beteiligung aus der Industrie gebaut (EADS Astrium – heute Airbus –, Lewicki Microelectronic GmbH und Jena-Optronik GmbH). Das Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Daniela Tirsch, Principal Investigator (PI), besteht aus 50 Co-Investigatorinnen und Co-Investigatoren aus 35 Institutionen und elf Ländern. Die Kamera wird vom DLR-Institut für Weltraumforschung (ehemals DLR-Institut für Planetenforschung) in Berlin-Adlershof betrieben.